Wen – Das Post-Grime-Wunderkind

WEN (aka Owen Darby) wird sein neues Album, „EPHEM:ERA“, am 6. Juli 2018 via Big Dada veröffentlichen. Dieses Album folgt auf seine gefeierte EP „CARVE + GAZE“, die 2017 bei Big Dada erschien und ist sein erstes Album seit seinem Debüt „Signals“, das 2014 bei Keysound erschien. Im Jahr 2018 kann Konsum als solcher flüchtig und augenblicklich sein, von dem wiederum nur Fragmenteübrig bleiben. WENs neues Album ist eine Antwort auf diesen vorübergehenden, kaum greifbaren Zustand.„EPHEM:ERA“ wird präsentiert als eine Sammlung „temporärer Pausen“ eines Internet-gesteuerten und unermüdlichen Zyklus’ von Ablenkungen. Es ist ein Album mit präzisen Tracks, die unüberhörbar seinem genreübergreifenden Bass-beeinflussten Stil entstammen. Es ist für eine Ära endloser kurzlebiger Entdeckungen. Zum Teil inspiriert von den Designs des italienischen Architekten Carlo Scarpa, späten Nachtfahrten und Wetterphänomenen, haben diese zyklischen, vergehenden Bewegungen wie Regen, Nebel oder Tau einen Nerv bei Darbys Fixierung auf Vergänglichkeit getroffen. An dieser Stelle tritt er hervor und nimmt sich über die Länge von 12 Tracks mit eigenen Interpretationen den verschiedenen Strömungen und schwerelosen Durchläufen von UK-Grime an, die er selbst beschreibt als „elektronische Studien – entworfen über die Fransen experimenteller Klubmusik hinaus“.

Wiederkehrende Partituren bilden den Kern von „EPHEM:ERA“ ab, während eine darauffolgende Strukturierung eine Ungleichheit zu Darbys Produktionsprozess hinzufügt, bei der sich impulsive Kreativität zum einen und akute Detailversessenheit zum anderen gegenüberstehen. Warme, weltgewandte Sounds treffen auf kalte, digitale Konstruktionen. In „RAIN“ sind melodische Bleeps eingehüllt in eine luftige Atmosphäre. An anderer Stelle wird bei „VOID“ lebhaft Glas zerschlagen, durchbrochen von dichten stählernen Arpeggios. Das Album wechselt zwischen verschiedenen rhythmischen Ansätzen. Bei „CURVE_RELAY“ sind die Drums geschwungen, schwer im Groove und die Perkussion weicht mal zurück und tritt dann wieder in den Fokus changierender Stimmungen. In der gestern veröffentlichten ersten Single aus dem Album, „TIME II THINK“, werden eisige und raue Melodien von einer gebändigten, gedämpften Vierviertelkick angetrieben. Die sich immer wandelnden Strukturen seiner Tracks spiegeln eine sehr offene Perspektive wider, die verschiedene Genregrenzen und Klubkontexte umreißt.

Als Album ist „EPHEM:ERA“ sowohl eine Reaktion auf unsere Beziehung mit Musik als auch eine kontinuierliche Erkundung. Indem verschiedene ausgeprägte Stimmungen in einer Flut von Tracks zusammengesammelt werden, ist das Album eine Kritik auf vorherrschende unstete Standpunkte: Musik wird schnell entdeckt, augenblicklich erforscht, bevor die eigene Aufmerksamkeit sogleich wieder auf etwas anderes gelenkt wird. Gleichzeitig ist es trotzdem ein Vehikel, um Ideen miteinander zu verbinden: ungezügelt werden sich überlappende Konzepte zu etwas neuem verwoben, das nach vorn gerichtet und ganz ist.