MKZWO Magazin

Refpolk - Über Mich Hinaus

„Ach, der von Schlagzeilen!“ - Doch Refpolk hat auch seine eigenen Tracks. Mit „Über mich Hinaus“ veröffentlichte er Anfang des Jahres sein erstes Soloalbum. HipHop abseits von Macho-Gehabe, Sexismus und Themen, die man sich einfach auch sparen könnte. Refpolk macht es anders, linker Rap ist sein Sprachrohr und so äußert er sich mit Themen, wie Identifikation,Veränderungswille, Alltag, Isolation, Mobilisierung, Liebe und Solidarität. Doch dies sind nur einige, seiner hier untergebrachten Inhalte.

Lange ließ er auf sich warten, doch nun präsentiert er 12 Songs, die Vielfältigkeit, Kreativität und eine persönliche Note versprechen. Refpolk, der junge Rapper aus Berlin, versucht sich dem ganz Kleinen und dem großen Ganzen hinzugeben. Diese Platte dient sowohl als Motivationsgrundlage und Antriebsmotor, als auch, als Rückzugkammer in wärmster Umgebung.

„Befreiung heißt auch, dich selbst zu begreifen!“ - Sich selbst verstehen und dies in Wörter packen zu können. Das können nur die wenigsten, sobald dabei Ehrlichkeit, Selbstkritik und Selbstliebe im Spiel sind. Mit dem gleichnamigen Song „Über Mich Hinaus“ - versucht er genau das. Er erklärt seine Technik und Struktur, seine individuelle Harmonie zur Musik. Er gesteht sich zugleich Fehler ein und verleiht dem Ganzen eine ziemlich ehrliche Selbstreflektion – schön!

Raus aus seinem eigenen Film – hin zum Zusammenraufen und gemeinsamen Kämpfen für eine gerechte Welt. Aktualitätsbezug sucht er im Alltag der Berliner Straßen. Mieterhöhungen, sind da nach wie vor ein ernst zu nehmendes Thema. Der Song „Kriegta Nix“, erinnert uns an die Scherben-Revolte und dort spricht er genau dieses Thema an. Ironische Bezeichnungen wie „Miete zu günstig“ runden den Song ab und bringen das Affentheater über die Wohnungssituation in Berlin zum Ausdruck. Der Song „Aufwachen“ impliziert ein Pflichtbewusstsein, sein eigenes Hamsterrad zu verlassen und einen Sprung in die kalte Realität zu wagen. Er gibt Denkansätze und zeigt zudem Alternativen auf.Ein ziemlich ausdrucksstarkes Statement ist jenes: "Stelle Menschen nicht auf ein Podest, weil sie sonst zu weit weg sind.“ Refpolk fokussiert dabei die Einfachheit der Menschen gepaart mit ihrem Individualismus. Klassenkampf bleibt da nicht außen vor.

Mit „Jammer nicht rum!“ beschreibt er den Umgang mit depressiven Stimmungen innerhalb der Gesellschaft. Es heißt ja oft genug, jammer bloß nicht rum, denn jedem geht’s mal schlecht. Er versucht das Eis zu brechen, denn jedem sollte erlaubt sein sich zu beklagen und dieses Jammern sollte auch Gehör finden. Ausrufe wie „Ich bin der Krisengewinner!“ & „Lebe deine Krise!“ - Macht noch einmal deutlich wieviele auf der anderen Seite leiden, wenn nur einer profitiert. Ironie trifft auf Wirklichkeit. Diese Quintessenz lässt sich ebenfalls auf den Song „Computer wissens“ projizieren. Zusammen mit Johnny Mauser aus Hamburg, nimmt er die alltägliche Nutzung von „Social Media“ auf die Schippe. Dabei werden Gefahrenhinweise erläutert und einige nicht durchdachte Verhaltensweisen im Netz lächerlich gemacht. Am Rande werden jedoch auch Vorteile für Musiker_Innen genannt. – Klar ist also, ihre Mucke sollte geliked werden.

Ein weiteres Feature, diesmal mit dem berliner Kollegen Pyro One heißt „Lass es uns von vorn beginnen!“. Hier wird ein Motivationsschub losgelassen. Dinge, die Mensch hinterfragt, die Mensch bereits erlebt hat und Erfahrungen, die ihm gefallen haben, sollten erneut angegangen und versucht werden. „Leben“ heißt die Devise, also 'free up your mind and just try!'. Die hier erzeugte große Unbekannte, kann ein jeder für sich selbst ersetzen. Spontanität hilft dabei!

Mit „Risse im Granit“ macht er ein Fass auf, das vielen Identifikationsgrundlage bietet. Der Text ist mehr als gehaltvoll und könnte stundenlang zitiert werden. Beispielsweise so, „Aber sicher diese Welt ist nur so schnell, solang wir sie drehn' bis wir alle selber nicht mehr könn'.“ Jeder trägt also seinen Teil dazu bei und treibt die stressige Schnelllebigkeit an, denn wer zu spät kommt bleibt allein. Anregungen zum kritischen Nachdenken entstehen. Gleichzeitig ermutigt Refpolk zum „Weiterkämpfen“ mit diesem Statement: „Und wenn der Asphalt alles abdeckt, könn' wir immerhin nicht unsren Kopf in den Sand stecken.“ - Mein persönliche Favorit, sehr schöner Song!

Noch bunter wird diese Platte mit den Liedern „Lass mich gehn'“ mit Filou vom Berlin Boom Orchestra. „Lass mich gehn'“ beschreibt die Auszeit, die sich jeder mal nehmen sollte, um zur Ruhe zu kommen. Doch es handelt sich nur um eine scheinbare Ruhe, dies wird klar mit dem Refrain, denn dort steht im Vordergrund, dass die Ruhe doch nur eine Farce bleibt. Weiter geht es mit „Mehr als genug“ feat. Sookee. „Props an euch und eure Kämpfe“ - Andere Menschen ernsthaft wahrnehmen, ihnen die Möglichkeit geben sich zu reflektieren. Dies hält zusammen und ist die Grundlage für einen gemeinsamen Kampf. Gemeinsame Interessen entdecken und sich mobilisieren. Den Veränderungswillen weiterreichen und die Motivation teilen, das ist die Intention dieses Songs. Gegen Naziterror und Ungerechtigkeit kann man nunmal nicht alleine vorgehen, deshalb steht Vernetzung im Vordergrund. Mehr als genug, um es zu teilen, eben.

„Naivität“ - hier wird eine ganz persönliche Seite von Refpolk deutlich. Er beschreibt wie er seine Naivität verlor und die grausame Wahrheit in der heutigen Zivilgesellschaft ihn einholte. Doch um seinen kämpferischen Willen zu behalten und die positiven Dinge im Leben in den Fokus zu rücken, will er sie letztlich doch bewahren. Mit „They shall not pass“ wird noch einmal ein klares Zeichen gegen Rechts gesetzt. Das Feature mit Lenkin.Hop & Acero Moretti beschreibt den internationalen Kampf gegen Rassismus und Faschismus. Ausdrucksstark ist dabei die Vielfalt der Sprachen. Mit Englisch, Deutsch, Russisch und Italienisch dürften sich die Leute in Aktion auch über die Landesgrenzen hinaus angesprochen fühlen. Klar wird ebenfalls, dass Mensch im antifaschistischen Kampf nicht alleine ist.

 Favoriten sowohl stilistisch, als auch inhaltlich lassen sich kaum finden, da wirklich jeder Song sehr ausgereift ist und verschieden. Kein Einheitsbrei, sondern ein Überblick, über aktuelle Themen und über solche, die man auch in 50 Jahren hören kann. Ein hervorragendes Beispiel sollte „Du Bist Schön“ sein. Ein Liebessong ohne Phrasendrescherei, dafür ganz viel Ehrlichkeit und zwischenmenschliche Geborgenheit. Refpolk regt zu einer offenen, herzlichen Umgangsweise an, die vielen, in der heutigen Gesellschaft schwerfällt, solange es nicht ums Liken irgendwelche Bilder geht.

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