MKZWO Magazin

Marteria - Base Ventura

Seit seinem Debut-Album „Marsimoto“ ist ein Jahr vergangen. Nun ist Marteria seit dem 24. August 2007 mit seinem neuen Album „Base Ventura“ draußen. Die drei Skits und vierzehn Tracks starke LP hat sich Base auch ganz groß auf die Kappe geschrieben und kann vor allem mit basslastigen Stücken trumpfen. Das dem Album gleichnamige Intro wird von seiner Mutter eingeleitet. Der dröhnende Beat verströmt eine düstere Grundstimmung und Marteria macht mit der Zeile Man ich hab Bock auf die Baseline / Mister Ma. ich lass die Base knallen klar, um was es hier geht: richtig drückende Beats gekoppelt mit Marterias unglaublich tiefer Stimme, die beim ersten Hören an Harris erinnert. „Tyrannosaurus Rap“ stellt Mister Ma. näher vor und lassen den Hörer in seine Lebensgeschichte eintauchen. Der dritte Track „Die Bitch“ lässt beim Titel schon vermuten, um was es geht. Allerdings fällt beim genauen Beobachten auf, dass im Text mal locker die für üblich maskulin behaftete Rolle des Ghettokids aus dem weiblichen Standpunkt erzählt wird. Der Track ist übrigens seiner Frau Ninavigation gewidmet und zeigt, das Rap ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Mit „Einer von euch“ haut Marsimoto einen Track an seine Fans raus und lässt einen mit einigen seiner subtilen Zeilen grinsen. Bei „Deine Weedlingsrapper Part One“ wartet das erste, wirklich witzige Skit auf. Erinnert sei nur an den Horoskop-Service diverser Call-in Shows. Track sechs kommt mit Parts von King Orgasmus One und Marterias alter Ego Marsimoto daher. Inhaltlich dreht es sich um Drogen, Auswirkungen derselbigen Substanzen und wirkt wieder sehr dunkel. Aber diese Eigenschaft ist auch das, was Marterias Style bisher ausmacht. Aus der ironischen Ecke kommen Hiebe bei „Das Leben ist schön“. Marteria vermittelt die Aussage, dass ein Leben auf Standardniveau nicht glücklich macht, wenn man es sich schön reden muss, um es zu ertragen. Vielmehr sind es die Ups und Downs, die das Leben für Marteria schön machen: auch wenn alles unerträglich gegen dich ist / das Leben ist schön, auch wenn das Leben dich fickt. Bei „Image“ kommen Godsilla und Clickx hinzu und machen sich über ausgekaute Images lustig. Das war längst überfällig und doch unerwartet: eigentlich bist du Ziwi im Behindertenmobil doch dein Sound macht nicht mal die Behinderten mobil. Political Corectness ist etwas anderes, aber Kunst ist Freiheit. Nach dem zweiten Skit „Deine Lieblingsrapper Partout“ geht es weiter mit der rabenschwarzen Atmosphäre. Innovativ ist vor allem, dass Marteria seinem bereits erwähnten Doppelgänger Marsimoto eine gepitchte Stimme gibt. In „Haze Ventura“ geht es inhaltlich bei der oberflächlichen Betrachtung ums Kiffen. Beim zweiten Blick, ist die LP der eigentliche Trip, auf den es geht. In „Keine isst“ listet Mr. Ma auf, was man so verdrücken kann und schließt thematisch an die bereits oft in den Medien breitgetretene Diskussion über die Verfettung der Jugend an. Battle gibt es in Song zwölf. Marteria, Gabreal und Mädness packen gute Lines aus. Überraschend anders wird es bei „Starteria“ beim Beat orientalisch.Und wieder ist Marsimoto als Feature dabei. Marteria rappt beinahe 3:50 Minuten easy in Doubletime. Um mitzukommen ist schwierig, aber skillsmäßig ist „Starteria“ das beste Stück von „Base Ventura“. Fast soft geht es bei „Murder was the base“ weiter. „Fusion“ ist ein Possetrack, der kurz vor Ende noch mal eingestreut wird. Der letzte Song des Albums „Kein Ende in sicht“ ist aufgebaut auf einem smoothen und vergleichsweise durchweg positiven Beat daher. Zeilen wie Ich hab Marsimo erschaffen, damit Deutschland wieder träumen kann und alles bleibt beim Alten, alles ist am wachsen / mein Rap ist der Beste, das Splash! bleibt in Sachsen sind nur einige Auszüge witziger Passagen und machen klar, das Marteria schon in die Zukunft plant und auch in Zukunft seinen Weg weitergehen wird. Das Fazit ist folgendes: die Beats sind beeindruckend deep und sind wohl Geschmackssache. Reimtechnisch gibt es auch nichts zu meckern. Marteria ist zumindest ein Künstler, der andere Wege einschlägt, als die bereits im deutschen Rap existierenden. Dafür gibt es Respekt und die Anmerkung, dass „Base Ventura“ es wert ist, sich eine eigene Meinung zu bilden.

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