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Form - Ich bin 7undzwanzig Meter groß

Was Form den Hörern mit seinem vierten Werk, oder wie er selbst sagt Untape, geben möchte, ist nicht einfach zu beschreiben. Feststeht nur eins, der Wahlmainzer präsentiert mit „Ich bin 7undzwanzig Meter groß“ ein Tape, an dem sich die Geister scheiden. Die einen sind von den nicht selten auf Drum & Bass oder Acid basierenden Beats schlagartig abgeschreckt, die anderen empfinden es durchaus anstrengend, form durchgehend zuzuhören und schalten doch nicht ab, denn was Form da von sich gibt ist irritierend und provozierend aber genau das ist auch der Grund, warum die Neugierde wächst. Die verwendeten Beats haben mit Hip-Hop so wenig zu tun, wie Nordseefischer mit bayrischen Bierbrauern, seine Verse reimen sich mit voller Absicht kein Stück und die Parts kommen so gut wie durchgehend off-beat. Aber was steckt hinter der Fassade, die man mit Adjektiven wie unkonform oder ungewohnt, welche möglicherweise auch in Puncto Namensgebung beteiligt waren, am besten beschreiben könnte? Wenn diese Frage mit einem Satz beantwortet werden sollte, würde sie so lauten: Abkehrung von Norm und Regel in Kombination mit der Forderung nach Mut zu musikalischer Vielfalt und nach der künstlerischen Offenheit, Wege zu respektieren, die mit dem eigenen Geschmack nicht Hand in Hand gehen aber genau durch diesen Effekt erreichen, dass Rap mehr Facetten bekommt und so reicher wird. Das ist vermutlich auch der Grund, wieso form nicht jedem Hip-Hop-Fan gefallen und noch von wenigeren verstanden werden kann. Was man braucht um ihn zu verstehen ist die Auffassung, dass Rap nach seinem künstlerischen Wert und keinsten Falls nach der „Anzahl der Schusswunden des Protagonisten“ bewertet werden sollte. Es kann nicht bestritten werden, dass „Ich bin 7undzwanzig Meter groß“ außer Konkurrenz steht, was die Abkehr vom Mainstream betrifft. Eigentlich verhält es sich jedoch auch wieder ganz anders. Um die Schubkästen mal offen zu lassen, kann behauptet werden, dass forms Untape eine neue Kategorie eröffnet, die ausbaufähig ist. Doch es ist auch klar, dass man sich nur für „Ich bin 7undzwanzig Meter groß“ begeistern kann, wenn man genug Eifer, Geduld und Freigeist mitbringt, um über die Mauer zu klettern, die sich Form zur Abkehr vom bisher bekannten Rap-Stil um sich herum aufgebaut hat.

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