MKZWO Magazin

The Cure - Nach dem Regen

„Muss man sich überhaupt noch die Mühe machen zu erklären, warum Künstler dieses Kalibers einem größtmöglichen Publikum bekannt gemacht werden sollten? Könnte ich nicht diese Passion ganz egoistisch für mich behalten und mich im Stillen darüber amüsieren, wie viele sie verpassen, ohne auch nur zu ahnen, was sie sich entgehen lassen?“ So beginnt David Fargier sein 2006 erstmals erschienendes Buch und man fragt sich bereits, in welcher Welt dieser schwebt.

„Ich bin naiv genug zu glauben, dass das, was The Cure erschaffen haben, für ein paar privilegierte Seelen bestimmt ist und dass sie sich rasch zurückziehen würden, falls sie in großem Maß populär werden würden.“ Kaum zu glauben, aber ja, er meint wirklich The Cure, die seit über 20 Jahren Popstars sind und es auch schon waren, als ein Teenager namens David Fargier sich zum Verehrer von Robert Smith entwickelte. Er hat ihn dann vor einigen Jahren das erste Mal persönlich zu Gesicht genommen und da war wohl klar, das einem Fanbuch nichts mehr im Weg stehen würde. „Dieses Buch ist das genaue Gegenteil der Arbeit eines Kritikers, der ein Werk nicht zerpflückt, um seine Schönheit hervorzuheben, sondern um zunächst alle Schwächen herauszustellen und es dann in der Luft zu zerreißen – und das aus purem Neid. Natürlich beneide ich Robert Smith – aber mein Neid ein Echo von Dankbarkeit.“ Falls ihr nun die eine oder andere Kritik in diesem Artikel entdeckt, schiebt es bitte einfach auf den Neid, den ich Fargier gegenüber empfinde. Er beginnt die lange Bandgeschichte ganz am Anfang und endet beim „The Cure“-Album aus dem Jahre 2004. „Unter dem Strich enthält dieses Buch nicht viel Neues, aber das ist nicht schlimm“, schrieb Fargier ehrlicherweise in der Einleitung und so jagt ein Superlativ das andere. Die eingefügten Smith-Kommentare halten sich leider am immer gleichen Muster fest: Die letzte Platte, naja, aber die neue ist wirklich die Beste und so weiter und so fort. Manchmal beginnt man auch stark am musikalischen Verständnis des Autors zweifeln, wenn er schreibt, „Paul Anka versorgte uns mit einer swingenden, aber dennoch ernst gemeinten Variante der ‚Love Cats’“. „Lovecats“ basiert schon im Original unüberhörbar auf einem Swingbeat. Als nächstes werden alle regulären Releases von The Cure einzeln durchgenommen. Hier versucht sich Fargier selbst als Poet und so endet beispielsweise der Abschnitt über das Album „Bloodflowers“ mit folgenden Zeilen: „Die Blutrosen verwelken und verbrennen. Unter der Wintersonne verbrenne ich mit ihnen, denn unser Schicksal ist bereits besiegelt. Aber das war ja schon vorher klar.“ Den Liedtext von „Never“ („I have no time to wait / I’m trying to be the one for her / trying to be enough for her“) deutet er umso kurioser: “Niemand hat bisher so brutal die Notwendigkeit der Geschlechtertrennung formuliert.” Es folgen fast 30 Seiten lang Berichte und Interviews von anderen Schreibern, die bereits mehrfach in den biographischen Kapiteln zitiert wurden. Abschließend behauptet Fargier: „Ich habe es erklärt: The Cure spielen keinen Rock – sie erfinden Musik, mit allen damit verbundenen Risiken und Überraschungen. Sie sind immer Umwege gegangen und unglaublicherweise können wir nicht vorhersagen, wohin uns diese Wege noch führen werden.“ So etwas könnte man eventuell über eine Gruppe wie Can schreiben, aber nicht über eine zweifellos großartige Band, die seit 30 Jahren zwar einige stilistische Entwicklung und Rückbesinnungen hinter sich hat, aber sich nie durch großartiges Avantgardeverhalten hervor getan hat. Abgesehen gibt Fargier keinerlei Erklärung ab, die solch eine Behauptung rechtfertigt. Analysieren scheint nicht das Ding des Autors zu sein, vielmehr die gequälte Pose, die er seinem Idol nachempfindet, wenn er zwischendurch fragt: „Aber Robert, können wir jemals aufhören zu lieben?“