MKZWO Magazin

Burnt Friedman & Jaki Liebezeit - 15.12.2011, Festsaal Kreuzberg, Berlin

Erstaunlich zeitlich fand sich das Publikum im Festsaal ein. Nach eineinhalb Stunden war der Laden gut gefüllt und die allgemeine Aufmerksamkeit ganz nach vorne gerichtet. Links auf der Bühne Jaki Liebezeit, stolze 72 Jahre, der auf eine 50jährige, beeindruckende Karriere zurückschauen kann, die anderswo nachzulesen ist. Auf das Zurückschauen hat er aber künstlerisch wohl ebenso wenig Lust wie sein Partner Burnt Friedman an der Elektronik, der immerhin auch schon seit 20 Jahren dabei ist. Was für Sounds und vor allem wie sie Friedman an diesem Abend erzeugt hat, kann ich gar nicht sagen. Sicher ist nur, dass der Klang der von ihm sehr gern benutzten Steeldrum öfters zum Einsatz kam. Die Musik der beiden ist bestimmt von Taktarten, die hier wesentlich seltener als der omnipräsente 4/4-Takt zu hören sind, nicht umsonst heißt ihre Albumreihe „Secret Rhythms“. Die ersten beiden Stücke waren besonders „krumm“, man sah keine zehn Köpfe im Takt nicken. Zum Schluss hin wurde es etwas eingängiger oder hatte man sich einfach besser reingehört? Ich glaube, das Duo spielte 6 Stücke, aber auch das kann ich nicht genau sagen, so angenehm verging die Zeit bei der Musik. Während des ganzen Gigs fiel bei den Beiden kein einziges Wort, aber es wurde beim Applaus sympathisch gegrinst und dass sie zweimal wieder für eine Zugabe auf die Bühne zurückkehrten, spricht ebenfalls für den Spaß, den sie hatten. Insgesamt kamen sie auf eine Spielzeit von über 80 Minuten. Das Publikum war vom Alter her sehr gemischt. Ein paar junge Frauen tanzten, gelegentlich jubelnd, auf einem Tisch, anderen konnte man problemlos zutrauen, Jakis ehemalige Band Can schon in den frühen 70ern verfolgt zu haben. Wo mir bei anderen Konzerten die Formulierung „die Band ließ keine Fragen offen“ sinnig erscheint, verlässt man hier den Raum mit einigen Fragezeichen im Kopf. Schön und erfrischend, etwas zu erleben, dass sich der allgemeinen Kategorisierung entzieht.

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