MKZWO Magazin

Tami ist ein Lichtblick im derzeitigen Rap-Geschehen

Der Kölner Rapper TAMI ist der Prototyp eines echten MCs und damit ein Lichtblick im derzeitigen Rap-Geschehen. Gesegnet mit unfassbaren Rap-Fähigkeiten und einer unendlichen Fülle an Storys aus einem bewegten Leben, präsentiert er auf seinem Debüt-Album ausgereifte, eigenständige und abgeklärte Rapmusik mit Anspruch. Durch die Bank dope, souverän und in bester Manier zeitlos. Angesichts dessen, was im sogenannten Rap-Game derzeit so passiert, kann man sich das schwer vorstellen, aber: Rapmusik geht auch mit Anspruch. Mit dem Anspruch, nicht primär für Entertainment zu sorgen, sondern sich und sein Leben in Reime zu verpacken. Mit dem Anspruch, diese so zu gestalten, wie es kein anderer kann. Rapmusik mit dem Anspruch, das zu erzählen, wer man ist, was passiert ist und was dazu gesagt werden muss. Kein Bullshit, sondern echter Rap. Und genau das macht der Rapper TAMI auf seinem Debüt-Album „Habakuk“. Der formulierte Anspruch findet sich bereits im Titel: „Habakuk“ bezieht sich mitnichten auf irgendeine fiktive Gestalt: Habakuk ist Tamis bürgerlicher Vorname, und dieser Habakuk steht auch im Mittelpunkt des Geschehens auf dieser außergewöhnlichen LP: Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, hat der nun in Köln beheimatete 29-Jährige vieles erlebt und vieles zu erzählen – und weiß ganz genau, wie man das auf eine unaufgeregte, technisch anspruchsvolle und unbedingt nachfühlbare Art und Weise tut: „Ich rappe über mein Leben und dichte nichts dazu. Ich bin keine Kunstfigur, sondern rappe das, was ich bin.“ Schon früh sammelte TAMI Erfahrungen, von denen er in seiner Kunst immer noch zehrt: Vom dörflichen Oberberg ging's für den jungen, wilden Habakuk in ein Landschulheim für Schwererziehbare, eine „Notbremse“, wie er heute sagt. Eine Episode, die ihn aber nicht davon abhielt, als junger Erwachsener doch in ein Leben abzurutschen, das gelinde gesagt chaotisch verlief: „Ich bin sozusagen ein geläuterter Asi“, lacht TAMI. „Ich hab viele Drogen genommen, bin auf Techno feiern gegangen und war mit meiner Graffiti-Crew unterwegs. Wir haben alle in einer Bude gehaust und eigentlich nur Scheiße gebaut. Eine wirkliche Struktur brachte eigentlich erst die Geburt meiner Tochter in mein Leben und meine Musik.“ HipHop begleitete TAMI aber schon sehr lange: Er begann mit 13 mit Freestyles, pumpte Eminem und Die Firma, malte mit seiner Crew KVS Graffiti und nahm seit Ende der Neunziger stetig Songs auf, von denen aber bis auf eine EP und ein Mixtape kaum einer das Licht der Welt erblickte. Mit der Rap-Szene an sich hatte er, abgesehen von Freundschaften zu Rappern wie AmmO, Sparky oder Veedel Kaztro, jedoch lange nichts am Hut. Umso ausgereifter, eigenständiger und überraschend abgeklärt wirkt seine Musik heute auch.

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