MKZWO Magazin

Scotch

Auf seinem neuen Album „Erinnerung“ präsentiert sich der Dresdner Rapper Scotch ehrlich und bodenständig. Ein Junge aus Dresden eben, einer von uns. Beim Treffen zu diesem Interview bleibt er seiner Linie treu. Kein Champagner in der Hotellobby, sondern Flaschenbier am Küchentisch.

MKZWO: Du siehst ganz schön fertig aus… Wie war Dein Tag bis jetzt?

Scotch: Wenig spektakulär. Ich habe die letzte Nacht bei Slider auf der Couch gepennt, weil wir bis in die Puppen am Artwork für eine Anzeige gearbeitet haben. Als der Hahn gekräht hat, bin ich direkt nach Pirna gefahren. Dort habe ich ein paar Stunden den Laden von Dissziplin geschmissen, der gerade in Hamburg ist. Jetzt trink ich mein Feierabendbier und mache mit dir das Interview.

MKZWO: Am 25.02.2011 erscheint nach drei Jahren Pause dein zweites Soloalbum „Erinnerung“... Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Scotch: Ich habe auf jeden Fall keine 3 Jahre geschlafen. In dieser Zeit habe ich eine Menge Features und das „Kein Schmerz – Kein Ruhm“-Album rausgehauen und Workshops gegeben.

MKZWO: Du arbeitest bereits zwei Jahre am neuen Album?!

Scotch: Ja, das kommt hin. Ich habe schon 2009 begonnen, zusammen mit T-Wonder die ersten Beats dafür zu bauen. Die ganze Entstehung von „Erinnerung“ war eine art Selbstfindungsprozess für mich. Ich hatte anfangs überhaupt keine klare Richtung oder ein Konzept. Ich habe viele Lieder wieder gestrichen und nochmal neu aufgenommen. Erst nach und nach habe ich herausgefunden, was ich machen will. Mitte 2010 waren bereits 12 Lieder im Kasten, von denen am Ende aber nur 4 übrig geblieben sind. Der ganze Rest ist erst im letzten halben Jahr entstanden.

MKZWO: Was ist unterm Strich dabei rausgekommen? Wo stehst du jetzt musikalisch und persön-lich nach diesem Prozess?

Scotch: Oh, harte Frage! Ich mach mir einfach keine Gedanken mehr darüber, was Leute von mir halten oder erwarten. Persönlich hab ich mich krass weiterentwickelt... Ich bin lockerer geworden und schätze die schönen Seiten des Lebens jetzt mehr als früher. Das fließt natürlich auch in meine Musik ein. Meine Botschaften sind insgesamt viel positiver. Das Leben ist nur das, was man selbst draus macht. Man muss seinen Mann stehen, kämpfen und seinen Zweifeln einen Grabstein setzen. Genau darüber habe ich auch Songs geschrieben.

MKZWO: Darüber hinaus sprichst Du auf „Erinnerung“ – wie auch schon auf deinem ersten Album - viel über Dresden und Fußball. Sind das wichtige Themen in Deinem Alltag?

Scotch: Meine Heimatstadt Dresden hat definitiv einen großen Einfluss auf mich. Ich bin hier aufge-wachsen und von ihr geprägt. Für uns sind Freundschaft, Anstand und Respekt mehr als nur Worte, wir machen uns füreinander gerade. Diese Überzeugung finde ich eben eins zu eins in der Dresdner Fußballszene, aus der die meisten meiner Freunde kommen. Ich bin stolz auf mein Dresden und mache da kein Geheimnis draus. Ich möchte, dass auch der Letzte dieses Selbstbewusstsein entwickelt und wir nicht den Trends anderer Städte folgen, sondern einen eigenen setzen.

MKZWO: Die Vorbestellung für das Album läuft seit Anfang des Jahres… Warum der lange Abstand bis zum tatsächlichen Release?

Scotch: Das neue Album wird meine erste richtig professionelle Veröffentlichung, bei dem mich viele Leute unterstützen. Das fängt an bei den grandiosen Beats von T-Wonder, der mein gesamtes Album produziert hat. Darüber hinaus sind am Artwork und Mastering Leute wie Slider und DJ Eskei beteiligt, zu denen ich in Dresden nichts weiter sagen muss. Seit kurzem arbeite ich noch mit Mareen Wordoff zusammen, die sich von Berlin aus um das Marketing und die Promotion kümmert. Dadurch bekomme ich Zugang zu Radio- und Musiksendern und Interviews wie dieses. Ich möchte mich, meine Musik und meine Stadt endlich im großen Rahmen und deutschlandweit präsentieren. Dafür habe ich mir die Zeit genommen und das zahlt sich bereits aus. Ich sehe auf meinen Profilen im Internet schon jetzt hunderte Fans aus anderen Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf und habe mein Video im Fernsehn auf Yavido laufen!

MKZWO: Du hast einen eigenen Blog auf scotcher.de und ein Künstlerprofil auf Facebook/scotchdresden. Was für Feedback erhältst du auf diesen Plattformen?

Scotch: Durchweg positives Feedback. Die Leute schicken mir Emails, schreiben mir auf die Pinnwand oder quatschen mich auf der Straße an. Mir ist es extrem wichtig, bodenständig zu bleiben und für meine Fans greifbar zu sein. Das habe ich bei Künstlern von denen ich früher Fan war immer vermisst. Ich höre oft, dass ich den Leuten aus dem Herzen spreche und das ist alles was ich will.

MKZWO: Du gibst Rap-Workshops für Kids, um Einfluss auf den Nachwuchs zu nehmen. Welche Personen haben Dich denn geprägt in der Vergangenheit?

Scotch: Jay Nine und Alec Thunder, die Jungs haben schon vor 7 Jahren mit Ihrem Album „Blockbus-ter“ als erste hier den Weg für kompromisslosen Rap geebnet. Das waren damals die einzigen, die dieses Dresden-Ding gemacht haben ohne Einflüsse anderer Städte wie Berlin oder Frankfurt.

MKZWO: Wird es weitere Videos geben?

Scotch: Logo! Ich will so viele Videos machen wie möglich. Als Zweites werde ich „Traum“ auskop-peln, wozu wir ein Video bei meinen Freunden in Frankreich gedreht haben. Danach stehen „Guten Tag, Gute Besserung“, „Grabstein“ oder eines der Features mit Dissziplin zur Debatte. Am besten alle.

MKZWO: Wo siehst Du Dich in ein paar Jahren?

Scotch: Zusammen mit Helmut Schmidt auf dem Sofa bei Wetten Dass. Ich will endlich wissen, wer von uns mehr Schachteln „Karo“ raucht ohne zu Kotzen.

MKZWO: Alles Gute für Dich

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