MKZWO Magazin

Roger

Als Teil der Blumentopf-Crew ist Roger seit 15 Jahren eine feste Größe in der deutschen Rap-Landschaft. Top-Ten-Alben und etliche ausverkaufte Touren sind ein guter Beweis dafür. Mit dem kürzlich veröffentlichten Album "4S Punks" ist der Münchener zum zweiten Mal wieder auf Solopfaden unterwegs. Zu Fragen rund um sein neustes Projekt stand Roger mir Rede und Antwort.

MKZWO: Hallo, Roger. Ich freu mich, dass wir im Rahmen deines Albumreleases nun die Möglichkeit haben, miteinander zu sprechen. Zunächst einmal möchte ich wissen, wie das bisherige Feedback auf dein zweites Solo-Album war?

Roger: Ich muss sagen, dass das Feedback überraschend gut war. Es ist jetzt nicht so, dass ich es schlecht erwartet hab, aber das war so ziemlich die beste Kritik, die ich von meinem Zeug bis jetzt gelesen hab. Du kannst auch Blumentopf mit reinnehmen. Es war schon lange nicht mehr so positive Resonanz. Im Gegensatz zu einer Blumentopf-Platte ist das Feedback natürlich viel kleiner. Die Leute checken schon, dass es ´ne Solo-Platte ist. Soweit ich gelesen hab, waren Viele überrascht, dass es ´ne gute Platte war. Das war das Merkwürdige, was ich rausgelesen hab.

MKZWO: Du hast auf jeden Fall konsequent durchgezogen, was du vorhattest.

Roger: Ja, klar. Bei dem ersten Album hab ich den Fehler gemacht, dass ich so breitgefächert gegangen bin und gedacht hab "das und das ist auch noch cool auf der Platte zu haben". Bei dem zweiten Album hab ich zwar auch rumprobiert, aber hab viele Experimente auch weggeschmissen. Es bringt einfach nichts, eine Platte zu machen, die sich breit aufgestellt. Man ist dann irgendwie Solokünstler und Keiner kann Einen einordnen.

MKZWO: Du hattest also einen Plan von Vornerein, der die Experimente eingegrenzt hat.

Roger: Ja, als die Platte zu 80% fertig war, hab ich schon gewusst, wo es hingehen soll. Es hat sich so beim Machen ergeben. Ich wollte dann irgendwann ´ne Rap-Platte einfach haben und dann macht man auch automatisch was in der Richtung. Es gibt natürlich dann auch genug Lieder, die ich trotzdem nicht gut finde. Also es ist nicht so, dass, weil man die Richtung weiß, gleich alles richtig macht. Der Trick ist immer viel zu machen für mich. Ich kann´s vorher nicht abschätzen. Mal fängst du an mit einer guten Idee, aber die Umsetzung ist scheiße. Andersrum kann es auch passieren.

MKZWO: Ich hab gelesen, dass die Albumproduktion relativ zügig voranging. Ist das so und woran lag das hauptsächlich?

Roger: Ja, bei mir geht es meistens schnell vorwärts. Wenn ich mal in Schwung bin, dann find ich das voll geil alles und dann muss ich es auch an einem Stück durchziehen, weil, wenn du die Hälfte machst und dich nächste Woche wieder dransetzt, dann ist der Drive weg. Ich drück Play oder Record und dann erst wieder Stop, wenn das Ding eigentlich fertig ist. Ob ich dann nochmal drübergeh´, ist scheißegal.

MKZWO: Wieviel ist dir Kritik überhaupt Wert? Kommt es da auf die Person an, die das äußert? Hast du schon mal als Folge von Kritik deine Herangehensweise an die Musik geändert oder machst du dich komplett frei von äußeren Erwartungen?

Roger: Kritik darf man eigentlich gar nicht so an sich ranlassen. Das ist ja auch so ein typisches Rap-Ding, dass Jeder meint, dass er es eh besser wüsste. Es gibt auch kaum Platten, die ich 100%ig gut finde - egal ob von Blumentopf und mir oder Anderen. In zwei Jahren hör ich dann schon immer selber paar Fehler raus. Wenn du es Allen recht machen willst, dann machst du es eh Keinem recht am Schluss. Du musst für dich selber wissen, was du gern machen würdest und dann ist es auch in Ordnung, wenn es Jemand nicht cool findet. Ich kann damit gut leben, dass nicht Jeder sagt "das ist das dopeste Zeug". Wenn ich es selber gut finde, ist es kein Problem. Aber wenn ich einen Kompromiss gemacht hab wegen Jemand, der sagt "sing doch den Chorus oder mach doch das und das", dann bist du selber unsicher und die Kritik schmerzt mehr. Du musst deine Solo-Platten immer kompromisslos machen und dann am Schluss weißt du wenigstens, was du wolltest. Wer meine Platte gut findet, der findet das wahrscheinlich gut, weil ich es so mach´, wie ich will und nicht weil ich denke "wenn ich das so mach, krieg ich das und das dafür". Das ist für mich beim Musikmachen immer so ein Ding. Du sagst "ja, okay, das gefällt vielleicht nicht Allen, aber mir besonders gut", dann hast du wenigstens etwas Besonderes.

MKZWO: Es kann auch sein, dass man sich danach ausrichtet, ohne es direkt zu wissen - unbewusst eben.

Roger: Es gibt viele Einflüsse natürlich. Es ist nicht so, dass ich mit Scheuklappen durch die Welt gehe und sag "ich bin auf meinem Planet und mach meine Platte". Also ich hör Rapmusik und ich lass mich da bestimmt auch irgendwo leiten. Es gibt bestimmt Leute, von denen mich die Kritik härter treffen würde, als von Manchen, bei denen ich froh wäre, wenn sie es scheiße finden. Ein Kumpel hat mir mal gesagt "eigentlich geht es darum, geliebt zu werden von den Leuten". Du kannst auch harte Songs machen und du willst trotzdem Fans dafür haben. Alles ist immer so ein Kampf um Anerkennung. Bei mir ist halt das Coole, dass es diese zweite Band gibt, von der ich halt lebe und die hat es schon geschafft und solo kann ich quasi machen, was ich will. Also ich bin nicht davon abhängig. Ich kann mich von Markt wenigstens losmachen, weil ich von Musik lebe, egal ob ich zwei Platten nur verkauf´ von meiner Solo-Platte. Ich kenn sozusagen beide Welten - den Indie- und den Majormarkt.

MKZWO: Du machst ja auch bei Blumentopf mit 4 Anderen zusammen Musik. Welche Arbeitsweise liegt dir mehr? In der Gruppe oder als Solo-Künstler? Welche Vor- und Nachteile gehen mit den verschiedenen Konstellationen einher?

Roger: Beides hat natürlich seiner Vor- und Nachteile. Das wird auch immer so sein. Beides macht voll Spaß. Das Eine ist wie der Urlaub mal wieder alleine und das Andere ist mit Kumpels wegfahren, aber es gibt immer mehr Vorteile als Nachteile, sonst würde man´s nicht machen. Wenn du solo machst, dann machst du genau, was du willst, hast aber auch keine Hilfe. Du musst auf Keinen Rücksicht nehmen, aber wenn dir nichts einfällt, fällt dir halt nichts ein und wenn du einen Tag nichts machst, passiert auch nichts. Wenn du in einer Gruppe arbeitest, kannst du auch deinen Input bringen und zwei Tage fällt dir nichts ein und dann kommt der Andere mit einer Idee. Also ´ne Gruppe haben ist schon besonders geil. Das ist eine Ideen-Werkstatt. Aber das Solo-Ding ist auch ganz cool. Das ist einfach die Abwechslung, von der es lebt. Es ist einfach interessant, Beides zu kennen.

MKZWO: 4S Punks ist ja eher ein klassisches, roughes Rapalbum von den Beats her. Warum hast du dich genau für diesen Sound entschieden? Hattest du auch Überlegungen ein experimentelleres Solo-Album zu machen, sowie Cajus mit "Platen Cajun" oder Schu mit seinem YAHA-Projekt? Wenn ja, welche musikalische Richtung käme dann für dich in Frage (auch eventuell auf ein kommendes Solo-Projekt bezogen)?

Roger: Mein letztes Album war ja experimenteller, als das jetzt. Das ist einfach so, dass ich jetzt auf diesen Sound Bock hatte. Was ich in Zukunft mache, ob ich was mit ´ner Zither mache oder mit Geige, ist gar nicht geplant. Du musst immer das machen, was du grad geil findest und grad war für mich die Zeit, wo ich gedacht hab "ich mach jetzt solche Beats und ich hab voll Bock, das zu machen". Ich hab jetzt auch nicht dran gedacht, dass es jetzt wieder ein bisschen modern ist, das zu machen. Wenn du was selber herstellst, was man gern wieder hören würde, dann ist das cool. Wenn ich keine Lust mehr hab auf den Sample-Sound , dann mach ich halt wieder was Anderes. Die Freiheit kann man sich dann nehmen, aber das ist jetzt noch ein bisschen hin bis die nächste Platte kommt, aber die wird bestimmt anders werden, als die jetzige - nicht, weil sie nicht gut ist, sondern du machst einfach was und veränderst dich. Eine Zeit lang machst du halt die Sachen so und dann wieder anders.

MKZWO: Was rotiert denn so im Moment auf deinem I-Phone, falls du eins hast? Welche Deutschrap-Releases hast du zuletzt gefeiert?

Roger: Das sind ganz verschiedene Sachen. In Deutschrap fand ich die Hiob-Platte supergeil. Die Edgar Wasser - EP fand ich jetzt auch geil. Und sonst find ich wahrscheinlich so typische Sachen gut. Ich find die Motrip-Platte ganz cool und es gibt immer wieder Einzeltracks von Künstlern, die ich auch geil finde im deutschen Bereich. Im Englischen gibt es viele gute Mixtapes. Die El-P-Platte war extrem geil fand ich und sonst tausend Sachen. Also ich hör so viel Musik, dass es schwer ist, jetzt eine Gruppe zu finden, die total gerockt hat, aber es gibt tausende Rapper, die ich gut finde und es gibt von Jedem fast ein gutes Lied. Aber es gibt nicht viele richtig guteAlben. Es gibt also viel mehr Einzeltracks, die ich empfehlen könnte, als Alben für mich.

 MKZWO: Was kennzeichnet deiner Meinung nach die heutige I-Phone-Generation? Siehst du da mehr Gefahren oder doch mehr  Möglichkeiten, die du positiv bewertest?

 Roger: Ich gehör ja selber zur I-Phone-Generation. Es ist also schon so, dass ich da inbegriffen bin. Es geht halt sehr schnell, seine  Meinung abzulassen. Mittlerweile ist es so, dass die Aufmerksamkeitsspanne kleiner geworden ist. Du schaust ´nen Film an und  der muss nach 10 Sekunden rocken. Das geht mir auch so. Man ist halt schnell gelangweilt von Sachen, die eigentlich ganz geil  wären. Du willst eigentlich nonstop unterhalten werden und es muss immer Schlag auf Schlag gehen und du musst das Gefühl  haben du kannst mitreden. Bei I-Phone-Punks ist die Grundmessage, dass du sagst "das sind Leute, die sich was vormachen". Oft  denkst du "du bist der Bessere, du wärst so ausgeflippt und wärst so ein crazy Typ" und eigentlich ist man halt ein Spießer innerlich.  Du kannst dir den ganzen Arm tätowieren lassen und bist trotzdem der Spießer, nach außen der ausgeflippte Typ und in der Früh  gleich staubsaugen. Es gibt halt einen Unterschied, wie man sich selbst gern sieht und was man dann ist. Jeder wär gern der Killer  oder der Freak, aber die Meisten sind´s halt nicht.

 MKZWO: Wie kann man aus deiner Sicht am Besten gegen die von dir in mehreren Tracks beschriebene Unentschlossenheit  vorgehen? Glaubst du, dass Viele die Qual der Wahl als eine gute Ausrede für Faulheit nutzen?

 Roger: Natürlich ist es so, dass wenn du dir alle Türen offen hältst und durch keine gehst, dann bleibst du auf jeden Fall stehen. Ich  mach es zum Beispiel nicht so. Für mich sind es Entschlüsse, die ich treffen muss. Ich treff auch Entschlüsse, die nicht perfekt sind,  aber ich treff sie wenigstens. Das ist schon für mich wichtig. Natürlich zweifelt man immer dran, ob´s der richtige Entschluss war,  aber du musst dich halt entscheiden. Es ist nichts leichter, als stehen zu bleiben und auf die Anderen zu zeigen. Man muss halt was  tun und nicht nur dastehen und sagen "macht ihr mal und ich schau dann, was ich anders machen könnte". Das ist jetzt aber auch nichts Neues. Ich glaub, es ist ganz normal, dass man von seinem Standpunkt aus alle beobachtet und schaut, wer die Fehler macht. Die Schadenfreude und der Neid ist dann doch immer am Größten.

MKZWO: Wie oft ertappst du dich eigentlich selber dabei, dass du dich in der gemütlichen "Schuldsinddieandern-Haltung" einnistest? Ist das ein deutsches oder ein menschliches Problem und hilft dir so ein Lied, solche Denkweisen bewusster wahrzunehmen und abzulegen?

Roger: Ganz ehrlich gibt´s genug Punkte, wo man selber das Gefühl hat "man war selber nicht schuld". Das Ding ist nur, wie und wem du das erzählst manchmal. Meistens erzählst du es ja dann nicht dem, der dann schuld war. Am Schluss musst du halt mit Demjenigen reden. Es bringt immer nichts, heimlich zu Hause zu sitzen und zu sagen "Alle sind schuld". Aber wenn du sagst "du kannst es besser", dann mach´s halt besser. Ich ertapp mich natürlich auch oft dabei und oft sind ja auch Andere schuld. Aber es gibt auch genug Sachen, wo man zu sich sagt "dann mach´s halt anders und warte nicht, dass dieser Fehler passiert, wenn du ihn eh schon ahnst, sondern versuch dem vorzubeugen". Ich weiß nicht, ob so ein Lied dann hilft. Ich glaub, man entdeckt sich halt oft in solchen Sachen und es zeigt was auf, wo Viele sagen "ja, stimmt, so bin ich auch". Es bringt halt nichts zu sagen "ich geh nicht wählen und das System ist eh scheiße und schau dir die Idioten an, die reiten alles in den Sand, aber ich halt mich da raus, weil das ja eh alles scheiße ist". Das ist so eine Einstellungssache, von wegen "das Spiel ist eh scheiße, da spiel ich gar nicht mit". Das wird auf keinen Fall was verändern. Du musst halt immer aufpassen, wo du dich rausnimmst und wo du dich reinnimmst. Du kannst dich am Schluss nicht beschweren, wenn du ´ne Abstimmung nicht mitmachst und dann gehen Alle chinesisch essen und du sagst "schmeckt mir aber nicht". Dann hättest du es davor sagen müssen. Ob du dann in der Unterzahl bist und trotzdem dasitzt und deine Litschis isst oder so, ist dann wurscht, aber ich find halt komisch, nicht den Mund aufzumachen und sich am Schluss zu beschweren. Ich weiß, es bringt nicht immer, den Mund aufzumachen. Also das verändert nicht immer was, aber es verändert auf keinen Fall was, ihn nicht aufzumachen. Du musst halt was tun, um was zu verbessern, auch wenn es Arbeit ist. Alle sind bei Verbesserungen dabei, solange man selber nichts an sich ändern muss. Alle sagen "es muss bergauf gehen, aber Keiner will den Wagen nach oben ziehen". Das mein ich jetzt nicht wirtschaftlich. Das ist übergreifend. Wenn man sagt "hier sind keine richtigen Parties in München", dann macht halt eine. Wenn Jemand ´nen besseren Musikgeschmack hat, dann soll er halt auflegen. Das sind so kleine Sachen. Wenn du sagst "ich leb seit 15 Jahren in dieser Ecke und finde diesen Club scheiße", dann geh nicht mehr hin und wenn deine Freundin dich so annervt, dann mach Schluss oder änder was. Manche sehen sich halt gern in dieser Opferrolle.

MKZWO: In "Gespenster" und "Warum" gehst du recht offen mit deinen Schwächen um. Sind dir solche Lieder besonders wichtig, weil du dich dabei extrem öffnest und angreifbar machst? Oder siehst du das anders?

Roger: Ich bin halt einfach ein Zweifler. Bei "Gespenster" hab ich schon eine Metapher gesucht für Sachen, die dich verfolgen. Ich sag da die ganze Zeit "lasst mich doch endlich in Ruhe" und am Schluss hältst du an diesem Problemen fest und die sagen dann "lass uns doch endlich in Ruhe". Das hat man ja oft, dass man sagt "du bist in diesem Kreislauf gefangen" und eigentlich steigerst du dich nur selber rein und es gibt das Ding gar nicht mehr. Also das war "Gespenster" für mich. Das ist wie ein kleines, wahres Märchen und "Warum" ist dann so, dass ich es runterschreib und sag "es gibt schon Sachen grad in dem Business, wo so viele falsche Vögel sind". Und ich beweg mich halt in dieser Welt, wo du kaum Einem glauben kannst. Das klingt so verschwörungstheoriemäßig. Mir geht´s gut, aber da darfst du einfach nicht glauben "da ist der Schein was Anderes". Alle wollen gute Laune sehen, aber manchmal ist es halt nicht so. Dann schreibt man so ein Lied und das ist so ein Überbleibsel, das mir musikalisch einfach gut gefallen hat. Das hat dann gar nicht damit zu tun, dass mir das ganz ganz wichtig ist. Vom Ansatz ist es schon immer so leicht, den Fehler zu entdecken in Allem und darum geht es eigentlich. Wenn du lang genug schaust, wirst du immer was entdecken, was dir nicht gefällt und damit musst du entweder leben können oder du musst weitersuchen. Und ich bin irgendwo dazwischen.

MKZWO: In "Warum" redest du unter Anderem vom alltäglichen Trott der Gewohnheit. Wie ist es eigentlich so lange Zeit auf dieser Ebene Musik zu machen? Musst du dich hin und wieder dazu zwingen, weiter zu machen oder ist dieses Privileg Einem durchgehend bewusst?

Roger: Es bringt mir auf jeden Fall so viel, dass ich nicht aufhöre. Es ist so, dass ich noch Grafiker bin und das mach ich auch ganz gerne. Das ist eine ähnliche Arbeit. Bei der Musik bist du halt sehr viel mit deinem Gesicht immer mit drauf. Das ist ein wichtiger Unterschied, aber sonst gibt es mir genauso viel. Es ist halt nicht so, dass Musikmachen oder ´ne Band zu haben heißt, dass du 80% deiner Zeit Musik machst. So geht´s leider nicht, sondern du hast eigentlich immer noch was Anderes zu tun. Du machst die ganzen geschäftlichen Sachen, auch wenn du sie nicht gerne machst, aber sonst bist du in diesem "Schuld-sind-die-Anderen-Prinzip". Wenn du das jemand Anderen machen lässt, denkst du dir auch am Schluss "warum hat der das jetzt nicht so gemacht". Du musst dich quasi einfach immer involvieren in die ganzen Sachen und dann macht´s auch wieder Spaß. Aber es ist schon irgendwo auch ein Job. Es ist natürlich geil, Musik zu machen und das ist das, was ich machen will, sonst würd ich´s nicht tun, aber es gibt halt nicht nur dieses "Auf der Bühne" und "Im Studio". Wenn es das nur wär, wär es der Hammer und das ist Gott sei Dank stark genug, dass du die anderen Sachen von der GEMA-Anmeldung bis hin zur Merchandise-Abrechnung auch noch machst. Je mehr du aus der Hand gibst, desto weniger hast du Kontrolle und du brauchst da immer den Überblick, denn ohne den linken dich die Leute. Aus Erfahrung ist es schlau, überall die Nase zu haben, aber an manchen Stellen stinkt´s halt.

MKZWO: Mit "Serienkiller" hast du ja einen ganzen Track deiner Leidenschaft zu Serien gewidmet. Von welchen Serien kommst du momentan nicht los? Hast du da irgendwelche Geheimtipps?

Roger: Also "Breaking Bad" ist für mich einfach die Top-Serie seit ein paar Jahren. Bei anderen Serien wart ich noch, dass neue Folgen rauskommen. Also ich hab schon tausend neue Empfehlungen. Ich hab schon ewig "The Wire"-Staffeln zu Hause, aber ich hab noch nicht geschafft, mehr als eine Folge mir reinzuziehen. Ich komm da irgendwie grad nicht rein. Ich schau grad "The Increasingly Bad Decisions of Todd Margaret" mit zwei Schauspielern, die in "Arrested Development" mitspielen und wenn man was sehen will, wo sich Jemand in die Scheiße reitet, dann schau mal diese Serie an. Die ist wirklich starker Tobak. Man muss schon Zähne zusammenbeißen und dabeibleiben, weil der macht eine Scheiße nach der anderen - empfehle ich. "Walking Dead" ist auch ´ne coole Serie, auch wenn die Meisten die zweite Staffel nicht so gut fanden. Ich fand sie eigentlich ganz geil.

MKZWO: Was können wir in Zukunft von dir erwarten? Ich habe gelesen, dass als nächstes wieder ein Blumentopf-Album ansteht. Wie ist da der Stand und kannst du verraten in welche Richtung es klanglich gehen wird? Ist es an euer letztes Album "Wir" angelehnt?

Roger: Die Blumentopf-Platte ist eine Rap-Platte geworden. Es klingt überraschend, aber ich mein es, wie ich es sag. Es ist ein geradliniges Rap-Album geworden. Ich hab auch zwei Beats gemacht. Der Rest kommt von Sepalot. Es ist auch relativ samplelastig von der Ästhetik. Das ist ein Ding, was glaube ich alte Fans mal wieder begeistern sollte und paar Neue. Wer Blumentopf mochte wegen "Großes Kino" oder "Eins A", wird glaube ich das Album wieder total feiern, weil wir uns wieder mehr auf unsere Stärken konzentriert haben. Wir haben uns gesagt "wir klingen halt am besten über solche Beats, dann lass uns die nehmen". Das hat sich so ergeben. Ich würde sagen das ist auf jeden Fall das lockerste Album seit langer Zeit. Wir haben ja das Image, dass wir so gute Texte haben. Das ist ja auch Ordnung, aber es gab bei uns immer "Hüftschwung" und "Mustermann" oder "Party Safari" und "6 Meter 90". Es gab immer Beides, also den mehr sinnlosen Text neben dem, der eine Geschichte hatte. Eigentlich haben wir uns darauf wieder besonnen. Alle waren jetzt relativ begeistert. Also es hat fast noch Niemand die fertige Platte gehört, aber das ist ein geiles Album geworden. Es ist ´ne smoothere Platte, als die letzte, viel melodischer und es sind auch paar nachdenkliche Sachen drauf, nicht düster, eher langsam und ruhig. Ob die Platte auch für die Leute geil ist, sieht man erst in zwei Jahren, wenn man die Lieder alle mal live gespielt hat.

MKZWO: Wann kommt denn das Album von Blumentopf?

Roger: Es kommt am 21.9., wenn alles nach Plan läuft. Davor kommt am 7.9. die Single. Wir haben auch schon ein Video gedreht für so einen Free-Download-Track, der auch geil ist - so ein Ding ohne Hook und das Video hat auch keinen Schnitt. Das wird man bestimmt bald sehen. Es wird im August irgendwo Premiere feiern. Von mir wird es auch noch ein Video geben.

MKZWO: Ende August bis Anfang September steht noch eine Tour mit Roger Reckless und den Demograffics an. Worauf kann sich das Publikum da freuen?

Roger: Ich hoffe, man wird da Einiges erwarten können. Wir sind da jetzt noch am Tüfteln, aber wir werden es bis dahin schon so machen, dass man auch was erwarten darf - eine Plattenspieler-MC-Show würd ich sagen, aber ´ne richtig gute. Der erste Tag wird sich natürlich vom letzten Tag unterscheiden, aber das ist ganz normal. Mit den Demograffics ist speziell für die Tour auch was geplant. Es gibt schon den Plan, die beiden Acts miteinander zu verbinden und im Vorfeld oder während der Tour den einen oder anderen Track miteinander zu machen.

MKZWO: Vielen Dank für das interessante Interview. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg mit den kommenden Projekten.

 

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