MKZWO Magazin

Ponto de Equilibrio

Wir trafen Ponto de Equilibrio in Berlin wo Sie uns Rede und Antwort standen. Die aus Brasilien stammende Roots Reggae Band war zum ersten mal im Juli in der Stadt und haben im Yaam gespielt. Jetzt vor kurzem waren sie wieder in Berlin zu erleben und zwar auf dem Popkomm Reggae Festival, wo die Band auf ein begeistertes Reggaepublikum traf.

MKZWO: Wie ist die Band entstanden?

Ponto de Equilibrio: Wir kommen alle aus Vila Isabel, einem aufgeweckten Stadtteil Rio de Janeiros. Wir liebten alle Reggae, vor allem Roots Reggae und haben uns dann 1999 gegründet. Wir haben ziemlich von unten begonnen, weil auch unser Stadtteil nicht gerade zu den schönen, reichen Rios gehört, sondern an die Peripherie grenzt. Diese Realität und die Energie finden sich bis heute in unserer Musik wieder.

MKZWO: Wann habt ihr begonnen euch mit der Rastafari Philosophie auseinander zu setzen?

Ponto de Equilibrio: Die Reggae Musik hat uns zum Rastafari geführt. Jeder von uns lebt diese Philosophie auf seine Art. Wir arbeiten mit Reggae, leben und überleben vom Reggae, deshalb fühlen wir uns sehr verbunden. Die Musik ist sozusagen unsere Religion, es ist unsere Art eine Verbindung mit Gott zu finden.

MKZWO: Der Bandname “Ponto de equilíbrio” hat sicherlich mit der Philosophie zu tun…

Ponto de Equilibrio: Ponto De Equilibrio („Punkt der Ausgeglichenheit“) ist ein Punkt, den wir suchen, aber noch nicht gefunden haben. Deshalb gibt es so viel Krieg und Uneinigkeit auf der Welt. Dieser Zustand des Gleichgewichts ist aber keine Utopie. Wir glauben daran, dass alle Menschen ihn eines Tages erreichen können. Er symbolisiert auch die Einigkeit zwischen Himmel (Geist) und Erde. In der Mitte von beiden ist der „Ponto De Equilíbrio“

MKZWO: Gibt es die Reggaeszene in Brasilien schon lange?

Ponto de Equilibrio: Sie ist eher in den letzten Jahren stark geworden. Zwar hat Reggae schon seit Bob Marley begonnen die brasilianische Musik zu beeinflussen, eine Reggaeszene mit Bands, Konzerten, Festivals u.s.w. hat sich allerdings erst in den letzten Jahren entwickelt. Vor 10 Jahren, bevor wir uns gründeten, gab es kaum Reggaebands.

MKZWO: Reggae wird in einigen Kreisen Brasiliens nicht gerade hoch geschätzt. Es existieren viele Vorurteile, die den Reggae allein aufs Kiffen reduzieren. Stimmt das so? Wie schätzt ihr die Reggaeszene in Brasilien ein?

Ponto de Equilibrio: Ja, das stimmt. Diese Vorurteile bestehen aufgrund der Informationsdefizite der brasilianischen Bevölkerung. Leider muss man das so sagen. Das Problem ist auch, dass nur sehr wenige Leute Englisch sprechen und deshalb die positive Botschaft des Reggaes oft nicht verstanden wird. Für uns ist es deshalb so wichtig auf Portugiesisch zu singen, damit die Leute uns verstehen und wir etwas von dem rüberbringen können, was Reggae wirklich bedeutet. Aber das alles ändert sich auch gerade in Brasilien. Unsere Kinder und die von unserem Publikum werden schon mit Reggae aufwachsen und das wird viel verändern.

MKZWO: Ihr werdet als eine Band angesehen, deren Texte kritisch und radikal sind. Wie wichtig ist euch der Inhalt eurer Texte?

Ponto de Equilibrio: Für uns sind die Texte essentiell. Viele Bands in Brasilien singen nur von Liebe, Karneval oder Stränden, bei uns ist aber eine Botschaft das Wichtigste. Dadurch haben wir es allerdings nicht immer einfach. Da wir auch häufig über ernste Themen sprechen, werden wir nicht so gerne in den Medien gebracht. Aber wir schaffen es auch ohne und außerdem haben wir ein sehr treues Publikum.

MKZWO: Im letzten Jahr (2007) habt ihr euer Album „Abre a janela“ herausgebracht, seid damit durch Brasilien getourt, diesen Sommer wart ihr in Europa, war es das erste Mal hier?

Ponto de Equilibrio: Einmal waren wir schon in Portugal, aber diesen Sommer waren wir zum ersten Mal in anderen Ländern Europas sowie auf grossen Reggae Festivals bzw. Rototom Sunsplash in Italien.

MKZWO: Wie war Euer Konzert auf dem Rototom Festival?

Ponto de Equilibrio: Sehr positiv! Es waren Leute aus der ganzen Welt da und wir wurden sehr herzlich empfangen. Für uns war es auch eine große Ehre dort spielen zu dürfen, neben so vielen tollen Künstlern. Es war großartig!

MKZWO: Kommt in Brasilien etwas aus der Reggaeszene Berlins an?

Ponto de Equilibrio: Nur wenn man sucht, im Internet. Also wir wussten schon, dass es in Deutschland eine große Reggaeszene gibt, wir hatten schon davon gehört, aber das Meiste, was in Brasilien ankommt ist schon Reggae auf Englisch.

MKZWO: Was steht jetzt bei euch auf dem Plan?

Ponto de Equilibrio: Wir werden weiter an unserer DVD arbeiten. Wir haben auch vor ein paar Lieder auf Englisch (oder anderen Sprachen) aufzunehmen, damit uns die Leute hier auch verstehen können.

MKZWO: Kommt ihr wieder bald nach Europa?

Ponto de Equilibrio: Auf jeden Fall, wir kommen im Sommer 2009 wieder. Jetzt vor kurzem im Oktober waren wir auf dem Popkomm Reggae Festival, das uns sehr gefreut hat. Das Konzert ist super gelaufen und das Publikum hat sehr gut reagiert. Die Leute haben sogar unsere Lieder auf Portugiesich gesungen. Na dann bis nächstes Jahr und vielen Dank fürs Interview!

 

 

 

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