MKZWO Magazin

Mellow Mark

Der erste Titel heißt „Mellow Mark ist tot“. Und natürlich ist er eine Provokation. Denn Mellow Mark ist alles andere als tot. Es geht hier vielmehr gegen Schubladendenken und Vorurteile. Mellow Mark macht einen Schritt raus dem Dreadlock-Klischee – und er tut dies mit einer Rückkehr zu seinen musikalischen Wurzeln, dem Roots-Reggae.

MKZWO: Sei gegrüßt, lieber Mellow Mark! Was wolltest Du schon immer in einem Interview sagen, was du bisher noch nie gesagt hast?

MM: Ich habe noch nie wirklich DANKE gesagt. Und zwar an alle, die Reggae und meine Musik supporten und auch alle Leser, die unsere Musik supporten und feiern! Danke!!!

MKZWO: Das hört sich n bißchen an wie eine Dankesrede bei der Grammyverleihung..Hast du denn nichts anderes zu sagen?

MM: Diese Dankesreden sind doch oft total überzogen und eine absolute Selbstbeweihräucherung. Ich meine wirklich “Danke” von Herzen; und 'danken' kommt von 'denken'.

MKZWO: Du hast eine neue EP draussen, auf dem Label Königsklasse. Die Single heisst “Mellow Mark ist tot”. Was willst du damit sagen? Man sollte mit solchen Aussagen nicht spielen.

MM: Seht euch das Video an, dann versteht ihr den Song. Die wichtigste Zeile in dem Song ist: “Stirb bevor du stirbst” und damit meine ich “trau dich”, tu das, was du fühlst, gib alles und sei authentisch. Bereite dich im Leben auf das Ende vor und lebe jeden Moment als sei es der letzte.

MKZWO: Am Ende des Videos zu MM ist tot ist “!Mellow Mark lebt!”eingeblendet. In dem Song sprichst du auch von 'Schubladen' und 'Auferstehung'. Hast du dich von deinem alten Image getrennt und machst ein Comeback?

MM: Ja und nein. Ich kehre zurück zum Roots Reggae, allerdings ohne meine Dreadlocks. Die Botschaft ist: “No haffi dreads fi be reggae”.

MKZWO: Heisst das, du wirst in Zukunft nur noch Roots Reggae machen?

MM: Das ist es nicht. Es ist mehr: Ich werde in Zukunft nur noch das machen, was ich will. Aufs Herz hören, authentisch bleiben. Für meine Mukke kämpfen. Welt retten.

MKZWO: Meine eineinhalb Jahre alte Tochter singt schon seit Tagen “Bye Bye Babylon”. In dem Song singst du von einer Frau, im Chorus merkt man dann, es geht doch nicht um sie. Um was geht es genau?

MM: Um die westliche Zivilisation, den “democracy und freedom” genannten Raubtierkapitalismus.

MKZWO: Du hast Klaus Lages Monopoli gecovert. Die Version ist echt nice geworden. Spielst du damit auf die Occupy-Wall-Street-Bewegung an?

MM: In gewisser Weise ja. So kann es einfach nicht weitergehen. Die Banken gehen bankrott und wir stehen dafür gerade. Der nächste Schritt ist die Sklaverei. Wer kontrolliert die Banken? Niemand. Ich schlage vor: Lasst uns das wertlose Papiergeld abschaffen und zu Gold und Silber zurückkehren!! The natural currency.

MKZWO: Du featurest auf deinem Album Mamadee und die Far East Band, House of Riddim und den Percussionisten von Sting. Ein solches Aufgebot sollte einen gewissen Erfolg garantieren. Wie denkst du über die Entwicklung in der Musikbranche?

MM: Die Zeit von Plattenfirmen und Massenverarschung ist vorbei. Wer jetzt noch Musik macht, um damit Geld zu verdienen, ist entweder bekloppt oder ein wirklicher Musiker, der seiner Berufung nachgeht. Es ist schwer geworden, aber auch leichter. Denn wir haben jetzt direkten Kontakt mit unseren Fans und keine Plattenfirma ist mehr dazwischen. Mein special Angebot: Ich plane in diesem Jahr eine Reihe von Wohnzimmer- und Küchenkonzerten zu geben. Jeder kann mich buchen! Ich komme dann als ONE MAN BAND vorbei und mache meine Show.

MKZWO: Du spielst gleichzeitig Drums, Gitarre und singst. Ist das nicht sauschwer?

MM: Ich habe ein Jahr lang trainiert und jetzt geht das schon echt ganz gut..Die Leute waren jedenfalls immer begeistert..

MKZWO: Du bist zum Islam konvertiert. Warum ausgerechnet? Was spielt das für eine Rolle in deiner musikalischen Entwicklung?

MM: Das Bild des Islam in Deutschland scheint nicht sehr positiv. Ich habe etwas kennengelernt, was mit diesem Bild überhaupt nichts zu tun hat. Ich habe zuerst Rasta kennengelernt, dann habe ich Buddhismus kennengelernt und dann habe ich den Sufismus studiert, die Weisheitslehre der Muslime. Das hat mich überzeugt, denn es geht hier genau wie bei “ONENESS” und dem “TAOismus” um das “TAOhid”, die Einheit allen Seins. All das ist in einem ganzheitlichen Lifestyle drin, der alle Bereiche unseres Lebens abdeckt. Gelebter Sufismus ist nichts anders als Islam. Es ist keine mittelalterliche Schreckenslehre, sondern die Zukunft. Der Islam in der arabischen Welt ist am Ende. Der Kolonialismus hat ihn ins Extrem geführt und zerstört. Doch in Europa steht er am Anfang. Es ist der Ursprung unserer westlichen Zivilisation und der Weg, der bisher noch nicht gegangen wurde. Islam ist die Lösung für den aktuellen Zusammenbruch unseres Systems. Wir kehren zurück zur ursprünglichen Lebensweise. Fitra. Das, was wir alle im Inneren eigentlich wünschen. Leider befürchte ich, daß es schon zu spät sein wird, bis die Menschen das verstehen können.

MKZWO: Das hört sich an als ob du auch zu denen gehörst, die 2012 den Untergang erwarten...

MM: Untergang vielleicht, aber nur den einer Ära. Und dann folgt inshallah ein Neuanfang.

MKZWO: Dann nimmst du mit deiner neuen EP “Bye Bye Babylon” quasi Abschied von deinen Fans?

MM: Wir wissen ja nicht, wie lange das hier noch geht. Es könnte immer das letzte Mal sein. Aber solange wir noch stehen, geht es weiter und jetzt geht es erstmal in die neue Livesaison!!!

MKZWO: Dann wünschen wir Dir damit viel Erfolg für 2012!! Danke für das Interview!! Salam alaikum!

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