MKZWO Magazin

Hasan Salaam

Im Rahmen der letzten End Of The Weak Competition in Berlin kam Hasan Salaam den weiten Weg aus New Jersey nach Europa um sich hier dem Publikum zu stellen. Nachdem Hasan einiges Shows in England gespielt hatte, bekamen wir die Chance vor seinen Auftritten in Deutschland mit ihm zu sprechen. Dabei plauderte das Mitglied der Crew „5th Column“ über sein aktuelles Album „Children Of God“, die HipHop Szene in New Jersey, das „The Reavers“ Projekt (u.a. mit Mitgliedern von Killarmy, Cannibal Ox, den Monsta Island Czars etc.), seinen Videoclip „15 Minutes“ und über die soziale Verantwortung von HipHop Musik.

MKZWO: Du kommst ja aus New Jersey, welches zwar schon seit eh und im Schatten New Yorks steht aber dennoch eine erfolgreiche eigene Szene mit Künstlern wie Naughty by Nature, LOTUG, Redman, Artifacts, Outsidaz etc. beherbergt. Was denkst du sind die musikalischen Unterschiede zwischen NYC und Jersey und welche Künstler aus deiner Heimatstadt haben dich beeinflusst?

Hasan Salaam: Jerz ist anders weil in New York viele MCs aus der direkten Umgebung wie Yonkers oder New Rochelle kommen. Die Leute die bei uns Musik machen kommen aber aus dem gesamten Bundesstaat, von Norden bis Süden. Joe Budden kommt z.B. aus Jersey City, Redman aus Newark, die Poor Righteous Teachers aus Trenton und Dray von DAS EFX zum aus Teaneck. Das macht unseren Sound auch so abwechslungsreich. Es gibt Stuff aus den Projects, von den Farmen, aus den Bergen und den Suburbs und alle arbeiten eigentlich irgendwie zusammen. Beeinflusst wurde ich wohl am meisten von Redman und Naughty by Nature. Redman ist für mich einer der Top 3 MCs, tot oder lebendig, punkt! Naughty waren einflussreich weil sie richtige HipHop Hits produzierten und mit Sachen wie ihrem „Naughty“-Geschäft wirkliche Geschäftsmänner waren. Außerdem waren KayGee’s Beats unglaublich. Jersey hat einfach mehr Funk und wir haben kein Problem damit dreckigen Kram zu machen. Außerdem müssen wir uns unseren Respekt sehr hart erarbeiten.

MKZWO: Letztes Jahr hast du, vier Jahre nach deinem Debüt „Paradise Lost“, dein zweites Solo Album „Children Of God“ herausgebracht. Beide Alben handeln von deinen Gedanken über Religion, die Zeit in den frühen Neunzigern in der du zum Islam fandest und sozialpolitischen Dingen an sich. Diese Themen sind in der heutigen Zeit ja eher unterrepräsentiert. Was denkst du sind die Gründe dafür und wie kann man diese Balance innerhalb der Musik wiederherstellen?

Hasan Salaam: Ich denke das liegt daran, dass „Gangsta“ Musik einfach „in“ geworden ist und inzwischen ein Standard-Konsumgut ist, vor allem in weißen Communities. Der Tod von Schwarzen und Völkermord an sich waren schon immer Bestseller in Amerikkka und HipHop wurde genau dadurch für einen Moment zur am Meisten Verkaufenden Musikrichtung. Es ist für die großen Firmen halt nicht rentabel Musik herauszubringen, die sie selber als das darstellt was sie wirklich sind: Unaufrichtige Typen die nur daran interessiert sind Andere auszubeuten und zu zerstören. Das Gleiche gilt für das Filmbusiness. Die Leute denken dass alle Schwarzen in Amerikkka am Gangbangen, Stehlen, Drogen Verkaufen und Morden sind. Und die Massenmedien verdienen sich daran dumm und dämlich. Das Volk, die Leute an sich, muss diese Balance wiederherstellen. Bevor die Majors den Markt komplett übernahmen gab es viele kleine Labels. Wir müssen Wege und Methoden finden unsere Musik selbst zu vertreiben und Künstler wieder richtig zu unterstützen. Denn die Majors machen alles mit was Geld bringt, dann liegt es am Künstler sich und seiner Sache treu zu bleiben!

MKZWO: Einer meiner Lieblingssongs von dir ist “Ain’t Gotta Chance” vom “The Tales Of The Lost Tribe” Mixtape, in dem über die Bedeutung und den Zusammenhang zwischen von Bildung und Hoffnung sprichst, insbesondere in Bezug auf die jüngere Generation. Glaubst du, dass viel von der Negativität innerhalb der Jugendkulturen aus fehlender Hoffnung und Perspektivlosigkeit entspringt?

Hasan Salaam: Auf jeden Fall. Ich kann da für die Jugendlichen sprechen mit denen ich arbeite. Die wissen dass es für sie keine Jobs gibt und der ganze Markt kollabiert ist. Und die Chancen dass sie sich fürs Alter sozial absichern können schwinden und werden immer geringer. Was gibt es denn worauf man sich in der Zukunft freuen kann? Außerdem hinterlässt es Spuren wenn Generationen aufgewachsen sind, denen immer wieder eingetrichtert wurde, dass sie weniger Wertsind als andere Menschen. Heutzutage nennen wir uns selber schneller und öfter „Nigger“ als unsere Feinde. Das ist eine miesmacherische Einstellung!

MKZWO: Du hast gerade über Jugendlichemit denen du arbeitest gesprochen. In einem Song von dir heißt es dass du “out on the block, in peace wit no gun” bist, am Verbreiten von Weisheiten. Ich hab gehört dass du wirklich oft in der Hood unterwegs bist und Essensvergaben an Bedürftige und sonstige Charity-Dinge in den Communities unterstützt. Erzähl uns doch ein wenig darüber.

Hasan Salaam: Das 5th Column Kollektiv macht jeden dritten Sonntag im Monat in Jersey City ein Essens- und Kleidungs give-away. Wir machen das jetzt seit 4-5 Jahren! Wir platzieren uns einfach an einer Straßenecke und geben den Leuten Kleidung, was zu Essen, Spielzeug oder Haushaltsgegenstände. Dabei geht es auch nicht um irgendwelche Organisationen oder darum irgendeine Plattform zu pushen. Etwas gutes für die Community zu tun steht im Mittelpunkt. Und das kann jeder tun!

MKZWO: Das “Terror Firma” Album von der “Supergruppe” The Reavers, deren Teil du bist, ist ja ein sehr politischer und militanter Release. Was denkst du inzwischen über das Album und wie war das Feedback?

Hasan Salaam: Es war gut Teil dieses Projekts mit all den talentierten MCs zu sein aber ich glaube leider auch, dass das Album etwas untergegangen ist und weniger Aufmerksamkeit bekommen hat, als es verdient hätte. Sowohl in den USA als auch in Übersee.

MKZWO: Du hast mit deiner Musikbusiness-Kritik “15 Minutes” einen Underground Hit gelandet. Das Ganze in Kombination mit einem freshen Konzept für ein sarkastisches Video, dass die Musikindustrie und Talent Shows aufs Korn nimmt. Warum hast du genau den Song als Single gewählt und wie wichtig war es für dich deine Mum im Video zu haben, die dann auch noch deine Vocals „mitrappt“ ?

Hasan Salaam: Der Song “15 minutes” ist sehr persönlich. Ich habe ihn geschrieben während meine Mutter im Krankenhaus lag. Irgendein Typ hatte mich gerade bei Myspace angeschrieben und fragte „Eyo put me on“ und meine Antwort war nur „My dude, I’m not on. Ich mach das alles Alleine und das kannst du auch“, verstehst du? Und viel wichtiger war dass meine Mum im Krankenhaus liegt, also scheiß auf diesen ganzen Musikkram, Familie geht immer vor. Deswegen erwähne ich meine Mum auch mehrmals während des Songs. Soviel also zu den Umständen während der Song entstand. Und der Beat von Craig Rip ist einfach nur krass. Als ich den Beat hörte hatte ich sofort die Hook vor Augen. Ich hab einfach darüber nachgedacht dass die Leute immer nur ein kleines Stück vom Kuchen wollen, anstatt Besitzer der ganzen Küche zu sein. Jeder will nur noch berühmt werden. Ich mach das nicht für den Fame, ich liebe einfach Musik. Ich will einen positiven Wechsel schaffen, so dass meine Musik zeitlos wird und nicht nur ein kurzlebiger Trend oder sonstwas ist. Dass meine Mutter im Video zu sehen ist soll auch genau dafür stehen. Die Musik soll Generationenübergreifend die Leute in ihrem „Struggle“ ansprechen. Und das für immer!

MKZWO: Du bist ja mit Hilfe der End Of The Weak Bewegung hier nach Europa gekommen. Erzähl uns doch bitte was das E.O.W. für dich bedeutet.

Hasan Salaam: End Of The Weak gab mir als Erstes eine Möglichkeit in New York aufzutreten. Die 3 Kings (Hosts des New Yorker E.O.W., Anm. d. Red.) unterstützen mich und erlaubten mir meine Skills auf ihrer Bühne zu verfeinern. Das ist schon sehr cool, denn nicht Viele unterstützen einen so wie EODub. Jess Jamez, Svengali Bros., Nunzeo, Angel, Kay , iLL Answer, all die Leute die das E.O.W. Movement ausmachen sind wirklich HipHop und waren von Anfang an cool zu mir. DJ Snuff und die U.K. Truppe Kingpin, Whitney und Sophie haben hier echt einiges für mich auf die Beine gestellt, also merkt man dass das Ganze wirklich eine weltweite Angelegenheit ist. Und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern wirklich, und das ist wirklich eine sehr krasse Sache: „That’s some real shit right there!“.

MKZWO: Du bist zum ersten mal in Deutschland, was erwartest du von deinen Auftritten, vom Land und den Leuten?

Hasan Salaam: Stimmt, ich werde zum ersten Mal in Deutschland sein und freue mich wirklich darauf. Ich hab gehört dass ihr da drüben echt abgeht und auch den richtigen HipHop zu schätzen wisst. Also will ich versuchen einen bleibenden Eindruck in den Köpfen der Leute zu hinterlassen, damit ich Deutschland zu einem meiner regulären Zwischenstopps auf meinen Reisen machen kann. Außerdem hat mein Vater Wurzeln in Deutschland und es wird für mich sehr interessant sein dass alles zu sehen und zu erleben.

MKZWO: Danke dass du dir Zeit für uns genommen hast, noch irgendwelche Shoutouts oder letzte Worte für unsere Leser?

Hasan Salaam: Wir sind alle Kinder Gottes. Seht ihn in euch und allen Dingen. „Stay wise, walk on water!“ Und checkt www.hasansalaammusic.com, www.myspace.com/hasansalaam und www.cdbaby.com/cd/hasansalaam4, Peace!

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