MKZWO Magazin

Foul Mouth Jerk

Nichtsdestotrotz ist gerade im Underground Bereich einiges passiert, so hat zum Beispiel der ursprünglich aus New Jersey stammende Foul Mouth Jerk sein Album „Streetlight Music“ veröffentlicht, welches in den USA zu durchweg positiven Kritiken und gar einem kleinen Bericht im bekannten „Source“ Magazin führte. Auf dem Album nimmt er uns z.B mit auf eine Tour durch das Hochbahnsystem New Jerseys (“NJ Transit” mit El Da Sensei von den Artifacts), setzt sich mit der verkorksten Bush-Politik auseinander (“The Decider”) und nimmt uns schließlich mit zurück in die späten 80er („Day One“ mit der Legende Grandmaster Caz und Jerk’s Homie TOPR). Die richtige Kombination von ernsthaften und humorvollen Tracks ist dass was „Streetlight Music“ zu einem so gelungenen und vor allem vielseitigen Album macht, dass auf den Ruf der Szene nach gutem altem boom-bap Hiphop, eine passende Antwort gibt. Und da der gute Mann ein in Deutschland noch ziemlich unbeschriebenes Blatt ist, schienen uns einige Fragen an Foul Mouth Jerk nur angebracht!

MKZWO: Du hast ja dieses Jahr dein “Streetlight Music” Album herausgebracht. Wie war bis jetzt das Feedback und bist du selber im Nachhinein mit dem Release zufrieden?

Foul Mouth Jerk: Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit dem Projekt und dem Feedback. Es hat diesmal wirklich lange gedauert das Album fertig zu stellen. Normalerweise brauche ich ein paar Monate bis hin zu einem Jahr, aber diesmal waren es irgendwie zwischen dreieinhalb und vier Jahren! Aber diesmal scheint sich die Investition auf jeden Fall gelohnt zu haben, denn das Feedback war eigentlich durchweg positiv und die wenige Kritik die kam war konstruktiv. Es gab eigentlich von den ganzen Kritikern, Bloggern etc. kein Gehate oder so. Die Single („Smalltown USA“ feat. Master Ace; Anmerkung der Redaktion) und das Album haben sich auch in den US College HipHop Charts gut gehalten, also scheint es auch bei den DJs und Studenten echt gut angekommen zu sein.

MKZWO: Auf dem Album gibt es ein paar namhafte Features wie z.B. Masta Ace oder auch El Da Sensei von den Artifacts zu hören. Wie kam es dazu?

Foul Mouth Jerk: Also die meisten Features kamen zu Stande weil ich bei mir in der Gegend sehr viel auftrete oder Gigs promote. Für El Da Sensei war ich zum Beispiel Opening Act und hab auch bei der Promo des Events mitgewirkt. Durch Zufall war sein Tour DJ, Flo Fader, dann auch noch ein Kumpel mit dem ich zusammen in New Jersey aufgewachsen bin. So kam es dazu dass ich noch ein paar mal für Sensei Voract sein konnte und dann landeten wir halt auch mal im Studio. So ungefähr haben sich eigentlich alle der Features ergeben, was mich persönlich überrascht hat ist der Fakt das die Gäste wirklich alle gut zusammenpassen und sich in den gesamten Vibe des Albums gut einpassen. Das ist dann wirklich zufällig passiert, freut mich aber immer noch!

MKZWO: Auch von großen und renomierten Medien wie dem Source Magazin und der Urb Website bekamst du einige Aufmerksamkeit. Hat dir das geholfen deine Fanbase zu erweitern und bist du zufrieden damit wie die Kritiker dein Album wahrgenommen haben?

Foul Mouth Jerk: Ja, wie schon gesagt, war das Feedback wirklich positiv. Von URB gab es vier von fünf Sternen und auch die Source hat so einiges Gutes zu sagen gehabt. Das hat schon definitiv meine Fanbase erweitert und mir die Möglichkeit gegeben viel mehr Menschen zu erreichen. Die CD hat auch ihren Weg auf alle möglichen Blogs und Websites gefunden, was mir am Anfang nich ganz geheuer war, denn ehrlich gesagt hab ich mich vorher mit der Internet HipHop Community nicht wirklich beschäftigt. Wie auf dem Cover schon zusehen ist bin ich mehr der Old School Typ. Aber am Ende hatten Alle eigentlich nur Positives über das Album zu sagen, und darauf kommt es schließlich an.

MKZWO: Dein Song “The Decider” zeigt deine politische Seite. Was denkst du wird sich nach der Wahl Barak Obamas in den USA verändern?

Foul Mouth Jerk: Wow, das ist eine schwere Frage. Ich denke es gibt da zwei Sachen, einmal dass was ich hoffe, und das wo ich denke was passieren wird. Ich bin eine ziemlich zynische Person, daher auch der Name Jerk, also ist es für mich an sich schon schwer irgendeinem Politiker Glauben zu schenken. Aber ich muss auch zugeben, dass es das erste mal war, dass ich so etwas wie Hoffnung für einen US Präsidenten entwickelt hab. Meine größte Hoffnung ist das nun eine Menge Sachen in Bezug auf Öko- und erneuerbare Energie ändern wird. Nicht dass ich jetzt selber ein großer Umweltaktivist wäre oder davon besonders viel Ahnung habe, aber ich glaube das dieser Aspekt an so gut wie jedes andere weltweite Problem geknüpft ist, sei es die globale Erwärmung, die Arbeitsmarktsituation oder Kriege um Öl und andere natürliche Ressourcen. Dadurch dass dies eine positive Kettenreaktion zur Folge haben könnte hoffe ich dass Obama in diesem Punkt wirklich was erreicht und nicht nur Versprechungen gemacht hat.

MKZWO: Das ist ja nun schon dein viertes Album, aber das erste was in den USA landesweite Aufmerksamkeit bekam. Erzähl uns doch ein wenig aus deiner Zeit vor „Streetlight Music”.

Foul Mouth Jerk: Prinzipiell hab ich 1988 angefangen zu rappen, damals war ich 12 Jahre alt und lebte in New Jersey. Dort wuchs ich mit all diesen Old School Traditionen wie Battles, Cyphers und Open Mic Events in und um Jersey auf. Ungefähr 1996 fing ich aber mit meinem Homie an durch die Gegend zu reisen und einfach auf der Straße für Benzin, Essen oder Bier zu performen. Manchmal kam man sogar so an einen Schlafplatz (Frauen leiben solche Sachen irgendwie). Nach einer Weile traf ich dann Leute die genau auf die selbe Weise durchs Land getingelt sind und so entschieden wir uns zu einer Band zusammenzuschließen. Das ist so eine HipHop/Funk Sache: 3 Rapper, Gitarre, Bass, Keys, Drums und Percussion. Wir fingen an Aufzunehmen und zusammen zu Touren und wir sind immer noch dabei. Die Band heißt GFE und jetzt gibt es uns so schon seit ca. zehn Jahren. Außerdem habe ich immer auch meine Solokariere verfolgt und hab auch mit meinem Homie TopR (kurz für Top Ramen) aus San Francisco so einiges zusammen auf die Beine gestellt. Das ist mehr oder weniger die Kurzfassung von dem was so vor „Streetlight Music“ abging.

MKZWO: Der Name “Foul Mouth Jerk” ist ja schon ziemlich einzigartig und zeigt auch deine humorvolle Seite. Wie kamst du zu dem Namen?

Foul Mouth Jerk: In Wirklichkeit hat meine Mutter mir den Namen gegeben. Als ich klein war hatte meine Mutter zwei typische Beleidigungen für Leute parat. Wenn man gewieft und hinterlistig war nannte sie einen „Creep“. Wer laut und obszön war, war ein „Foul Mouth Jerk“. An irgendeinem Tag im Jahr 1993 - ich war zu spät auf dem Weg zur Arbeit, steckte im Stau, rauchte Zigaretten und beschimpfte die Leute – dämmerte es mir: „Wenn Mom mich jetzt sehen könnte würde sich mich einen Foul Mouth Jerk nennen“. Und umso mehr ich darüber nachdachte fand ich, dass es eigentlich ein ziemlich cooles Rap Alias wäre. Ich finde es ist eine gute Mischung zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. So sehe ich auch guten Rap im Allgemeinen: über wirklich ernsthafte Themen sprechen, ruhig auch mal aus der Haut fahren, aber zur gleichen Zeit nicht den Humor oder die Selbstironie verlieren.

MKZWO: Was denkst du über den Spaß-Faktor im HipHop als Ganzes? Denkst du dass dieser heutzutage noch wirklich noch relevant und vorhanden ist?

Foul Mouth Jerk: Ich denke nicht nur dass HipHop der Spaßfaktor fehlt, sondern auch, dass die Vielseitigkeit von Rapmusik an sich arg gelitten hat. Früher war es doch auf den Touren noch so dass Leute wie N.W.A., Biz Markie, Public Enemy, Salt-n-Peppa etc. zusammen unterwegs waren. Da war einfach noch Abwechslung vorhanden, es gab Gangsta Rap, politischen Rap, femininen Rap, lustige Sachen und Party Tracks auf einem Konzert! Der Markt hatte Platz für einen Ice-T aber auch für Kid n Play. Was einfach damals wichtig war, war die Echtheit der Künstler. Solange du das repräsentiert hast was du wirklich warst, wurdest du akzeptiert. Das ist auch eine Sache die ich mit „Streetlight Music“ erreichen wollte. Es ist nicht einfach nur ein „Throwback“ Album in der Art wie es klingt, sondern auch von den Inhalten her sehr abwechslungsreich. Es gibt politische Songs („Culture Of Life“), Party Songs („The Jerk’s Theme“), lustige Tracks („One Room Shack“) und auch Lieder die sich mit Drogen und Gewalt beschäftigen („Tryin To Eat“). All diese Dinge beruhen auf echten Erfahrungen die ich in meinem Leben hatte, und zeigen dadurch gut wer ich wirklich bin und wie HipHop aus meiner Sicht klingen sollte, und auch einmal wirklich klang! Ich denke wenn die meisten MCs keine Angst hätten ehrlich zu sein würden selbst die krassesten Gangsta Rapper zeigen dass es mehr in ihrem Leben gibt als nur Knarren, Frauen und Geld. Also mal ehrlich, einige der härtesten Typen die ich kennengelernt habe, stellten sich am Ende als sehr lustige Zeitgenossen heraus.

MKZWO: Da du selber ein Künstler der “Indie-HipHop-Generation” bist, würde uns interessieren was du über das Internet denkst. Sowohl in Bezug auf Verkäufe als auch auf Promotion?

Foul Mouth Jerk: Also zum größten Teil denke ich dass das Internet mit das Beste ist was der Welt passieren konnte, besonders für Indie-Musiker. Dieses Interview zum Beispiel wäre ohne das Internet wohl nicht möglich gewesen. Zwar laden die Leute auch viel Musik illegal herunter, was gerade für Jemanden wie mich, für den jeder Dollar zählt, schmerzhaft ist, aber zur gleichen Zeit kann Musik die ich am Abend aufnehme schon in der Nacht durch die ganze Welt gehen. Es gibt einfach vielmehr Möglichkeiten mit Personen in Kontakt zu kommen, die man vorher nicht gehabt hat. Sein es die Hörer, Promoter, andere Künstler, neue Verkaufsmöglichkeiten, Pressekontakte. All diese Dinge sind nun leichter greifbar geworden. Viele Leute reden ja darüber, dass die Musikindustrie sterben würde, aber im Grunde stirbt nur die Kontrolle der Massenmedien und Major Labels über die Musikindustrie. Durch das Internet haben sich hier die Verhältnisse zu Gunsten der freuen Künstler verschoben. Dies gibt den Leuten die Möglichkeit durch harte Arbeit und klare Ziele viel größere Schritte bezüglich ihres Erfolgs zu machen.

MKZWO: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? Befindet sich schon was in Arbeit und hast du auch vor gezielt den europäischen Markt „anzugreifen“?

Foul Mouth Jerk: Ich hoffe jemand von denen zu werden über die ich gerade gesprochen habe und von den sich ergebenden Möglichkeiten und neuen Technologien zu profitieren. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun um auch die europäischen Hörer zu erreichen, dazu werde ich versuchen meine Musik hier erhältlich zu machen, Interviews wie diese hier zu führen, Promo zu machen und wenn möglich im Sommer 2009 durch Europa zu touren. Außerdem versuche ich gerade zwei Alben zeitgleich zu schreiben und aufzunehmen, mal schauen ob das funktioniert! Eins von den Beiden möchte ich umsonst zum Download bereitstellen und das Andere regulär verkaufen. Ich denke das ist ganz gut um den Leuten mal ein kleines Danke schön für den Support der letzten Zeit zu geben und so ist es auch leichter die Leute überall auf der Welt zu erreichen. Und wer liebt es nicht gute Musik „for free“ zu bekommen!?

MKZWO: Wir bedanken uns bei dir, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Noch irgendwelche Grüße?

Foul Mouth Jerk: Vielen Dank für die Möglichkeit mich euren Lesern vorstellen zu dürfen. Ich weiß das zu schätzen und grüße GFE, Fist Family, Gurp City und den Caroline Gentleman’s Club. Falls ihr noch mehr über mich erfahren wollt, dann besucht myspace.com/foulmouthjerk oder granolafunk.com und wenn ihr meine Alben kaufen wollt schaut einfach bei itunes oder den großen anderen Downloadseiten vorbei!

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