MKZWO Magazin

Flashmaster Ray

Flashmaster Ray gehört zu den deutschen Hip Hop - Pionieren der ersten Stunde. Er ist der erste Hip Hop & Radio DJ aus der Hansestadt Hamburg, lange bevor es Deutschrap im Radio oder TV gab, zu einer Zeit wo weder Internet noch Handys existierten, wo die Hip Hop Kultur noch eine feste Einheit aus den vie Elementen Breackdance, Graffitti, Rap & DJing darstellte und bevor es deutschsprachige Raper, wie Jan Delay, Samy Deluxe oder andere gab. Nach über 20 Jahren im Hip Hop Biz erscheint nun sein erstes Producer - Album mit den Namen „Der Boss am Bass“.

MKZWO: In Hamburg kennt Dich fast jeder, der sich mit der Hip Hop - Szene beschäftigt, obwohl Du länger dabei bist, als so mancher bekannte Raper bist Du in den Medien eher weniger vertreten und bekannt, was meinst Du, woran das liegt?

Ray: Das ist wahrscheinlich bei jeden Künstler so, der im Untergrund Jahre lang Aufbauarbeit geleistet hat, denn man darf nicht vergessen, dass ich nach all den Jahren kein eigenes Album (Produkt ) auf dem Markt hatte, über das man berichten konnte. Relevant ist man für die Medien immer nur dann, wenn man eine Veröffentlichung hat, die am besten auch noch viele Leute anspricht. Somit habe ich also auch keine Plattform in den Medien gehabt, denn nur wer Musik released und vor einer Masse von Leuten auf Konzerten und Festivals auftritt, der hat in den Medien eine Relevanz.

MKZWO: Du arbeitest gern mit eher Hip Hop - untypischen Musikern wie z. B Frank Zander zusammen oder hast als erster Deutscher Hip Hop Producer einen Track mit einem Pornodarsteller (Conny Dachs) gemacht. Warum ist das so und wie kommen deine Konntakte zustande?

Ray: Franks Management hatte bei mir angefragt, ob ich Lust habe einen Remix zu machen. Aufmerksam auf mich geworden sind sie durch eine andere Veröffentlichung von mir. Conny hat sich ebenfalls bei mir gemeldet, weil er meine Musik gut findet. Ich mache eben gern Sachen, die etwas anders sind, als das, was andere machen und wenn ich etwas ähnliches wie andere mache, dann mach ich es lieber authentisch, wie z. B. mit dem Pornodarsteller Conny Dachs. Ich hatte dieses pupertäre Gepose von anderen Künstlern, die auf Sex machen, einfach satt und habe mir gedacht, wenn ich so etwas mache, dann mit Ironie und mit einer authentischen Person aus diesem Metieu kommt und es textlich gar nicht nötig hat, von der Wortwahl her, die unterste Schublade zu benutzen.

MKZWO: Auf deinem Album sind, bis auf ein paar Ausnahmen (z. B. Pure Doze von Too Strong) Künstler vertreten, die eher unbekannt sind, wie z. B. Man@Arms . Wieso featurest du unbekanntere Künstler und keinen etablierten Künstler?

Ray: Natürlich liegt es nahe, einen bekannten & etablierten Künstler zu featuren, damit mit man einen großen Promoeffekt hat. Mir war es aber eher wichtiger, Künstler zu featuren, die meiner Meinung nach, gut zu meiner Musik passen und die ich auch vom Style her cool finde. Es geht mir nicht darum, mit Features zu posen, sondern mit guter Musik und Künstlern, die eine Symbiose mit meiner Musik bilden.

MKZWO: Dein Album ist vom Style her auch ein wenig anders, als andere Hip Hop - Releases und eher elektronisch, wie kommt das?

Ray: Meine Anfänge im Hip Hop haben ihren Ursprung in der Breakdancewelle, die ca. 1984 nach Deutschland kam. Inspiriert von der Musik, die zur damaligen Zeit sehr präsent war, wie z. B. Africa Bambaata,Ice T, Junzon Crew und anderen Künstlern. Es war die Zeit, wo an Musik mit dem Computer noch nicht zu denken war und wo viele analoge elektronische Musikinstrumente, wie die 808 Drummachine, Vocoder & Synthesizer im Einsatz waren.

MKZWO: Ist der Flashmaster Ray - Musikstyle ausschließlich elektronisch?

Ray: Auf dem jetzigen Album auf jedenfall. Das ist ja das Konzept des Album, neue Klänge auf Basis von 80er Jahren-Sounds, teilweise sogar mit analogen Geräten. Aber grundsätzlich lass ich mich vom Sound her, in keine Schublade stecken. Ich mache auch gern Musik mit anderen musikalischen Einflüssen. Das muss nicht immer elektronisch sein. Das ist wie mit den Features und Künstlern, mit den ich arbeite, ich liebe ungewöhnliche Features und lass mich gern von allen möglichen Musikrichtungen inspirieren.

MKZWO: Mit was für Geräten & Equipment produzierst Du?

Ray: Ich benutze einen PC, sowie einen Synthesizer, ein paar Plugin's usw. Die Geräte mit denen man produziert, sind für mich in erster Linie nicht wichtig. Für mich zählt immer das Ergebnis und nicht, ob ich eine 808 oder 4711, 0815 oder 007 benutze.

MKZWO: Wie entstehen deine Song-Ideen?

Ray: Wie man teilweise auf meinem Album hören kann, inspirieren mich 80er Jahre-Filme und auf jedenfall die Electrofunk Musik der 80er. Ich mische dann einfach meine Ideen und Einflüsse mit meinem Sound und benutze deutsche und englische Texte, da ich finde, einiges kommt besser in Englisch und einiges in Deutsch. Ich hatte für das Album noch einige Demos in russisch und polnisch usw. produziert, die ich zum Schluß dann aber nicht genommen habe. Diese Sachen finden aber sicher auf dem nächsten Album ihren Platz.

MKZWO: Wie kam die Idee zu dem einfachen, aber abgefahrenen Videoclip „Beweg dich (Mach dich nackt)?“

Ray: Bei meinem Clip hab ich mich von der Figur Max Headroom inspirieren lassen, eine Fernsehsendung aus den 80er Jahren, über einen Mann, der als TV - Moderator nach seinem Tod als computeranimierte Figur zurückkehrt. Mein Clip basiert auf dem Original-Video zu einem Track, der in den 80ern im Fernsehen lief. Der Schnitt und die gesamte Aufmachung des Clips basiert auf typischen 80er Jahren Standards.

MKZWO: Was können wir von Dir als nächstes erwarten? Ist ein neues Album schon in Planung?

Ray: Auf jedenfall bin ich jetzt erst einmal wieder mehr als DJ unterwegs und wann das nächste Album kommt? Da will ich mich nicht festlegen, aber eins ist sicher, irgend ein Release oder etwas anderes kommt bestimmt.

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