MKZWO Magazin

Ferris MC

”Die Welt ist schon grausam und schlimm genug, da muss man nicht diese Gangsta-Attitude aus Ami-Filmen in das Leben mit einbringen.“

Ferris MC hat ein neues Album aufgenommen, ”Audiobiographie“ geht den Weg des durchgeknallten Rap-Freaks weiter, wenn auch etwas reflektierter als bisher gewohnt. Die Beats stammen wieder mal größtenteils von Tobi, der bei ”Feieralarm“ auch vor dem Mikro auftaucht, ansonsten produzierten DJ Thomilla, Rocky, Stylewarz und Kaoz, Tropf und Ferris selbst. Ich unterhielt mich mit ihm über Vanessa, Bushido und Rio Reiser.

MKZWO: Zuallererst eine Frage, die du wahrscheinlich derzeit dauernd beantworten musst. Wie passt die Kollaboration mit der gecasteten Vanessa mit dem Diss-Track ”Popstarz“, der auf deinem neuen Album ”Audiobiographie“ zu finden ist, zusammen?

Ferris MC: Ich trenne das Persönliche von dem Geschäftlichen und dieses Vanessa-Ferris-Ding war für mich ein reines Business-Feature. Ich mache halt mit diesen Leuten Geschäfte und nehme mir gleichzeitig das Recht raus, sie zu verarschen. Für mich sind die ”Popstars’ ein Produkt, das sich selber anbietet oder weitergereicht und verheizt wird vom Business oder durch die Plänen eines Thomas Steins zum Beispiel. Ich selber bin der Händler meiner Ware und der Producer meines eigenen Produkts. Ich kann meine Schublade auf- und zumachen, wann ich will und baue sie auch selber. Das ist der Unterschied zwischen mir und den ”Popstars’. Was die so durchmachen, ist eher so eine Art Psycho-Sport, während ich halt noch handgearbeitete Musik mache. Ich habe das Ding als Promo-Effekt nutzen wollen, damit ich auch an Leute rankomme, an die ich nie mit dem Budget, dass wir zur Verfügung haben, rangekommen wäre.

MKZWO: Sind diese Unterschiede auch für eingefleischte Ferris-Fans leicht zu erkennen, wenn sie plötzlich den Videoclip mit Vanessa auf Viva laufen sehen?

Ferris MC: Nein, aber das Risiko muss ich eingehen, wenn ich etwas erleben will, neugierig bin und Bock auf Herausforderungen habe. Ich bin nicht da, um den Erwartungen der Leute zu entsprechen. Wenn sie diese Info haben wollen, können sie es ja auch nachlesen, nachdem mir die Frage meinetwegen jetzt mal zum 35. Mal gestellt wurde. Ob sie das dann genauso sehen und mit mir dann wieder down sind oder nicht, dass muss mir einfach egal sein. Ich mache nur Musik, um meinen Ansprüchen und meinen Erwartungen zu entsprechen. Positiv betrachtet, ist es im Prinzip ja auch etwas ganz Neues für den europäischen Bereich gewesen. Alle sind schmerzfrei, wenn Redman, Jay-Z oder Fat Joe einen Track mit gecasteten Sängerinnen machen. Das wird dann immer gar nicht diskutiert. Bei mir wird das diskutiert, weil ich sie einerseits natürlich disse, aber Redman hat Christina Aguilera gedisst, bevor er diese Kollabo mit ihr gemacht hat. Ich denke mal, dass ich hierzulande den ersten Schritt in dieser Richtung gemacht habe. Wenn das nicht mehr Gesprächsthema ist, wird es wahrscheinlich Gang und Gebe, dass solche Kollabos passieren.

MKZWO: Und das erhoffst du dir?

Ferris MC: Nein, ich erhoffe mir nur einen Promoeffekt.

MKZWO: ”Den hast du anscheinend auch nötig“, könnte man jetzt erwidern.

Ferris MC: (zögert) Ja, das könnte man so auslegen, aber dann würde man den Track ja schon sehr schlecht bewerten und ich finde meinen Part zu geil, als dass ich sagen würde, ich habe es nötig gehabt. Ich habe einfach nur neue Zeichen gesetzt. Ob sie für gut befunden werden, ist mir egal. Es ist halt für die Leute, die drauf stehen und für die Leute, die nicht drauf stehen, ist es auch gemacht! (lacht)

MKZWO: Glaubst du, dass Freunde von brutalen und provokativen Raps noch so richtig heiß auf deinen Mongo-Asi-Freak-Style sind, wo inzwischen einige Berliner Gruppen noch härtere Lyrics ausspucken?

Ferris MC: Die Berliner sind natürlich noch härter, wenn sie frei nach Schnauze reden, aber das Bild, was teilweise Berliner wiedergeben ist ja nicht das Bild, wie es ist. Bei mir ist es auch schon übertrieben, aber weitaus realer und weitaus mehr aus meinem Leben gegriffen als aus irgendwelchen Filmen. Ich habe das Bushido-Album gehört und finde da schon die Punkte raus, von denen ich mich unterhalten lasse, aber ich bin schon zu alt, um das alles wirklich noch richtig ernst zu nehmen. Genauso wie ich Spaß an Action- oder Splatterfilmen habe, habe ich auch Spaß an brutaler, krasser Lyrik. Deswegen passiert das bei mir auch, nur bei mir ist es deutlich heraus zu hören, wo der Surrealismus anfängt. Bei den Berliner verschmilzt die Fiktion mit der Wahrheit. Das machen sie teilweise auch sehr gut, aber in Berlin sterben auch keine Menschen durch Drive-By-Shooting oder Gang-Bang. Da werden Leute von Rentnern abgestochen, da passieren solche Scheiß-Unfälle wie mit dem Maxim. Das ist die Wahrheit. Ich finde es interessanter, wenn man die wahre Welt richtig wiederspiegelt. Die Welt ist schon grausam und schlimm genug, da muss man nicht diese Gangsta-Attitude aus Ami-Filmen in das Leben mit einbringen. Klar gibt es Drogendealerei, Gangs und dies und das, aber es ist vielmehr Frust, der da herrscht, als Aggressivität.

MKZWO: Du hast auf deinem neuen Album ”König von Deutschland“ gecovert. Wusstest du bei der Aufnahme schon, dass Eko mit einem gleichnamigen Song an den Start geht?

Ferris MC: Nein, ich habe das Lied im April aufgenommen und im Juni habe ich die Reklame für seine Single gesehen. Ich hatte dann erst Panik, dass er das auch gecovert hat und dann habe ich durchs Video gesehen, dass es ein anderes Lied ist. Mein Ding war eigentlich gar nicht geplant für das Album, es kommt eigentlich noch auf so einen Rio-Reiser-Tribut-Sampler drauf. Es gab eine Liste von den ganzen Liedern zur Auswahl und ”König von Deutschland“ war noch frei. Ich habe mich darüber gewundert und es dann genommen, weil ich mir dachte, dass es gut zu mir passt. Nach der Aufnahme habe ich dann gefragt, ob ich es auch für mein Album haben könnte. Die Sampler-Leute wollten meins auch als Single machen, aber ich habe dann gesagt, dass ich das Eko-Ding sehr geil finde und deswegen meins nicht als Single rausbringe.

MKZWO: Auf dem Scherben-Tribut-Sampler von den Jungs von Das Department warst du auch vertreten. Was bedeutet Rio Reiser für dich persönlich?

Ferris MC: Genau, mit Bonzenbro$ haben wir schon mal ”Mensch Meier“ gecovert, wo wir auch nur leichte Veränderungen gemacht haben, aber letztlich eine totale Fussball-Ballermann-Version draus gebastelt haben. Rio Reiser war ein Charaktertyp, der nicht unbedingt mich, aber bestimmt vielen von meinen Vorfahren beeinflusst hat. Er gehört einfach dazu, hat Meilensteine gesetzt und hat Lieder, vor allem Liebeslieder geschrieben, die nicht peinlich und wack rüberkamen, sondern eher mit Gefühl und tiefgreifender Poetik! (lacht) Das finde ich sehr geil, halt auch, dass er aus der Gosse kam und sich mit seiner Musik aus dieser Scheiße ziehen konnte.

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