MKZWO Magazin

DR. VolkanikMan

"Nur die Liebe bringt uns das Heil und schafft uns eine bessere Welt." Der folgende Protagonist beweist, dass er mit Liebe, aber auch mit Hilfe der Medizin heilen kann. Er ist seines Zeichens Arzt, Sänger und ein perfekt integrierter deutscher mit Migratioinshintergrund. Schwachsinn, er ist Deutscher. Ich glaube ja, dass Deutschland zum Niemandsland werden würde, wenn alle den Integrationstest machen müssten, aber das nur am Rande. Zurück zum Doktor: Wer ihn noch nicht kennt, sollte das schnell ändern, denn soviel Herz findet man selten. Meine Bewunderung hat er schon lange in der Tasche, und warum das so ist, könnt ihr im Folgenden lesen.

MKZWO: Ein paar kurze Sätze zu deiner Person. Wer bist du? Wo kommst du her? Was ist dein Beruf oder deine Berufung?

DR. VolkanikMan: Mein Name ist Volkan. Ich bin gebürtiger West-Berliner und die Dritte Generation. Mein Opa kam als Gastarbeiter nach Deutschland und holte dann meinen Vater nach. Ich bin Arzt an der Charité und nebenbei als "Dr. VolkanikMan" Charity-Sänger. Irgendwie fühl ich beides als meine Berufung.

MKZWO: Ist deine Familie musikalisch oder wie bist du zur Musik gekommen?

DR. VolkanikMan: Wie definiert man musikalisch? Ist es musikalisch, wenn meine Mutter (Möge ihr Platz das Paradies sein) eine begeisterte Sängerin ohne professionelle Ausbildung oder Anspruch auf Konzerte ist? Jedenfalls muss das mich sehr geprägt haben.

MKZWO: Hat dich deine Familie bei der Musik unterstützt?

DR. VolkanikMan: Ja und Nein. Als ich lernen wollte, Keyboard zu spielen, gab es keine Probleme. Als ich aber dann anfing zu rappen sowie zu singen und dann auch noch Auftritte in dreckigen, verrauchten Clubs hatte, hatten meine Eltern sehr etwas dagegen. Ich machte es trotzdem. Ich kann sie aber auch verstehen. Wenn ich überlege, was für Drogen mir teilweise angeboten wurden oder mit was für Typen ich in Kontakt kam, da muss man schon dreimal schlucken. Aber irgendwie bekam mich niemand zu den Drogen, nicht mal zum Kiffen oder Alkohol trinken, weil ich einfach von meinem Lebensstil sehr überzeugt bin. Und dieses Lebensstil haben mir meine Eltern, allen voran meine Mutter angezogen. Und ich bin absolut glücklich darüber, dass ich so bin, wie ich bin.

MKZWO: Also hat die Musik dich von anderen Schandtaten abgehalten?

DR. VolkanikMan: Ja hat sie. Sie hat meinen jugendlichen Frust in positive Energie gedreht, so dass ich nicht auf die schiefe Bahn geriet. Ich hatte schon ein Messer am Hals und ein paar Schlägereien hintermir, bekam aber oft nicht viel ab. Ich wurde als "Der Schlaue" unter uns geschützt.

MKZWO: Wie hast du denn den Weg zum Reggae gefunden?

DR. VolkanikMan: Reiner Zufall. Ich habe ja früher gerappt. Damals gab es nicht diese Möglichkeiten wie heute, an Musik einfach heranzukommen. Daher waren mein zweites zu Hause die bereits nicht mehr existierenden Läden "World of Music" und "Virgin" sowie die Bibliothek. Bei "WoM" und "Virgin" hatte ich mir CDs gekauft, zu Hause auf Kassette gezogen und dann wieder am gleichen Tag zurückgegeben. Ich glaube, dass die meinetwegen die Folienverpackung eingeführt haben. In der Bibliothek im Bezirk Schöneberg, ich selbst bin WIlmersdorfer, gab es sehr viel in der Sparte "Black Music". Naja, da habe ich mir alles mögliche ausgeliehen. Und ein Album davon war "Buju Banton - Voice of Jamaica". Ich glaube, dass das 2001 war. Absolut geflashed von der Mischung aus Singen und Rappen mit den Dancehalltypischen Beats fing ich an, mir Patois mit dem berühmten "Kauderwelsch für Jamaika"-Buch beizubringen und in dem Stil zu singen. Das war im Prinzip dann die Geburt des VolkanikMan und erklärt auch die tiefe, schreiende Stimme zu Anfang und auf den Live-Konzerten. Bob Marley war mir damals überhaupt kein Begriff. Mit der Zeit merkte ich erst, welche Songs eben Ragga enthielten, wie z. B. "I like to move it" von Reel 2 Real feat. Original Mad Stuntman oder "United" von Marky Mark und Prince Ital Joe, alles Songs, die mich besonders durch den Gesang der Jamaikaner flashten.

MKZWO: was war bisher dein größtes Erlebnis in deiner Karriere als Sänger?

DR. VolkanikMan: Mein größtes Erlebnis war der Auftritt als Vorgruppe von Manu Chao 2007. Im Nachhinein habe ich mitbekommen, dass sich viele Bands einkaufen wollten. Ich wurde aber von dem Management auf Empfehlung von DJ Ipek angefragt, ob ich nicht Vorgruppe für die ganze Tour machen wollen würde. Leider konnte ich nur aus universitären Gründen den Berlin-Termin mitmachen, aber das war nicht schlimm. Das Management hat mir sogar 200 € (klar in Relation zu den Einnahmen nicht viel, aber normalerweise unüblich bei Vorgruppen) als Support für mein Charity-Sänder-Dasein geschenkt. Die haben mir dann auch erzählt, dass Sie bewusst mich gewählt haben, weil Sie den Menschen in Deutschland zeigen wollten, dass es Rapper/Sänger mit türkischen Wurzeln gibt, die nicht durch negative , sondern durch positive Texte und Engagement für die Gesellschaft auffallen sollen. Ich kann nur sagen, ich war absolut positiv überrascht über die Jungs. Die haben uns im Backstage gesagt, dass wir nicht in unserem Raum hocken sollen, sondern sie sich freuen würden, wenn wir gemeinsam mit denen in ihrem Backstage den Abend schön ausklingen lassen. Es war einfach der Hammer. Dennoch möchte ich meine Charity-Konzerte auch als sehr große Erlebnisse nicht unerwähnt lassen. Die Bands, das Publikum, alle beteiligten Menschen haben diese Events zu Krachern und somit das ganze "Actions - No Words - Charité Project" zu einem Erfolg gemacht!

MKZWO: Was ist "Actions - No Words - Charité Project" ?

DR. VolkanikMan: Dieses Projekt (abgekürzt: ActNoW) haben wir 2006 gegründet. Eigentlich wollte ich mit Musik aufhören, weil mich diese Klugscheißerei auf der Bühne nervte. Wir singen was, aber irgendwie für unsere Worte auch richtig einstehen, in der Richtung passierte nicht so viel. Aber dann kam mir die Idee, anfangs eher als Abschiedskonzert, ein Benefizkonzert zu veranstalten. Naja ich fragte dann ein paar Künstler an, das Event wurde ein Erfolg und nun gibt es das Projekt schon mehr als 6 Jahre. So konnten wir nun mehr als 33000 € an medizinische und bildungsfördernde Hilforganisationen spenden und klare Statements für Frieden und Respekt sowie gegen Krieg, Rassismus und Homophobie setzen. Übrigens sind wir die ersten gewesen, die im YAAM (Reggae-Club in Berlin) das erste Mal uns gegen Homophobie ausgesprochen haben.

MKZWO: Respekt dafür ! Was bedeutet die Musik für dich? Ist sie nur ein Ausgleich oder siehst du mehr darin? 

DR. VolkanikMan: Die Musik ist für mich ein Lebensinhalt. Klar ist sie auch ein Ausgleich für mich, aber ein Ausgleich, mit dem ich etwas für die Gesellschaft bezwecken will. Ich will nicht nur reden, ich will auch etwas tun. Das Entscheidende ist dabei, dass man nicht die ganze Zeit etwas dafür tut, sondern das ehrlich meint und im Rahmen seiner Möglichkeiten dies durchführt. Ich habe leider nur begrenzt Zeit durch meinen Beruf als Arzt. Aber die Rampensau in mir möchte halt eben durch seine speziellen Performances etwas bewegen.

MKZWO: Wie kommst du auf die Inhalte deiner Texte?

DR. VolkanikMan: Mich inspirieren Lebenssituationen, Medien und die Heuchler unter den musikalischen Kollegen. Meine Texte sind oft sehr simpel gestrickt, weil sie direkt aus dem Moment heraus kommen. Viele werfen mir das vor, manchmal denke ich selber auch, die könnten ein wenig ausgepfeilter sein. Aber was habe ich von verschlüsselten Texten, die keiner versteht. Mein Deutsch soll jedem zugänglich sein. Ich will nicht um den heißen Brei reden, sondern klare Statements abgeben. Das ist auch ein Grund für die einfachen Reime.

MKZWO: Du bist ja hauptberuflich als Arzt tätig. Was gibt es für eine Verbindung zwischen Musik und deinem Beruf als Arzt? 

DR. VolkanikMan: Musik ist auch Medizin. Leute benutzen sie z. B., um vom Stress herunterzukommen. Deshalb ist es auch wichtig, nicht jeden Song "intellektuell anspruchsvoll" zu gestalten. Andere benutzen Sie als Aphrodisiakum usw. Daher widersprechen Musik und Medizin sich nicht. Medizin hat ja primär die Aufgabe, Menschen zu heilen.

MKZWO: Wie sind die Reaktionen der Menschen wenn du sagst: "ich bin durch, lasst mich Arzt!"?

DR. VolkanikMan: Sie schmunzeln und lassen mich auch Arzt ähh durch. Für viele passt meine Musik und Performance mit dem Status des Arztes nicht zusammen. Ich denke, so lange ich keine destruktive, sondern konstruktive Musik mache, ist das ziemlich egal.

MKZWO: Was passiert mit den Einnahmen die ihr bei deinen Charité Events erspielt?

DR. VolkanikMan: steht vor der Tür in Schwarz und tiefergelegt.

MKZWO: Wir haben´s gewusst. Wenn wir uns bald auf eine Spritztour treffen können, dann halten wir die Klappe. Vielen Dank für das Interview und wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg auf all deinen Wegen.

 

 

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