MKZWO Magazin

Die Pilzen

"Schließlich ist niemand unfehlbar und perfekt."

Wir schreiben das Jahr 3 vor der Jahrtausendwende. Wieder einmal startet ein Partrouillenflieger vom Kontrollpunkt MKZWO, um in den Weiten des Deutschrapkosmos nach unbekannten Lebensformen zu forschen. Vorbei an hängengebliebenen Oldschoolern, (noch) teilweise unterentwickelten Now + Newschoolern und 1 : 1 Kopierern entdeckt er im Freistil-Nebel den bis dato unbekannten Planeten "Pilzen". Dessen Bewohner empfingen die MKZWO Delegation aufs herzlichste und weihten sie in die Geheimnisse ihrer Kultur ein. Doch lest selbst.

MKZWO: Was ist die Idee, die Bedeutung, des/Eures Albumtitels "Gegenwarten und andere Situationen"?

Die Pilzen: Es waren die einzigen Begriffe, die unserer Meinung nach zu der CD gepaßt haben. Der Titel bezeichnet halt am besten den eigenen Existenzraum, in dem man lebt, der um einen herum existiert, egal ob es jetzt Sachen sind, die in der Zukunft liegen oder bereits Vergangenheit sind. Eben all die Ereignisse, die auf einen wirken, all das sind Gegenwarten. Bei unserem Bandnamen "Die Pilzen" ist die Problematik hingegeneine andere. "Die Pilzen" ist eine Wortkombination aus "Pilze" und "in" deshalb auch das "n" am Ende. Pilze kommt übrigens von dem Innenleben dieser ganzen Schubladen, in denenTausende von Bands reingestopft werden und vor sich hinfaulen. Wo wir schon mal dabei sind, möchte ich das Ganze noch mit einem Aufruf an alle Musiker verbinden, aus ihren Schubladen rauszukommen, die überfüllt sind, stinken und vor sich hinfaulen, und sich nicht unter Druck setzten zu lassen.

MKZWO: Also genau das, was Ihr mit Euer Musik verfolgt, indem Ihr die verschiedensten Spielarten einbringt …

Die Pilzen: … ja genau! Stell dir einen Musikschrank mit all seinen Schubladen vor. Stell dir weiterhin vor, alle diese Schubladen würden mit der Zeit alt und marode werden. In dem Moment würde alles zusammenkommen, und man könnte gemeinsam Musik machen. Sich einfach neu inspirieren lassen, weil man sonst an seinem eigenen Muff ersticken würde. Wobei ich anmerken muß, daß wir teilweise schon aus Ersticktem bestehen. Unser Ziel war es aber, aus allem die Quintessenz zu ziehen und daraus neues Leben zu formen. Gewissermaßen der Fluchtweg aus dem Aas!

MKZWO: Um nochmal zur ersten Frage zurückzukommen. Mit Eurer Musik verarbeitet Ihr also Eure Vergangenheit, das was Euch formte, Eure Gegenwart, was Ihr jetzt seid und Eure Zukunft, da wo Ihr hin wollt!

Die Pilzen: Genau, was bin ich, wo komme ich her, wo will ich eigentlich hin, was ist um mich herum?! Der Begriff Gegenwarten beruht eigentlich doch darauf, daß du darauf wartest, was in der Zukunft noch auf dich zu kommt, deshalb war Gegenwarten auch das richtige Wort dafür, denn das Warten auf Kommendes passiert ja nun mal in der Gegenwart. Eine andere Geschichte ist, daß wir hin und wieder gerne mal einen quarzen, wobei dieses oft dem Zweck dient, die Vergangenheit zu vergessen und sich auch keine Gedanken über die Zukunft machen zu müssen. Quasi nur an den Moment denken. Das ist nun mal die Gegenwart als einzig verbleibende Zeitform. Zum anderen ist die Gegenwart ein zentraler Zeitpunkt, da sie auf der Vergangenheit beruht und Schlüssel zur Zukunft ist.

MKZWO: Nickel, Du spielst/singst nebenbei in einer Gitarren HC-Band. Was war der Auslöser für Euch, Euch zusammen zu tun und zu sagen: "Wir machen jetzt HipHop Muzik" mit hauptsächlich deutschen Texten?

Die Pilzen: Kennengelernt haben wir uns auf einer Reise, die wir bei einem Preisausschreiben gewonnen haben und die uns nach Praha führte. Tja, und alles andere hat sich im Laufe der Reise und anschließend so ergeben

MKZWO: Eure Bandgründung liegt ja erst zirka 2 Jahre zurück, eine, wie ich finde, relativ kurze Zeit. In dieser Spanne habt Ihr verhältnismäßig viel erreicht ( CD Release, diverse Konzerte in und außerhalb Berlins). Wie waren eigentlich die Reaktionen aus der "Szene" darauf? Werdet Ihr überhaupt als das akzepitert, was Ihr seid?

Die Pilzen: Wenn du dich selbst akzeptierst, wirst du auch von anderen akzeptiert werden. Ich meine, es wir immer Neider geben, oder Leute, die die Situation ungerecht finden. Aber das ist normal. Natürlich freue ich mich, wenn andere Leute auf mich zukommen und mir sagen, daß sie meine Musik toll finden. Anderseits habe ich aber auch kein Problem damit, wenn's manchen nicht gefällt und Kritik laut wird. Schließlich ist niemand unfehlbar und perfekt. Mit der Berliner HipHop-Szene hatten wir eigentlich noch keine größeren Kontakte, hätten aber auch keine Schwierigkeiten damit, zusammen irgendwelche Projekte zu starten, egal ob es Auftritte oder gemeinsame Songs wären. Wir sind für alles zu haben.

MKZWO: Also immer mit offenen Augen durchs Leben laufen, …

Die Pilzen: … sollte man, sonst läuft man gegen die Wand. Es kommt nicht darauf an, daß man die selbe Musik hört oder zusammen musiziert, sondern, daß man die gleiche Auffassung von Musik hat. Ein Jazzer oder Heavy Metal-Freak hat vielleicht 'ne andere Sprache, kann aber durchaus die selbe Einstellung zur Mucke haben. Und darum geht es. Dennoch gibt es manchmal Mißverständnisse, aber wenn man sich mal mit der Sprache des anderen beschäftigt, und sie "lernt", stellt man gelegentlich fest: "Ey, eigentlich wollen wir dasselbe". Das halte ich für sehr wichtig, denn Musik ist auch immer eine Form von Kommunikation. In dieser Beziehung ist HipHip so ziemlich das Innovativste, was der Markt so hergibt und nebenbei fast so eine Art Meditation. Wenn du die Leute auf einem Konzert stehen siehst, und alles mit dem Kopf nickt, dann ist das für mich wie die Loveparade, wo auch alle vor sich hin meditieren.Trotzdem gibt es zwischen beiden Lagern so gut wie keine Kontakte. Schuld daran sind für mich auch die HipHop-Aktivisten, die mit ihrem Szenegehabe eine Kommunikation z.B. zu Technos und ihrer Szene vermeiden und somit auch einen Austausch von Infos fast unmöglich machen. Und gerade HipHop lebt doch von der Kommunikation, weil doch auch viel erzählt (gesagt) wird.

MKZWO: Apro pos Interpretation. Ihr experimentiert in letzter Zeit viel mit Live-Musikern. Ist das Euer Konzept für die Zukunft?

Die Pilzen: Eigentlich sind das alles Leute, mit denen wir im Studio zusammengearbeitet haben, also warum sollten wir sie dann nicht auch mitnehmen, wenn es live zur Sache geht. Andere Leute, wie DJ T, die braucht man halt, weil sie zum Set gehören.

MKZWO: Was für Projekte habt Ihr für die Zukunft geplant?

Die Pilzen: Also Nickel geht demnächst mit Teenage Suicide ins Studio. Ansonsten werden wir die nächste Zeit quer durch Deutschland touren und dabei uns selbst und unsere Musik zur Schau stellen.
 

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