MKZWO Magazin

D-Flame

Wir haben D-Flame im Frankfurter Nordend getroffen, wo er einige Fragen zu seinem neuen Album beantwortet hat. Gleichermaßen erhielten wir aber auch Eindrücke von einem gereiften Künstler, der reflektiert und sozialkritische Texte über das Image stellt.

MKZWO: Dein fünftes Album „Stress“ kam vor kurzem raus und entgegen des Trends, Gangsterrap zu produzieren, schlägst Du darin ganz andere Töne an. Wie waren die Reaktionen bisher?

D-Flame: Eigentlich durchweg positiv. Es gab auch viele Leute, die Flame von früher gekannt haben und meinten „Hey Flame, Du singst ja jetzt auf dem Album und das klingt ja sogar gut!“ Früher war das aber auch viel mehr polarisiert und es gab viele Kiddies die meinten „Ach, das ist ja schwul und nicht hart genug“. Die Feedbacks die ich momentan bekomme sind aber durchweg positiv

MKZWO: Neben vielen deepen Tracks, die zum nachdenken anregen, hast du auch einige Partysongs drin, wie zum Beispiel „Teer in meinen Adern“. Wie gehst du an ein Album ran, hast du ein feststehendes Konzept oder entwickelt sich das einfach?

D-Flame: Das ist ein Entwicklungsprozess, da ich die Ideen zu 99,9% aus meinem Leben ziehe. Dabei ist es egal, ob es sich dabei um so ein „Teer in meinen Adern“ Ding dreht oder was anderes. Bei „Teer in meinen Adern“ haben wir zum Beispiel zu dritt im Studio gesessen: Dean und Harris von den Specializtz und ich. Harris hat vorher schon einen Song gemacht mit „Ich bin so Straße, ich hab Teer in meinen Adern“. Wir sitzen dann schließlich zu dritt zusammen und sagen „Stell Dir mal vor, Du bist in Amerika oder Jamaika und einer kommt mit dieser Line“. Harris und ich haben dann auf jamaikanisch eingestimmt „Ja Mann, hab Teer in meinen Adern“. So ist dann irgendwie der Song entstanden. Als wir anschließend den Produzenten nach einem Reggae-Hip-Hop Stück gefragt haben, hat er direkt was aus der Schublade gezogen, das wie die Faust aufs Auge gepasst hat. Auf der anderen Seite ist aber auch gerade „Teer in meinen Adern“ sehr kontrovers. Es geht zwar ums Kiffen, aber auch um die Schäden, die es mit sich bringt. Eben Teer in den Adern, in der Lunge. Ich denke aber auch nicht drüber nach, dass ich so und so viele deepe Tracks brauche und so und so viele Partysongs. Das ist eher eine Emotionssache. Mal bist du gut gelaunt und mal bist du Scheiße drauf, das muss sich alles in den Songs widerspiegeln.

MKZWO: Wenn du am Ende eine ganze Palette von Songs fertig hast und weißt, dass es nur eine Handvoll Tracks auf das Album schaffen kann, ist das ein harter Prozess?

D-Flame: Auf jeden Fall eine gute Frage. Das ist ein sehr, sehr harter Prozess. Bei „Stress“ waren es so um die 30 Songs und natürlich musste ich auch welche weglassen, die mir am Herz gelegen haben. Wenn man aber so viele Songs hat, muss man sich einfach fragen, welche die Phasen in der Produktion abdecken. Für mich ist das wie eine Art Tagebuch, das ich dann nach zehn Jahren oder so wieder aufschlage und mich dann an die Story erinnere. Für mich ist in erster Linie wichtig, dass die Geschichte dahinter stimmt und danach kommt das musikalische. Gerade seit den letzten beiden Alben achte ich aber auch vermehrt auf die Musikalität der Songs. Es steht nicht mehr im Vordergrund, dass es live knallen muss und die Leute weg ballert.

MKZWO: Bei „Stress“ scheint es so, dass viele Songs dabei sind, die Dein Beziehungsleben direkt oder indirekt beschreiben. Abgesehen von dem eigenen Nutzen, sich so etwas von der Seele zu schreiben, wie wichtig ist es Dir, so was auch auf ein Album zu packen und es Deinen Fans mitzuteilen?

D-Flame: Das ist ein Prozess des reifer werdens. Wenn ich früher einen Song mit 17 gemacht habe, hatte ich einen anderen Bezug zu Frauen als heute. Ich denke im Leben eines Mannes gehören Frauen einfach dazu, egal ob in positiver oder negativer Form. Davon abgesehen hatte ich in den letzten Jahren auch viel zu verarbeiten in dieser Richtung. Oft fühlen sich Menschen in einer Krise alleine. Ich persönlich habe auch schon Songs gehört, die in einer bestimmten Krise genau gepasst haben und ich mir sicher war, dass der Typ, der den Song geschrieben hat, genau dieselben Krisen durchlebt haben muss und es hilft, wenn man sich dann nicht mehr alleine fühlt. Wenn ich solche Songs schreibe denke ich oft „Das kannst Du nicht bringen“, dann denke ich aber, wenn es auch nur eine Person gibt, der ich mit diesem Song helfen kann, ist das eine gute Sache. Ich habe mal gelesen, dass 70% von Selbstmorden von Männern aufgrund von zerbrochenen Beziehungen passieren. Wenn meine Songs dazu beitragen können, dass sich einer das Messer nicht an die Pulsadern setzt und denkt „Da ist einer, der war in der gleichen Situation und hat es geschafft“, dann ist das für mich wichtig. Ich will in meinen Songs aber auch nicht nur diese Phase der Verliebtheit darstellen, das wurde schon 1000 mal gemacht. Für mich ist es wichtig, auch die anderen Phasen zu zeigen, die Zwischen- und Abschiedsphasen. Die werden oft nicht dargestellt, vor allem nicht von den sogenannten Real-Rappern.

MKZWO: Bekommst Du von deinen Fans Feedback zu Songs und was ist das für Dich wert im Gegensatz zu den reinen Verkaufszahlen?

D-Flame: Da gibt es viele Situationen. In Saarbrücken ist mir was passiert, das ich nie vergessen werde. Es kam einer auf mich zu, inzwischen einer meiner Lieblings-Supporter und zeigt mir seinen Unterarm auf dem D-Flame tätowiert ist und erklärt, dass ich ihm in unglaublich vielen Situationen geholfen habe. Das ist schon krass. Auf „Stress“ ist beispielsweise ein Titel, „Ich will“, auf dem ich sehr persönlich werde und die Liebe meines Lebens dokumentiere und dann auch Feedback bekomme in der Richtung, dass andere das ähnlich sehen. Gerade bei dem Song habe ich aber auch lange überlegt, ob ich ihn mit auf das Album nehme, weil ich ihn auch schon vor zwei Jahren geschrieben habe. Dann ist es aber einfach wunderschön, wenn man dann dazu entsprechendes Feedback bekommt. Irgendwann nach dem dritten Album habe ich mich gefragt, warum ich das alles eigentlich mache und habe mich auch ein wenig zurückgezogen. Geht es um Bling-Bling, dicke Wagen und Bitches oder um Wildstyle und Beatstreet, wo der Hip-Hop das Lebenselixier darstellt? Das letztere war mein Ansporn Musik zu machen. Das, und die Tatsache, dass Leute zu mir kommen und sagen, dass ihnen meine Musik etwas bedeutet. Wenn mein 16-jähriger Sohn schon nach einer Woche, nachdem das Album draußen ist, die Texte mitrappen kann, das ist es, warum ich Musik mache. Da denke ich dann „Scheiß auf die Verkäufe“.

MKZWO: Ein Song auf dem Album, „Backflash“, hat mich stark an „Mehr als Musik“ aus Daniel-X erinnert. War es früher besser oder einfach nur anders?

D-Flame: Man sagt ja „Die gute alte Zeit“ und „Früher war alles besser“, aber ich versuche mich echt davon fern zu halten. Wenn man Ältere hört, die davon erzählen wie gut doch die Rock n Roll Zeit war oder die Soul Zeit oder wenn von Live Konzerten mit James Brown oder den Temptations die Rede ist, dann denkt man schon „Es waren andere Zeiten“. Aber wir haben auch unsere Zeiten und deswegen sage ich auch in „Backflash“ ganz bewusst, dass heute die guten alten Zeiten von unseren Kindern sein werden. Den Spruch habe ich von Gladys Night’s „The way you were“ gelernt. Jeder der Hip-Hop in seinen Anfängen mitbekommen hat, weiß allerdings auch, dass damals viel mehr Faszination dahinter war. Es war ein Movement, bei dem ein Knistern in der Luft gelegen hat, sobald Du von Hip-Hop geredet hast. Wenn ich an Public Enemy, Criminal minded und Sugar Hill denke oder Straight out of Compton, da waren Sachen dabei, die mein Leben verändert haben. Jungle Brothers, Done by the forces of Nature. Das sind Platten für mich gewesen, die ich wie Schule gehört habe. Ich hatte zu dem Thema mal Curse bei mir in der Radiosendung und erzählt, wie ich meinen Kindern versucht habe zu erklären was Hip-Hop damals war. Eine Frau, in die wir uns über alle Maßen verliebt haben. Aber eine Pubertätsliebe bei der Du dich nicht traust, der Frau an die Titten zu fassen und noch Rosen mitbringst und Curse sagt dann abschließend „Und heute ist es eine Bitch“. Mit dem Spruch hat er es auf den Punkt gebracht. Aber ich liebe Hip-Hop immer noch, selbst wenn es heute eine Bitch ist.

MKZWO: Ist es heute einfach mehr Business wie damals?

D-Flame: Viel mehr Business. Ich habe vor kurzem ein Videointerview mit Chuck D gesehen in dem er sagte „Oktober 89 kam Sugar Hill Gang raus. Wenn Du mir im Januar gesagt hättest, dass eine Rap Platte raus kommt, hätte ich dich für verrückt gehalten“. Hättest Du mir in den Zeiten von Wildstyle und Beatstreet gesagt, dass jemand durch Hip-Hop Multimillionär wird, hätte ich Dir auch den Kopf gegriffen. Das alles ist aber auch eine logische Weiterentwicklung. Es muss weitergehen. Wäre es nicht weitergegangen und hätte stagniert, wäre Hip-Hop heute nicht mehr am Leben. So gesehen ist es gut, dass es heute mehr Business gibt und sich das in die Richtung entwickelt hat.

MKZWO: Bekommst Du selbst, als jemand der auf der einen Seite Musik lebt und liebt aber natürlich auch Geld damit verdienen muss, vorgeworfen, dass du die Sache verkommerzialisierst und es eben nicht mehr so „Straße“ und nicht mehr so „Real“ ist?

D-Flame: Seltener. Viele denken ja auch, dass du heutzutage mit „Straße“ Geld machen kannst und es gibt ja genügend Beispiele, die zeigen, dass es geht. Ich habe dann irgendwann für mich entschieden, dass ich die Leute, die das fordern, auch locker bedienen könnte. Ich hätte genug Stories dafür, die sogar echt wären im Gegensatz zu vielen anderen. Ich bin aber einfach zu einer Zeit zu Hip-Hop gekommen, als Wildstyle und Zulu-Nation aktuell waren. Hip-Hop war ein Ausweg. Wenn mir heute jemand sagt „Du bist nicht Straße“, kann ich sagen „Stimmt, früher war ich Straße, heute bin ich Musik“. Wenn mir irgendjemand sagt „Verdien kein Geld damit“, das sind ohnehin meistens die, die noch zuhause bei Papa aus dem Kühlschrank essen und davon keine Ahnung haben. So was wische ich wie Dreck von meinen Schultern: Egal.

MKZWO: In dem Song „Gangsta“ machst Du ja auch diese aufgesetzte Gangster-Masche zum Thema. Heute will scheinbar jeder der Krasseste sein und kommt aus dem schlimmsten Ghetto. Gibt es noch Leute die real sind?

D-Flame: Es gibt ganz sicher Leute die real sind. Das große Problem ist allerdings, dass es zu wenige sind oder aber die, die real sind, nicht rappen können. Viele wollen zum Beispiel Bushido haten. Ich bin einer, der den Hut vor ihm zieht. Auch wenn mir nicht immer die Musik gefällt, von dem Businessaspekt her hat er es auf jeden Fall richtig gemacht. Da wird aber auch die Hand drüber gehalten, in Deutschland will man ja noch immer nicht wahr haben, dass es einen unteren Mittelstand gibt. Es gibt hier vielleicht keine Viertel mit brennenden Mülltonnen, doch es gibt soziale Brennpunkte. Das Ding ist einfach, dass, wenn einer damit Erfolg gehabt hat, unglaubliche viele Leute dann auf diesen Zug aufspringen wollen. Selbst Leute die es eigentlich gar nicht nötig gehabt hätten und das wollte ich mit „Gangsta“ ansprechen. Eigentlich gibt es nur zwei Wege: Wenn du im Rap härter sein willst als andere, fordere Sie zu einem Battle heraus. Wenn Du auf der Straße härter sein willst, fordere Sie eben hinter der Bühne und hau sie weg. Mich hat es einfach irgendwann unglaublich genervt, dass plötzlich alle, wirklich alle, Gangster sein wollten. Deswegen „Gangsta“. Das Ganze ist aber auch eher auf einer humorvollen Weise gemacht. Ich denke das kommt bei dem Thema besser an, als das bierernste. Davon abgesehen, die echten Gangster würden ohnehin niemals über ihr Business in ihren Texten reden.

MKZWO: Was das Thema Humor angeht, so hast Du ja schon bei „FFM“ mit den Ganja Air Interludes gut vorgelegt. Bei „Stress“ kommt das Intro schon direkt witzig. Ist das etwas, was Dir Spaß macht und auf keinen Fall in einem D-Flame Album fehlen darf?

D-Flame: Auf jeden Fall. Interludes machen mir richtig Spaß. Da bin ich auch jemand von der ganz alten Schule. Wenn Du beispielsweise NWA oder Public Enemy nimmst, die haben die besten Interludes gemacht und damit echte Geschichten erzählt. Das waren kleine Filme, die in deinem Kopf abgelaufen sind. Ich habe bisher auf jedem Album mindestens ein kleines Interlude drin gehabt und das ist auch etwas, was mir richtig Spaß macht. Auf Unaufhaltsam gab es beispielsweise ein Interlude, da hat jeder gedacht, das wäre Badesalz gewesen, war aber auch ich.

MKZWO: Wie kam eigentlich die Zusammenarbeit mit Scola zustande?

D-Flame: Das ist eigentlich eine lustige Geschichte. Ich war mitten in der Produktionsphase des Albums, als ich mit einer Kollegin darüber geredet habe, dass ich wieder mal gerne einen Song mit einer Männerstimme in der Hookline machen würde. Ich nenne Xavier immer die stimmliche Telekom, weil er echt das Monopol hier in Deutschland hat, was die Stimme angeht, aber da er schon auf FFM zwei mal drauf war, wollte ich Ihn nicht schon wieder auf „Stress“ drauf haben. Na ja, und es gibt echt viel zu wenig gute Männerstimmen hier. Für mich eigentlich nur zwei: Zum einen Xavier und dann J-Luv. J-Luv, der übrigens bald mit Peter Fox auf Tour geht, war zu der Zeit in Amerika. Ging also auch nicht. Da sagt meine Kollegin, dass sie mit jemandem von Dru Hill Kontakt hat und so kam dann der erste Kontakt zu Stande. Das ist dann aber irgendwie wieder im Sande verlaufen und zwei Monate später, ich war mit Sammy auf den MTV Awards, treffe ich dann einen alten Freund von mir, ein Tourmanager aus Berlin, der mir sagt, dass er gerade mit einem RnB Sänger von Dru Hill unterwegs ist. Das war dann halt Scola und so haben wir es dann doch noch geschafft.

MKZWO: Du warst Anfang des Jahres auf der Dynamite DeLuxe Tour mit dabei, die bis Juli lief. Wird es eigentlich auch eine Tour für „Stress“ geben?

D-Flame: Eine Tour ist für Anfang nächsten Jahres geplant, März oder April. Die Shows sollen dann aber auch mit Band laufen. „Stress“ ist einfach ein Album, das man sehr geil mit einer Live-Band spielen kann.

MKZWO: Im Booklet von „Stress“ dankst du unter anderem den Asiatic Warriors. Hast du noch Kontakt mit Combad, A-Bomb und Azad?

D-Flame: Lustigerweise treffe ich am häufigsten Azad. Wir sind uns ja ganz lange Zeit aus dem Weg gegangen, was aber auch schon seit Jahren vorbei ist. Irgendwann haben wir uns die Hand gegeben, weil wir ja doch irgendwie eine Familie sind. Man trifft sich einfach gelegentlich. A-Bomb wohnt jetzt in Bielefeld und Combad arbeitet am Flughafen und ist jetzt Motoradnarr, der ist nur noch am Bike fahren. Es war halt meine erste Gruppe und ich werde den Jungs mein Leben lang danken, dafür dass wir diese wunderschöne Jugend miteinander verbringen konnten, die vor allem Hip-Hop war.

MKZWO: Ich hatte ja ein bisschen Hoffnung, als ich Dich und Azad auf dem Yassit Video gesehen habe. Geht da irgendwas?

D-Flame: Ich würde da niemals nein sagen. Wenn die Termine und die Vibes stimmen: Auf jeden Fall. Ich denke da wäre keiner von uns abgeneigt.

MKZWO: Azad, Du und auch die meisten anderen, die Frankfurter Hip-Hop repräsentieren, kommen aus der Nordweststadt. Hast du eine Idee woran das liegt? Soziale Brennpunkte gibt es ja auch zu Genüge in anderen Stadtvierteln.

D-Flame: Ich denke das liegt so ein wenig an der Vorreiterstellung. Im Prinzip waren ja Moses Pelham, Ebony Prince und ich die ersten in Frankfurt. Moses hat sich dann relativ schnell sein eigenes Lager aufgebaut, was viele in Frankfurt nicht verstehen konnten. Die echten Jungs in Rödelheim hat man gekannt und der Rest. Na ja, Rödelheim war halt eher als ein Rentnerviertel bekannt. Das war also nicht so richtig echt. Ebony Price war im Gegensatz eher so der Professor-Rapper und das kam in den sozialen Brennpunkten der Stadt so gar nicht an. Dann war da noch ich und ich denke dass ich, dadurch dass ich aus der Nordweststadt komme, ich da für viele auch einfache eine Vorreiterfunktion eingenommen habe. Das ging dann einfach über viele Jahre, in denen die Leute dann Azad oder mich gesehen haben und zwar nicht nur live in der Nordweststadt, sondern auch auf Viva oder MTV. Da haben sich dann viele gesagt: Was der kann, kann ich auch.

MKZWO: Was für eine Rolle spielt dann der Stadtteilinterne Support, dass man einfach auch Jungs aus den eigenen Reihen rekrutiert und nicht den Blick weiter schweifen lässt?

D-Flame: Eine wichtige Rolle. Ist ja klar, dass erst mal die Jungs an die Reihe kommen, die mir nahe stehen und nicht jemand anders, den ich vielleicht erst vor einem Jahr oder so kennengelernt habe. Gutes Beispiel ist hier zum Beispiel Samson oder Jeyz. Samson ist Familie und Jeyz eigentlich schon immer Nordweststädter. Wenn die dann über fünf oder sechs Jahre immer dabei sind und sich dann was ergibt: Ist doch klar, dass die dann als erste gesigned werden. Das ist wie beim essen. Du fütterst ja auch zuerst deine Familie und dann alle anderen.

MKZWO: Hunger ist ein gutes Thema. Mit dem Song „Solution“ thematisierst Du die Hungersnöte in der Welt. Das Thema ist in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten. Was war deine Intension, genau diesen Song mit auf das Album zu packen?

D-Flame: Ich hab Familie und Freunde auf Jamaika und da gibt es auch einige die Hunger haben, wenn sie keinen Job haben. Der ausschlaggebende Punkt war aber, dass ich vor einiger Zeit die Nachrichten gesehen habe und alles Mögliche intensiv behandelt wurde. Das Thema Hungersnot an diesem Tag aber nur ein paar Sekunden Sendezeit hatte, dagegen irgendeine Marssonde, die 200 Millionen gekostet hat und verreckt ist, eine Minute oder länger. Da bin ich ins grübeln gekommen und habe mir gedacht, was man mit dem Geld alles machen könnte, wenn man es dafür einsetzt, den Hungernden zu helfen. Da musste ich dann was drüber schreiben. Ich wollte aber nicht irgendwas aufs Papier bringen sondern auch mit Zahlen untermauern und hab dann erst mal recherchiert. Den dritten Verse des Songs habe ich geschrieben, nachdem ich Spike Lee’s „When the Levees Broke“ gesehen habe. Da habe ich teilweise mit Tränen in den Augen da gesessen und mich gefragt, was doch allen in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten passieren kann. Es war mir sehr wichtig den Song zu machen und Scola auch. Noch haben wir die Stimmen und die kann man dann auch nutzen, um vielleicht was zu bewegen.

MKZWO: Denkst Du, dass es nach der Wahl von Barrack Obama besser werden kann? Es kann eigentlich nur besser werden als unter der Bush-Administration, aber was sind deine Hoffnungen?

D-Flame: Ich denke nicht, das Barrack Obama der neue Messias ist und alles innerhalb kürzester Zeit gelöst wird. Ich denke aber, dass er ein Teil der Lösung ist. Allein das Signal, dass ein Schwarzer Präsident ist, wird ein Umdenken einleiten. Ich denke, dass in den nächsten vier Jahren viel passieren wird, so viel wie schon lange nicht mehr.

MKZWO: Kommen wir mal zu Souljah Music, Deinem Label. Wie wichtig war es Dir, da Dein eigenes Ding zu machen und nicht beispielsweise bei Echte Musik von Jonesmann oder Bozz mitzumachen? Wären da nicht vielleicht Synergie-Effekte möglich gewesen?

D-Flame: Es war mir wichtig mein eigener Chef zu sein. Nach fast zehn Jahren fühle ich mich jetzt auch bereit dazu. Ich habe lange gewartet, während andere schon viel früher nach vorne gegangen sind. Ich wollte aber einfach noch mehr Knowledge über das Business haben. Davon abgesehen, wir haben alle eine Base und das ist Frankfurt. Drei Arme boxen mehr als einer. Wir müssen Frankfurt auch mehr auf die Karte bringen und da denke ich, dass das ein wichtiger Schritt ist. Es gibt zwar viele Rapper, die sagen, dass sie beispielsweise ohne Tone nie angefangen hätten, auf Deutsch zu rappen, aber ansonsten fällt Frankfurt immer gerne hinten runter und wird vergessen.

MKZWO: Optik macht seine Schotten dicht und um 3P steht es auch nicht gut. Konntest Du aus den Fehlern anderer Indie-Labels lernen, um es mit Souljah besser zu machen?

D-Flame: Ich habe ja schon durch Eimsbush gelernt und natürlich versuche ich, die Fehler zu vermeiden, die andere vor mir gemacht haben. So zum Beispiel erst mal alle Homies zu signen, von denen dann 80% die Hand auf halten, ohne auch nur einen Cent verdient zu haben. Ich versuche es besser zu mache, auch wenn es momentan schwer ist. Downloads und alles drum herum sind einfach ein Problem und es ist Fakt, dass der Musikmarkt eingebrochen ist und du von vornherein erst mal um die Hälfte weniger verkaufst als früher. Ich bin damals noch mit dem Gedanken groß geworden, dass ich mir entweder eine Platte kaufen muss oder aber mir das Ding unters Hemd stecken muss und damals gab es noch keine CDs. Heute ist das alles viel einfacher und das Bewusstsein in dieser Richtung fehlt einfach ein bisschen.

MKZWO: Letzte Frage: Was steht als nächstes an?

D-Flame: Das Video zu „Solution“, das auch als Single kommt. Dann die Tour nächstes Jahr, die wir gerade am planen sind und dann natürlich das Label. Ich habe gerade zwei internationale Künstler, die ich gerne signen würde. Einer davon Scola und dann schon das nächste Album, das bereits nächstes Jahr kommen soll. Eine Idee dazu habe ich schon.

MKZWO: Ich danke Dir für Deine Zeit.

D-Flame: Danke für das Interview.

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