MKZWO Magazin

Cru

"Creative cases"

Aus der berüchtigten Bronx kommt der neueste Schallangriff von den Rappern Yogi, Chadio und Mighty Ha, zusammen bekannt als CRU. Ihr Debut-Album "Dirty 30", erschienen auf Violator Records, ist eine Anballung von 20 Songs und 10 Skits, die alle Facetten des heutigen HipHop abdecken.

MKZWO: Wer sind CRU, und was können wir von Eurem Album erwarten?

Chadio: CRU, das sind Producer und Rapper Yogi, D.J. und Hook-Provider Mighty Ha und schließlich myself, "tha murderous" Chadio. Wir existieren als Rhythm Blunt Cru seit 1991 und haben in den Lafayette Housing Projects der Süd-Bronx angefangen. Mein Stil ist meistens eher ruff, während Yogi mehr smooth like Q-TIP rüberkommt. Mighty Ha's rauhe Stimme sorgt meistens für die Refrains. Die 30 Tracks und Skits auf dem Album sind alle miteinander verbunden. Wir wollen den Leuten die verschiedenen Seiten von uns zeigen - mal aggressiv, mal etwas mehr mellow. Das spiegelt sich auch in unserem Logo wieder: eine Seite ist hell und freundlich, die andere zeigt einen Totenkopf. Musik hat für uns viel mit Emotionen zu tun, man versucht das auszudrücken, was man fühlt. Es geht wahrscheinlich jedem so, mal ist man cool drauf und am nächsten Tag könnte man mit jedem Streit anzetteln.

MKZWO: Wie würdet Ihr Euren Stil bezeichnen?

Chadio: Unser Album unterscheidet sich von den heute normalen Rap-Alben. Bei uns dreht sich alles um Kreativität. Wir versuchen, ganz viele unterschiedliche Aspekte in unsere Songs einfließen zu lassen, denn wir wollen nicht kategorisiert werden. Wir lieben diese Rap-Scheiße, und deshalb wollen wir auch für immer im Geschäft bleiben.

MKZWO: Wie genau wollt Ihr das denn erreichen, und was unterscheidet Euch von den ganzen anderen Acts?

Chadio: Erstmal versuchen wir, sehr universal zu sein, d.h. wir lassen uns nicht auf einen einzigen Stil ein. Vielmehr wollen wir unseren eigenen Stil entwickeln. Aus unserer Sicht klingen heute viel zu viele HipHop Acts gleich. Ich meine, jemand bringt etwas Neues und hat Erfolg damit, und auf einmal will jeder Spinner seinen Stil kopieren, um Kohle damit zu machen. Soweit es die Kohle angeht, ist das schon korrekt, aber dieses Kopieren zerstört HipHop. Wir gehen mehr auf die Wurzeln zurück. Deshalb auch schon der Name CRU. So fing es mit HipHop an, jeder D.J., M.C., Writer oder Breaker war in einer eigenen Crew. Und als Crew hat man versucht, sich einen Namen zu machen. Biting war verpönt, und jeder wußte das. Es war so eine Art Code; jeder versuchte, kreativ zu sein und die anderen Crews mit etwas Neuem auszustechen. Mit unserem Album versuchen wir, etwas von diesem Feeling zurückzubringen. Wir haben einige "Party-Tracks" auf unserem Album, einige "Bugged-out" Songs, bei denen es nur ums Reimen geht und schließlich auch "Reality Tracks", also das, was wir auf den Straßen erleben. Hinter jedem Rhyme, jedem Track und jedem Konzept stecken eine Menge Gedanken. Wir möchten, daß die Kids sagen, Chad, Yogi und Ha - die haben ihr Herz da reingesteckt.

Yogi: Was die Produktion angeht, unterscheiden wir uns sehr von anderen Gruppen. Ich habe z.B. selten komplette Loops, die über einen oder mehrere Takte gehen, benutzt, sondern mit kleinen Soundfetzen gearbeitet und zu komplett neuen Stücken zusammengesetzt. Meistens versuche ich sogar, nur Sounds zu samplen, also überhaupt gar keine Loops. D.h. hier ein Stück von einem Gitarren-Riff, dort ein Fetzen aus einem Saxophon-Solo und schließlich 'ne Snare von einer anderen Platte. Wenn dann alles gemischt wird, entsteht etwas völlig Neues und man erkennt nachher gar nicht mehr, daß überhaupt gesampelt wurde, weil die Samples kaum wiederzuerkennen sind. Manche Samples lassen sich digital so verfremden, daß sie einen ganz neuen Charakter bekommen.

MKZWO: Was sind Eure Ziele im Rap-Business?

Yogi: Mit unserem ersten Album haben wir erstmal eine Basis geschaffen. Wir haben unseren Namen bekannt gemacht und somit das Fundament für weitere Alben geschaffen. Wenn unser zweites Album rauskommt, wollen wir, daß die Leute sagen: CRU ist eine der kreativsten, innovativsten HipHop Crews aller Zeiten. Wir möchten, daß das Publikum uns als richtig gute, kreative HipHopper, Producer und Rapper anerkennt. Wir machen das zwar erstmal für uns selber, weil wir mit Hip-Hop aufgewachsen sind und diese ganze Kultur lieben, aber wir wollen auch etwas Respekt und Liebe von dem Publikum zurückbekommen. Wenn wir das nicht schaffen sollten, dann haben wir unseren Job falsch gemacht. Wenn die Leute nicht mehr sagen werden: yeah - CRU hat wieder neue Maßstäbe gesetzt, dann ist es Zeit für uns, mit der Musik aufzuhören.

MKZWO: Wer sind Eure Vorbilder? Wer hat Euch musikalisch oder lyrically beeinflußt?

Yogi: Die Spannweite unserer Inspirationen ist gigantisch. Wir sind in der Bronx aufgewachsen, dem Geburtsort von HipHop. Wir waren also immer inmitten des Geschehens. Mein Cousin war ein D.J., mein Onkel war Jazz-Musiker. Ich bin zum Teil bei ihm aufgewachsen und kenne deshalb z.B. alles von Thelonius Monk, weil er das immer gespielt hat. Mein Cousin hat jede Menge R&B, Soul und Funk-Platten, so daß ich keine Probleme hatte, an gute Samples ranzukommen. Anfangs habe ich auch gescratcht und gemixt - das ganze Programm. Ich wollte aber nie in Clubs auflegen. Ich habe Tricks und ganz spezielle Scratches geübt. Jedesmal, wenn ein neuer D.J. auf einem Rap-Album gescratcht hat, habe ich versucht rauszufinden, womit und wie er das gemacht hat. Das Ganze habe ich aber nie so ernsthaft gemacht. Schließlich bin ich zum Produzieren gekommen und habe festgestellt, daß ich hier wirklich etwas Neues und Eigenes schaffen kann.

MKZWO: Wie seht Ihr die weltweite Entwicklung von HipHop? Könnt Ihr Euch vorstellen mit Gruppen außerhalb der Staaten zusammenzuarbeiten?

Yogi: Ich könnte mir das schon vorstellen. Wenn's "hot" ist und wir auf den selben vibes sind, warum nicht. Ich denke, es könnte sehr kreativ sein, Einflüße von einem ganz anderen Platz der Welt in unsere Musik einfließen zu lassen. Bisher haben wir noch nie Gruppen kennengelernt, die etwas mit uns machen wollten. Wir sind aber auf jeden Fall offen für solche Dinge.

MKZWO: Gibt es noch etwas, das Ihr den Leuten in Deutschland sagen wollt?

Chadio: Aiyo, bereitet Euch auf eine Attacke von purem Underground-HipHop vor! Wir werden auf jeden Fall versuchen, nach Deutschland zu kommen. Sollte sich eine kleine Tour ergeben, macht Euch auf eine energiegeladene Show bereit! Wir werden Euch 110% rauhen, unverfälschten Rap bringen!

K.M.S., Original Kick

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