MKZWO Magazin

Company Flow

”Der Deal, den unsere Plattenfirma mit uns hat, ist eigentlich unerhört im Musikbiz“

Ihr Debüt Album ”Funcrusher Plus“ ist eingeschlagen wie eine Bombe, schon wird es mit den richtungsweisenden Erstlingen von De la Soul und den Wu-Tangs verglichen. Ihre Plattenfirma bot ihnen einen unglaublichen Fifty Fifty Deal an. Wer sind diese Überflieger aus dem Nichts? Wo kommen sie her? MKZWO ging der Sache in einem Gespräch mit dem DJ der Gruppe Mr. Len auf der Promotour in England auf den Grund.

MKZWO: Was macht Ihr gerade in England?

C.F.: Wir haben hier 3 Auftritte gehabt, eine kleine Promotion Tour und jetzt erledigen wir die ganze Pressearbeit mit Interviews usw.

MKZWO: Wie kommt das britische Publikum rüber, verglichen mit einem Auftritt in New York?

C.F.: Der Vibe ist irgendwie anders und zur gleichen Zeit doch genauso wie in New York. Aber der B-Boy Flavor ist auf jeden Fall hier.

MKZWO: Kommt Ihr auch auf den Kontinent, z.B. nach Deutschland?

C.F.: Ja Lust haben wir schon, es ist im Moment nur die Frage, ob wir gebucht werden.

MKZWO: Mit dieser Debüt LP bestimmt. Seid wann seit Ihr zusammen und macht Musik?

C.F.: Die Gruppe ist offiziell seit Mai '93 zusammen, wir trafen uns über die alte Plattenfirma, bei der wir damals unter Vertrag waren. Ich traf El-Pee , als ich auf seiner Geburtstagsparty DJ war, er brauchte einen DJ, um einen Song "Juvenile Techniques" unter dem Namen Company Flow rauszubringen. Die Gruppe war aber noch nicht offiziell gegründet. Ich habe ihm eine Hookline produziert und wir fanden das cool. Big Jus war sein Zimmernachbar, sie hingen zusammen ab, malten und arbeiteten an ihren MC Skillz. Das alte Recordlabel hat uns damals kräftig verarscht, aber wir drei sind zusammen geblieben.

MKZWO: Aus welchen Ecken von New York kommt Ihr denn?

C.F.: Ich komme eigentlich aus der Bronx, wohne aber jetzt in Newark, New Jersey, Big Jus kommt aus Queens, wohnt jetzt in South Jersey und El wohnt in Brooklyn.

MKZWO: Eure Erste EP kam Anfang '96 in die Läden mit überwiegend '95er Stuff, wieso verzögerte sich Euer Debütalbum so lange?

C.F.: Wir mußten erst einen Deal mit Rawkus aushandeln, was die Distribution angeht. Warum wir immer noch alte Songs auf dem Album haben ? Nun, wenn du vorhast etwas zu tun, hast du eine Vision. Unsere ursprüngliche Vision war es, unseren eigenen Stuff ohne Kompromisse rauszubringen. Wir wollten alles kontrollieren. Aber dann kam die Künstlerseite in uns durch, wir wollten, daß unser Zeug auch gehört wird. Es gibt B-Boys auf der ganzen Welt, aber unsere Musik wurde nur in New York und teilweise in Cali gehört. Die B-Boys sollten aber wissen, daß wir sie nicht vergessen haben und deswegen ziehen wir das ganze jetzt für die Mehrheit der HipHops durch.

MKZWO: Big Jus ist Mitglied der Writercrew LUNE TNS, ist er der einzige der auch in den anderen Bereichen des HipHop tätig ist?

C.F.: Ich habe früher mal Breakdance gemacht, mich dabei verletzt und mich entschieden als Fulltime DJ weiter zu machen. Naja, zu Graffiti: Ich kann zwar taggen aber ich kann nicht an eine Wand gehen und sie verschönern. Jus war damals "straight Graf-head" und kam dann zum MCing.

MKZWO: Was ist HipHop für Euch?

C.F.: Auf jeden Fall eine Kultur, eine Lebensweise. Es gibt Leute, die HipHop essen, schlafen, trinken usw. Ich kann ehrlich sagen, daß die Company Flow Welt sich um die HipHop Kultur in all seinen Facetten, Breaking, Graf, Rappen und DJing dreht. "Walking that walk, talking that talk, you gotta live it!"

MKZWO: Wer oder was inspiriert Euch?

C.F.: Musikalisch werden wir von einem breiten Spektrum inspiriert. Jus hat z.B. mal klassisches Klavier gespielt, El hat früher Trompete und Sax gespielt, ich Sax und Schlagzeug. Also sind wir alle tief in der Musik involviert. Ich persönlich höre gern Soul, Funk und Jazz, z.B. Modern Jazz Quartett, Roberta Flack, Bob James oder auch Jimmy Hendrix. Was HipHop angeht, ich wurde in der Bronx geboren. Ich habe Afrika Bambaataa, Grandmaster Flash, Jazzy Jay gehört und DJ's mit ihren Breaks. Ich bin beeinflußt von souligen Kicksnares mit vereinzelten lustigen Soundeffekts, die aus dem Nichts kommen.

MKZWO: Du sagtest, Ihr spielt Instrumente aber auf dem Album sind nur Samples zu hören. Ist geplant mal was mit Liveinstrumenten zu machen?

C.F.: Wir spielen diese Instrumente nicht mehr, aber dieser musikalische Hintergrund ist definitiv da. Auf dieser LP haben wir meistens folgendermaßen produziert: El hat ein Sample oder eher ein Geräusch, daß wir dann zu etwas melodiösem gemacht haben. Die meisten Produktionen fingen in El-Pee's Zimmer an. Er brachte es dann zu Jus und mir und sagte, ich will das und das dazu haben. Wir gaben dann unseren Input dazu. Aber bei den Songs "Lune TNS" von Jus oder "Funcrushscratch" und dem Interlude zu "Last good sleep" von mir, kann man den individuellen Stil eines jeden von uns erkennen.

MKZWO: Habt Ihr früher in anderen Crews gerappt bzw. für andere produziert?

C.F.: Du meinst vor Company Flow? Nein, nichts was bekannt wäre. Ich habe früher gedeejayt für die Leute, die ich kannte, war auf Parties und habe MC's beim Open Mic unterstützt. Genauso, wie es mit HipHop angefangen hat.

MKZWO: Wie bekamt Ihr die Mittel für Euer eigenes Label, durch Mixtapes?

C.F.: Finanziell wird das Label von Jus und El geleitet, meine Leistung dazu ist rein kreativ und erst seit neustem investiere ich Geld darein, für verschiedene Projekte.

MKZWO: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den J-Treads und den Juggaknotz?

C.F.: J-Treds ist ein Freund von El-Pee, den er noch von der Highschool kennt. Die Juggs kamen zur gleichen Zeit wie wir hoch, da war es eine Sache von gegenseitigem Respekt. Das lustige an der Sache mit den Juggaknotz war, daß sie einige Jahre um die Ecke von mir in der Bronx gewohnt haben und ich davon keine Ahnung hatte. Tja, New York ist so eine große Stadt; aber die Verbindung zwischen Co Flow und den Juggs war schon groß, bevor wir uns überhaupt getroffen haben. Also war es unumgänglich, daß wir etwas zusammen machten.

MKZWO: Wer oder was verbirgt sich hinter dem "Fat Beats Squad"?

C.F.: Ich weiß nicht, ob man es "Fat Beat Squad" nennen kann, es sind nur Leute, mit denen wir abhängen, weil wir phatte Beats mögen. Das sind Gruppen, wie Non Phixion, Arsonists, Siah & Yeshua, Juggs und wir. Wir haben aber auch eine Crew, die sich "Alphaflight" nennt. Das sind bestimmte Mitglieder von Arsonists oder Non Phixion und ich, aber jeder der down ist, kann sich Alphaflight nennen. Die Frage ist nur, ob du down bist. So etwas entsteht durch die Verbindung und die Hingabe zur Musik.

MKZWO: Ihr habt auf 89.9 FM eine eigene Radioshow? Ihr erwähntet diese Frequenz schon auf der ersten "Funcrusher" Version.

C.F.: Die Radioshow auf 89.9 ist die "Stretch, Armstrong & Bobito Show", ich habe meine eigene bei einem College Radio in New Jersey auf 88.7 FM.

MKZWO: Was wollt Ihr mit Eurem abgefahrenen Albumcover ausdrücken?

C.F.: Der Typ der das Cover gemacht hat, Matt Doo, hat auch das Organized Konfusion Cover gemacht, daher schon mal diese Verbindung. Diese Funcrusher "Aliens" oder Goblins, wie wir sie nennen wurden von einer weiteren Mitbewohnerin von El-Pee gemacht, Marcie Gorline. Wir zeigten Matt Doo den Character und sagten, wir möchten das als Basis für unser Cover haben und das Ergebnis war einfach geil. Auf der Innenseite des Covers ist ein Piece von Ewok. Wir hatten ihn nie zuvor getroffen, aber eines Tages kam er an und sagte, daß er unsere Musik so sehr mag, daß er ein Piece für uns gemacht hat. Das war einfach unglaublich phat, wir haben es sofort als Innencover genommen.

MKZWO: Hat Ewok eigentlich noch andere Namen?

C.F.: Ich weiß nicht unter welchen Namen er noch malt, aber er ist einer der ganz nach ober kommt, wenn er nicht eigentlich schon da ist.

MKZWO: Wie verhält sich Euer Label "Official Recordings" zu "Rawkus"?

C.F.: Die "Funcrusher Plus" LP ist lizensiert und vertrieben durch Rawkus Entertainment. Ich kann Rawkus nur meinen Respekt und Anerkennung zollen, weil sie einfach die Chance wahrgenommen haben. Der Deal, den sie mit uns haben, ist eigentlich unerhört im Musikbiz, wir teilen Fifty-Fifty!! Ich kann mir kein anderes Label vorstellen, das überhaupt so etwas versuchen würde.

MKZWO: Was ist demnächst aus dem Hause Official/Rawkus zu erwarten?

C.F.: Wie bringen jetzt die "Indelible" Single feat. Queen Heron von den Juggaknotz raus, auf der Rückseite mit BMS, der auf "Vital Nerve" mitrappt, von El-Pee und mir produziert. Er ist schwer zu sagen, was unsere neue Single wird. Sie soll auf jeden Fall Anfang '98 raus kommen. Es ist jetzt die Frage, wann wir Zeit haben werden, neuen Stuff zu produzieren. Wir sind jetzt auf Tour, waren in Dänemark, jetzt England und hatten vorher eine Westcoast Tour.

MKZWO: Mein Ihr, echte Konflikte können auch in der heutigen Zeit mit Battles ausgetragen werden, oder sind C.F. Battles nur noch Statussymbol, um sich selbst zu beweisen?

C.F.: Darüber habe ich neulich mit Totally Kris von den X-Men in meiner Radioshow gesprochen, daß Battlen mittlerweile ziemlich gefährlich ist. Dabei sollte es so sein wie beim Wrestling, wo die Typen zwar das Maul aufreißen und den anderen niedermachen, aber im Ring ihre Show und ihre Skillz zeigen. Warum nicht auch DJ's oder MC's? Wenn ich Leute breaken sehe, das ist für mich die ultimative Form des Battles. Man kann da Schläge austeilen, die den anderen nicht wirklich treffen. Oder Du kannst Leute verarschen, indem Du ihre Kappen vom Kopf schnipst und sie so zum Battle herausfordern. Ich wünschte, viele Konflikte könnten durch Battles gelöst werden, aber heutzutage ist die Einstellung von vielen Rapkids leider: wenn du mich verarscht, muß ich dich töten!

MKZWO: Noch vor wenigen Jahren schien es undenkbar, daß ein weißer Rapper Props bekommen könnte. El-Pee ist weiß, gab es anfangs Probleme hinsichtlich der Akzeptanz?

C.F.: In der Öffentlichkeit eigentlich nicht. Ich persönlich mußte einige Leute richtigstellen, die mich auf El ansprachen, aber im HipHop respektieren B-Boys andere B-Boys. Es ist eine Kultur, die geliebt werden soll und eine Musik, die gehört werden soll und man sollte diejenigen verehren, die den selben Lebensstil haben, wie du selbst. Man hört auch keinen sagen, er hätte Beef mit Crazy Legs, weil er Puertoricaner ist. Crazy Legs ist ein Pionier des HipHop!

MKZWO: "Propsernte" aus Berlin durften letzten Sommer einem Eurer Gigs in NYC beiwohnen, wo sie selbst auf deutsch gereimt haben. Habt ihr schon Sachen aus anderen Nationen gehört und was haltet ihr davon?

C.F.: Mal abgesehen von der offensichtlichen Sprachhürde, kann ich mir solche Sachen anhören, wenn sie Flow haben und ich kann beurteilen, ob dein Beat ein wirklicher Beat ist. Ich hab ein paar deutsche Rapper gehört, aber noch nie einen aus Frankreich, obwohl ich weiß, daß es sie gibt. Ich hab Leute aus Dänemark, Schweden oder Japan gehört und das meiste war echt gut. Das Problem ist eben, daß ich nicht verstehen kann, was die MC's sagen und ich es nicht in meiner Radioshow spielen könnte, weil dann die Leute anrufen würden und fragen würden, was das soll.

MKZWO: Steht Eure düstere Vision von "Help Wanted", also die vollkommene Organisation und technologische Industrialisierung der Menschheit, unmittelbar bevor?

C.F.: Das war auch so ein persönliches Stück von El-Pee mit seiner Vision. Wie gesagt, auf der LP hat jeder von uns sein persönliches Lied drauf, das ihn zu einem bestimmten Zeitpunkt repräsentiert. "Help Wanted" ist als Intro zu "Population Control" gedacht. Was sein Motiv bei dieser Text- und Soundcollage war, kann ich dir noch nicht mal annähernd sagen, es war einfach etwas , was er empfunden hat. Bei "Funcrusher Scratch", meinem persönlichen Song, wollte ich mich einfach durch wilde Scratches und Scheisse labern darstellen.

MKZWO: Die üblichen letzten Worte an die Leserschaft?

C.F.: "Keep HipHop alive, love it, live it." Sei immer du selbst, wie in den alten Brand Nubian und Steve Rynker (?) Song: "Nobody can be you, but you". Wenn du das was Du willst, bis an die Grenze deiner Fähigkeiten machst, dann wirst du irgendwann Anerkennung bekommen.

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