MKZWO Magazin

Chubb Rock

POPKOMM '97, der letzte Tag: Chubb Rock sitzt schwitzend in einem engen Konferenzzimmer auf dem Messegelände und läßt geduldig ein Interview nach dem anderen bei 35 Grad im Schatten über sich ergehen. Man merkt, der Mann ist schon lange dabei und Profi, am Schluß des Interviews bedankt er sich für unsere Unterstützung. Doch von Anfang an.

MKZWO: Du solltest eigentlich schon vorgestern auf der Popkomm auftreten, was ist passiert?

Chubb Rock: Ich hatte eine Aufzeichnung in New York bei HBO, das war so ein "Peacefest", um die Unity im HipHop wieder zu beleben. Nicht nur zwischen East- und Westcoast, sondern auch darzustellen, wie das ganze angefangen hat, was es den einzelnen Leuten bedeutet, usw. Dieser ganze Blödsinn, der im Moment umgeht soll dadurch gestoppt werden.

MKZWO: Wir haben das Gerücht gehört, daß Du Medizin studiert hast und Doktor bist?!

Chubb Rock: Ich habe angefangen Medizin zu studieren, aber nicht weitergemacht, die Musik kam dazwischen.

MKZWO: Planst Du nach Deiner Musikerkarriere weiter zu studieren oder willst Du mit 50 noch HipHop machen?

Chubb Rock: Vielleicht nicht mit 50 HipHop machen aber weiter im Entertainment Business zu arbeiten. Ich baue jetzt gerade meine eigene Plattenfirma auf und will später mal Präsident eines großen Medienkonzerns sein, so wie Bill Gates, hehehe. Der gleiche Job von Tag zu Tag, auch wenn so angesehen wie der Arztberuf, dazu habe ich keine Lust.

MKZWO: Auf Deinen neuen Album "The mind" gibt es zwei verschiedene Stile, smooth R&B-mäßige Songs und harte direkte Battlerhymes. Welcher Stil gefällt dir persönlich besser?

Chubb Rock: Ich mag immer häufiger Freestyle Songs im Gegensatz zu strukturierten Liedern, weil man dort mehr seine Skillz zum Ausdruck bringen kann.

MKZWO: Gestern bist Du hier in Köln vor einem Publikum aufgetreten, daß nicht absolut auf HipHop stand und hast auch gefreestyled, wie ist das angekommen?

Chubb Rock: Ich fand das Publikum war gut, die sind natürlich nicht total ausgeflippt, wie 100% -ige HipHop Crowds (die an dem Abend alle beim Beats & Peaces in der Live Music Hall bei KRS1 und deutschem HipHop waren, Anm. d. Verfassers). Aber sie haben zur Musik gevibed und gegenüber den anderen Bands vor uns, fanden sie den Live-Charakter wohl auch ganz gut.

MKZWO: Ist das überhaupt Dein erstes Mal in Deutschland?

Chubb Rock: Nein, aber es ist lange her gewesen. Ich war vor zehn Jahren schon mal hier. Die Szene hier hat sich stark entwickelt, es geht viel mehr ab als vor zehn Jahren!

MKZWO: Ja, hast Du schon deutschen Rap gehört, gestern trat KRS1 mit deutschen Rap Acts auf?

Chubb Rock: Nein, irgendwie scheint es, daß wir gestern mit Rock- und Dancegruppen aufgetreten sind anstatt mit deutschen Rapbands. Aber mein Manager hat gestern im Hotel auf einem Videokanal ein deutsches HipHop Video gesehen. (hoffentlich nicht TicTacToe!!!, Anm. d. Verfassers) Manager: Ja, ich hab' nur ein paar Zeilen mitbekommen, aber der Vibe war definitiv da.

MKZWO: Chubb, Du hast einige Tracks mit 3rd Bass und Parrish von EPMD gemacht, jetzt sind beide Bands auseinandergefallen. Wie siehst Du die Chancen für eine "Wiedervereinigung"?

Chubb Rock: EPMD sind wieder zusammen, die bringen bald ein neues Album heraus. Es ist schön, daß sie wieder zusammen sind. Ich denke, daß auch 3rd Bass oder Eric B. & Rakim irgendwann wieder zusammen kommen. Das waren einfach Supergruppen. Mit der Zeit gehst du in verschiedene Richtungen, willst verschiedene Ideen austesten usw. Aber es sollte endlich auch mal in der Black Music Szene Bands geben, die, wie z.B. Genesis, Soloprojekte machen aber dann auch wieder ein gemeinsames Album produzieren. Es ist einfach zu traurig solche guten Bands auseinander zu sehen.

MKZWO: Dein Cover zu "The mind" erinnert stark an "Abbey Road" von den Beatles. Außerdem sitzt Du im Inlet auf gepackten Koffern. Was soll das bedeuten?

Chubb Rock: Eine Fotografin vom "Source" Magazin mochte diese alten Koffer , die verdeutlichen sollten "He's back!!". Die Abbey Road Idee kam von mir. Was für die Beatles die Abbey Road zum abhängen war, ist für mich Harlem's 125th Street. Das ist für mich ein schöner Vergleich und viele Leute mögen dieses Konzept.

MKZWO: Du bist schon sehr lange dabei. Welche Zeitspanne in der Entwicklung des HipHop ist Deine liebste?

Chubb Rock: Ich glaube eine Periode, die jeder mag ist von 1988-92. Da kamen viele neue Entwicklungen mit ATCQ, Jungle Brothers, DeLa, Slick Rick, Eric B. & Rakim, KRS1, Big Daddy Kane. Die Zeit war elektrisch, das kann nicht wiederholt werden.

MKZWO: Meinst Du nicht, daß das ganze zu schnell gewachsen ist? East-Westcoast Rivalität, Self destruction, Kommerzialisierung?

Chubb Rock: Es ist schwer zu sagen, jeder vermißt diese Zeitspanne, jeder spricht darüber und jeder versucht alles, um diese Zeit zurückzubringen. Das geht nicht, aber du kannst versuchen den Geist dieser Zeit wiederzubeleben. Jeder machte mit jedem Platten oder Auftritte. Auf der "Raising Hell" Tour von RUN DMC waren bis zu 15 Gruppen. Du zahltest deine 15 $ und bekamst 5 Stunden puren Rap und Unterhaltung ohne Gewalt und so ein Blödsinn.

MKZWO: In Deutschland versuchen wir die drei Bereiche der HipHop Kultur, Breakdance, Graffiti, MC-ing und DJ-ing unter einer Decke zu halten. Ich glaube, daß ist in den USA verlorengegangen?!

Chubb Rock: Ja, es ist aber wieder so weit, daß verstärkt der DJ wieder in den Blickpunkt gerückt wird. Es gab z.B. lange Zeit keine Platte, wo man Scratches drauf hören konnte. Ein Freund sagte mir neulich, daß mein Album das erste seit einer langen Zeit ist, wo er den DJ scratchen hört. So sollte es sein, so hat alles angefangen.

MKZWO: Vielen Dank für das Interview. Wir machen hier ein Underground non-profit Mag und es ist toll, daß Leute wie Du uns unterstützen.

Chubb Rock: Nein, nein, ich habe zu danken. Ihr unterstützt uns !!!

sprach's und gönnte sich vor dem nächsten Interview eine Pinkelpause...

Oliver Schmidt

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