MKZWO Magazin

Chriz Quality

Chriz Quality ist bislang wohl nur Eingeweihten ein Begriff. Und das obwohl der Berliner Rapper seit Jahren aktiv ist – bislang jedoch stets im Verborgenen. Erst diesen Sommer begann er auf lokalen Bühnen für Furore zu sorgen. Die Kombination aus energetischem Flow, souligen Beats und dem Inhalt seiner Texte zeichnen ihn als Conscious MC aus und unterscheiden ihn von dem Gros der Szene. Produziert von seinem langjährigen Weggefährten und DJ Nick Oh ist die Zeit gekommen um endlich durchzustarten. Diesen Herbst/Winter soll sein Debut erscheinen. Grund genug mit dem reflektierten Newcomer zu sprechen.

MKZWO: Hallo Chriz, schön dich zu treffen. Um dich und deine Musik zu kennen muss man schon gezielt nach dir suchen und selbst dann findet man noch nicht allzu viel. Woran liegt es, dass du bis jetzt so wenig präsent bist? Beziehungsweise wie lange machst du überhaupt schon Musik? Und wie bist du speziell zum Hip Hop gekommen?

Chriz Quality: Richtig bewusst mit Musik auseinandergesetzt habe ich mich zum ersten Mal als ich ungefähr 12 Jahre alt war und anfing in der örtlichen Bibliothek alles an CD’s auszuleihen was ich finden konnte. Vor allem Michael Jackson, Queen, Elvis Presley, die Beatles, usw…die erste „Band“ ließ nicht lange auf sich warten. Drei, vier Jahre später lernte ich Nico kennen und durch ihn kam ich zum Hip Hop, das war vielleicht so um 2000. Wir fingen an Beats zu bauen, Texte zu schreiben und nahmen unser Zeug auf Tapes auf. Alles eher Kategorie Jugendsünde. Im Laufe der Zeit haben wir nie aufgehört Musik zu hören, zu machen und zu lieben – aber es war einfach nicht unser Anliegen uns damit unbedingt der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mittlerweile denke ich wir können musikalisch etwas Eigenständiges und Sinnvolles beitragen, also haben wir dieses Jahr damit angefangen einige Songs rauszubringen und live zu performen.

MKZWO: Was verstehst du denn unter einem ‚eigenständigen’ und ‚sinnvollen’ musikalischem Beitrag?

Chriz Quality: In erster Linie den Schritt vom Imitieren zum Kreieren. Eine eigene musikalische Sprache zu entwickeln, seinen eigenen Stil halbwegs gefunden zu haben. Natürlich orientiert man sich immer auch an seinen Vorbildern und kopiert automatisch gewisse Attitüden. Etwas noch nie zuvor Dagewesenes zu produzieren ist nur wenigen Künstlern vorbehalten. Aber mir ist es schon wichtig, dass z.B. die Texte inhaltlich etwas transportieren, dieser Inhalt aber auch in schöne Worte gekleidet ist. Das die Instrumentals eine gewisse Tiefe haben, nicht jeder Song dem gleichen Schema folgt, Reime nicht immer unbedingt an der Stelle kommen an der man sie erwartet, usw…nur durch eine Vielzahl solcher kleiner Innovationen kann irgendwann etwas wirklich Neues entstehen. Aber ich behaupte nicht das ich meinem eigenen Anspruch immer 100% gerecht werde (lacht)…

MKZWO: Du hast Vorbilder erwähnt. Was sind deine persönlichen Einflüsse? Was hörst du selbst für Musik? Gibt es einen kompletten MC für dich? Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?

Chriz Quality: Ich höre im Endeffekt alles mit Groove, von Al Jarreau bis ZZ Top. Kurioserweise eigentlich gar nicht sooooo viel Hip Hop…vor allem Reggae hat mich früher extrem geprägt und tut es auch heute noch. Ich habe tonnenweise 7inches zu Hause. Den Soul der 60ziger/70ziger kann man ja aus Nico’s Beats deutlich raushören. Ein Kumpel in der Schule gab mir damals ‚Whats going On?’ von Marvin Gaye – für mich eines der besten Alben jemals. Und ich liebe die Doors…aber die Liste ist wie gesagt wirklich endlos. Im deutschsprachigen Raum ist Max Herre für mich der größte MC; auch Ganjaman hat mich immer mit seiner Ausstrahlung beeindruckt, mit ihm würde ich gerne mal was aufnehmen.

MKZWO: Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte? Dein ‚Quality Talk’ ist ja schon recht gesellschaftskritisch.

Chriz Quality: Hmmm, was heißt gesellschaftskritisch…ich sage halt meine Meinung zu gewissen Dingen. Grade Hip Hop ist eine Kunstform die immer auch als Sprachrohr dient. Im ‚Quality Talk’ geht es unter anderem darum, dass wir die Dinge verstärkt selber in die Hand nehmen müssen. Wir geben zu oft irgendwelchen fernen Politikern die Schuld für die Umstände ohne zu überlegen was wir selbst tun können um sie zu ändern. Wir schimpfen auf den Staat, das System, die Kirche, die Gesellschaft und vergessen, dass wir selbst diese Gesellschaft sind. Niemand wird tun was wir nicht tun! Wir können natürlich nicht von heute auf Morgen sämtliche Probleme aus der Welt schaffen, aber es ist Teil unserer Verantwortung als mündige Bürger einen Beitrag zu leisten und nicht nur von einer Party zur nächsten zu taumeln. Wir können nicht immer nur auf unseren Rechten pochen, aber unsere Pflichten ausblenden.

MKZWO: Du forderst also mehr soziales Engagement…

Chriz Quality: Naja, aber ich meine nicht bloß mehr Anti-Atomkraft-Buttons (lacht). Viele gut gemeinte Projekte und Aktionen ändern leider absolut gar nichts, außer dass sie unser eigenes Gewissen beruhigen. Bei anderen Veranstaltungen habe ich den Eindruck, den Organisatoren war einfach so langweilig, dass sie mal wieder etwas starten wollten, egal wofür oder wogegen. Nein, was ich meine ist das uns derjenige, der in der U-Bahn neben uns sitzt einfach nicht egal sein darf! In uns allen fließt das gleiche Blut…auch wenn wir uns noch nie begegnet sind und überhaupt nichts voneinander wissen bist du mein Bruder! Engagement heißt nicht möglichst viele Flyer zu verteilen… Aber wir leben in konfusen Zeiten. Die Reizüberflutung ist allgegenwärtig. Dazu Nachrichten die uns täglich mit einem derartigen Ausmaß menschlichen Leids und globaler Probleme konfrontieren, dass wir schon lange kein echtes Mitgefühl mehr aufbringen können, selbst wenn wir wollten. Wir wissen der Planet geht langsam vor die Hunde, aber können im Prinzip nur ohnmächtig daneben stehen und zusehen. Also widmen wir uns wieder unserem Alltag, der im Zweifel noch genug Probleme bereithält. Vielleicht fehlt uns einfach der Anker in dem ganzen Chaos.

MKZWO: Demnächst soll ja deine erste EP erscheinen. Erzähl uns doch noch etwas dazu.

Chriz Quality: Die EP wird ‚Grauer Himmel’ heißen und 5-7 Tracks enthalten. Ich hoffe sie ist Ende nächsten Monats fertig, wahrscheinlich dauert es aber noch etwas länger. Dadurch das wir mittlerweile auch die Jungs von Mosaik als Band im Rücken haben eröffnen sich für das Produzieren jedenfalls ganz andere Möglichkeiten im Gegensatz zu rein Sample-basierten Beats. Der Sound soll möglichst die kalte Jahreszeit einfangen. Die Texte werden dementsprechend auch eher nachdenklich. Aber lasst euch überraschen!

MKZWO: Auf jeden Fall. Chriz, Herzlichen Dank für das Gespräch und Alles Gute weiterhin!

Chriz Quality: Ich habe zu danken. Friede mit euch auf allen Wegen!

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