MKZWO Magazin

Berlin Boom Orchestra

„Wir kommen aus der Knüppel-Ska-Ecke!“

Keine gewöhnliche Band, kein gewöhnliches Konzert. Neun sympathische junge Musiker, die auf den ersten Blick eher zurückhaltend wirken, um dann ein musikalisches Feuerwerk mit Bläsern, Orgel und Percussion abzuliefern - Begleitet von ruhigen Reggae- und Dancehallklängen, prescht plötzlich ein Boom orchestral hervor, der die Ohren schlackern sowie Arme und Beine rhythmisch zappeln lässt. - Rasant, schnell, energiegeladen mit ´ner Prise schnörkellosem Ska. So präsentiert sich ein Konzert des Berlin Boom Orchestra.

Aus der Berliner Reggae und Skaszene sind sie nicht mehr wegzudenken und füllen derzeit jeden Konzertraum. Hier ein Augenmerk auf ihre beiden traditionellen Konzerte im So36 und im Kesselhaus, bei denen es für den Einen oder Anderen hieß: „Umsonst angestanden, es ist ausverkauft“. Ihre erfolgreiche „Reisefiebertour“ war nicht nur für sie selbst eine vom Interesse gekrönte Überraschung. Der Anklang war und ist enorm. Das zeigt auch ihre persönliche Bilanz: „Es war sau cool! Jeder Abend war zwar anders, aber die Konzerte hatten eines gemeinsam: Es wurde voller und voller! Es war echt ein sehr schönes Gefühl, den Zuwachs in jeder einzelnen Stadt beobachten zu können!“

MKZWO: Welche Besonderheit machte eure Tour aus?

BBO: Das Besondere war, dass die Leute wirklich wegen uns da waren. In der Regel ist es recht leicht in der Ska-Szene Gehör zu finden, wenn man seinen Part gut macht. Diesmal war es erstaunlich wie viele auch in der Lage waren, unsere Texte mitzusingen.

MKZWO: Gab es Konzerte, die sich speziell von den anderen unterschieden?

BBO: Ja, beispielsweise im SO36. Für uns ist das wie ein Heimspiel, da es einfach jährliche Tradition hat. Es ist wirklich cool, wenn ein Club mit 900-1000 Menschen gefüllt ist und die Leute da sind, um unter anderem unsere Liveshow zu sehen. Da herrschte eine unglaublich gute Atmosphäre. Das hat man auch dadurch gemerkt, dass wir oben auf der Bühne super gelöst waren und sogar die professionelle Distanz zum eigenen Schaffen wegließen. Wir sind im „SO“ völlig aus uns raus gegangen, es war zu so sagen eine spezielle Energie vorhanden. Dieses Konzert war so zusagen das I-Tüpfelchen der Tour.

MKZWO: Apropos auf der Bühne. Gab es in den letzten Jahren eigentlich viel Wechsel bei euch? Auch vor der Bühne?

BBO: So wohl, als auch! Also vor der Bühne ist es so, dass einige Fans geblieben sind, die bereits von Anfang an dabei waren. Mittlerweile gibt es diverse Fans, die auch aus verschieden Szenen kommen. Man kann das als spezielle Mischung bezeichnen. Vorher kamen die Fans aus einer spezifischeren Szene, da wir ja ebenfalls aus der Knüppel-Ska-Ecke kommen. Nun sind auch viele dabei, die aus der Dancehall- und Reggae-Ecke kommen. Das liegt natürlich an den verschieden Facetten unsere Musikrichtung. Ich würde sagen, die Leute sind eben Berlin Boom Fans! Auf der Bühne gab es auch viel Veränderung. Am Anfang waren wir mal mehr, auch heute ist es so, dass wir mal mit nem Ersatzgitarristen spielen. Insgesamt finde ich das aber normal. Man muss da den Zusammenhang zwischen der Intensität und den ökonomischen Voraussetzungen für Reggae betrachten, und die sind schlecht, wenn man bedenkt, um wie wenig Geld es hier geht. Ich denke, da wir das so intensiv praktizieren, kann man von einer gewissen Konstanz sprechen.

MKZWO: Kann man von einer steigenden Tendenz hinsichtlich des Interesses an der Reggae-Szene sprechen?

BBO: Das ist schwierig, da nicht eine Person die Entscheidung trifft. Bei uns ist das so, dass einige mehr Ska wollen und andere mehr Reggae und wir versuchen da die Waage zu halten.

MKZWO: Inwieweit dient Musik der Politisierung?

BBO: Früher hatten wir zum Großteil Auftritte in linksalternativen Jugendzentren. Das hat uns sehr geprägt. Wir bekamen Inspiration aus der Subkultur und können ihr anders herum etwas wiedergeben. Es bedingt sich gegenseitig. Wenn man mit offenen Augen durchs Leben läuft, kann man nicht alles cool finden und darüber singe ich. Wir wollen nicht direkt politisieren, wir wollen sie eher konfrontieren. Es gibt uns natürlich auch die Möglichkeit uns politisch auszudrücken. Das führt dann manchmal zu Diskussionen nach den Konzerten. Wenn die Leute feiern wollen um alles zu vergessen, dann sollen sie nach Malle fahren! Wir wollen viel eher, dass man feiert und sein kritisches Bewusstsein beibehält.

MKZWO: Mit wem wollt ihr in naher Zukunft zusammenarbeiten?

BBO: Wir haben diverse Bandfreundschaften. Das ist total cool und dadurch ergibt sich einfach relativ häufig was. Wenn die Bands mit denen wir zusammenarbeiten aus dem gleichen „Stall“ sind, wie wir, dann ergibt sich relativ schnell eine Zusammenarbeit, wie beispielsweise mit Bonfyah. Hinsichtlich der Vernetzung sehen wir auf Bandseite keine Grenzen.

MKZWO: Habt ihr einen Lieblingssong auf eurem derzeitigen Album „Hin und Weg“?

BBO: Ich persönlich würde nicht sagen, dass ich keinen direkten Lieblingssong habe.Ich habe aber natürlich meine Favoriten. In jedem unserer Stücke steckt wirklich viel Gutes, aber um zu sagen „der ist perfekt“ sind wir zu selbstkritisch. Mir würde es echt sehr schwer fallen einen herauszupicken.

Amazon MP3: 
Amazon CD: