MKZWO Magazin

Aldubb

Aldubb hat sich mittlerweile einen Namen in der Welt des Dub verschafft, der weit über die Grenzen von Berlin hinaus reicht. Er veröffentlichte einige Alben und Singles die man als Dubhead nicht missen darf. Zum Beispiel. "Let there be Dub" oder "Bigdubb". Eigentlich sollte man alles von ihm besitzen, oder zumindest mal gehört haben. Jetzt hat er einen neuen Meilenstein heraus gebacht. Grund genug für uns ihm mal ein paar persönlichere Fragen zu stellen.

MKZWO: Was hat dich dazu bewegt Musik zu machen, und wie kam es dann dazu, das du dich dann dazu entschloßen hast, in die Richtung zu studieren, und was hat das ganze mit Physik zu tun?

ALDUBB: Musik mache ich eigentlich schon immer irgendwie, mein Vater hat früher Schlagzeug in einer Tanz und Stimmungsband gespielt, da war ich als Kind immer dabei. Dass ich Musik machen möchte war eigentlich kein Entschluss, man könnte sagen es is halt so gelaufen. Die Sache mit dem Studio war die logische Konsequenz, da ich schon immer Technik Nerd war - die aufnahmetechnische Seite des ganzen musizierens hat mich fasziniert.  Mit meiner ersten Band, da war ich vielleicht 14 oder so, hab ich schon mit dem 4Spur Tape Kasettendemos gemacht. So ging es weiter, 8 Spur, 16 Spur, Harddiskrecording... Mit Physik hat das in sofern viel zu tun, daß ich im Laufe der Zeit natürlich einiges über Akustik, Schalltechnik und so weiter gelernt habe, nicht zuletzt an der Uni, da musste ich mir fürs Technik Studium die ganze Physik und Mathematik für Ingenieure reinziehen. Nicht dass ich gut darin gewesen wäre, aber es hat mich ziemlich fasziniert, dass die moderne Physik in Bereiche vordringt, die eigentlich bisher eher Theologen und Philosophen vorbehalten waren. "Wie fing das alles an?", "wo führt das alles hin?" , "wie kann eine Katze gleichzeitig tot UND lebendig sein, nur weil noch keiner nachgeschaut hat?" , "Wenn ich schnell genug reise werde ich nicht älter…?"

MKZWO: Was spielst du für Instrumente?

ALDUBB: Drums, Maletts und Bass hauptsächlich, hab mal ne Weile in ner Punkband Gitarre gespielt, seit ich Reggae mache hab ich auch etwas Keyboard gelernt: Bobble und Bang. Percussion natürlich, eine häufig unterschätzte Disziplin, eines der schwierigsten Instrumente -meiner Meinung nach- ist ein Shaker ! Ein ganz kleines bisschen Klarinette. Ich probier alles aus, was ich in die Finger bekomme.

MKZWO: Wie kamst du zum Studio?

ALDUBB: Meistens zu Fuss, hab jetzt schon 5 Räder geklaut bekommen, seit ich vor 9 Jahren nach Berlin gezogen bin - das hat also keinen Sinn; Auto ist mir zu assi und mit der Bahn muss ich umsteigen, da lauf ich lieber die paar Minuten.

MKZWO: *lacht, so war die Frage nicht gemeint, das lag dann wohl an der Formulierung. Egal, nächste Frage. Was benutzt du für Technik wenn du live auftrittst?

ALDUBB: Ich habe meine Produktionen als sogenannte stems - also Gruppen, z.B. Bass, Drums, Riddim, Tenorgitarre, Vocals, Percussion, insgesamt sieben - und spiele die in Ableton ab, meitens als loops, oft aber auch als ganze Songspuren. Diese gehen dann über ein 8fach interface einzeln ins Mischpult, ein analoges Mackie, wo ich dann die Spuren mischen, muten und in die Effekte schicken kann. Live benutze ich hauptsächlich ein Boss RE-20, gefolgt von einem Small Stone für die Tubby-Delays, und ein Boss RV-5 Gitarrenhall für die reverb shots.
 

Ich versuche möglichst wenig von dem software-internen Zeug zu benutzen. Ein Delay, daß automatisch synchron läuft hab ich mir gesettet und ein paar Filtertricks. Der Ansatz aber ist, Ableton als praktische, handliche und sehr flexible Bandmaschine zu benutzen, aber live den Rechner eigentlich nicht anfassen zu müssen. Ich stell ihn auch immer soweit zur Seite nach unten wie möglich, um auch gar nicht in Versuchung zu kommen dauernd auf den Screen zu schauen. Zum vor- und zurückspulen, für Leute die live kennen: "die Scenen zu triggern", benutze ich einen Midicontroller, das kleine schwarze Korg-Ding… Dann hab ich noch die berühmte selbstgebaute Dubsirene und das kleine Theremin zum hupen dabei. Nicht viel. Wenn ich nicht die Gelegenheit habe das Mischpult mitzunehmen, dann mach ich auch die levels und mutes vom Midicontroller, macht aber deutlich weniger Spass. Das Interface hab ich aber immer dabei, denn ohne mein RE-20 und den Smallstone geh ich nicht aus dem Haus. Auch wenn ich mit Sattatree als FOH-Mann unterwegs bin hab ich auch genau diese Gitarrenpedale dabei.

MKZWO: Wie kam es zu der Idee ein Label zu Gründen und was hat es mit dem Namen auf sich ? Bist du ein Fan vom gleichnamigen Mundwasser?

ALDUBB:
Ich brauchte ein Label um meine Sachen zu veröffentlichen, dachte ich, dann bin ich drauf gekommen, dass "Label" ja nur "Etikett" bedeutet, also hab ich einfach "One-Drop-Music" auf die erste Platte, "Dub Files 02", gestempelt, damit war es dann gelabelt. Also ich glaube jedenfalls immer noch dass es ein Gerücht ist, dass man ohne LC-Code nicht ins Radio kann. Dann hab ich angefangen für die Sachen den webshop aufzubauen, one-drop.de hat mittlerweile neben den One-Drop Music Veröffentlichungen eine sehr feine Auswahl an Platten ua von Kingston Connexion, Irieites und weiteren befreundeten Musikschaffenden. Das mit dem Mundwasser ist ziemlich lustig, ich hab tatsächlich schonmal ein Päckchen mit Mundwasser geschickt bekommen, es war eine Reklamation, inklusive Begleitschreiben dass das Zeug ekelhaft schmecken würde. Da hatte offensichtlich jemand die falsche Adresse gegugelt,  Ich hab's nicht versucht …

MKZWO: Du hast ja seit einer Weile auch Künstler bei dir unter Vertrag. Kannst du sie uns einmal vorstellen ?

ALDUBB: Ja, ich habe krasse Knebelverträge mit ein paar aufstrebenden Bands aus Berlin gemacht. Sattatree, sind gerade dabei ihr zweites Album einzuspielen, hier im Planet-Earth-Studio natürlich. Das Debüt "Rootsman" hat ja ganz gut eingeschlagen, nachdem wir jetzt Deutscher Reggae Meister 2012 geworden sind steht dem großen Durchbruch nix mehr im Wege. Braintheft werden in Kürze ein 3-Fach Album namens "Berlintendo" auf One-Drop veröffentlichen, wie beim Nintendo kann man wählen zwischen Live-, Studio- und Remix-Mode. Insgesamt 2 Std Musik, eine Art Werkschau ihres bisherigen Schaffens seit der Gründung im Jahr 2027. Die Sache mit der Zeitlinie würde jetzt zu tief in die theoretische Quantenmechanik führen.


MKZWO: Woher bekommst du deine Ideen ? Was inspiriert dich?

ALDUBB: Oft sind die kreativsten Momente wenn man zB ein neues Instrument oder Effektgerät ausprobiert, ich lasse mich gern von den Möglichkeiten der Geräte leiten, sozusagen ihr Eigenleben zu fördern. Man kann sich natürlich nicht für jeden Song ein neues Gerät anschaffe. Oft sind es Instrumente oder Sachen, die nur kurzfristig hier im Studio sind, irgendwelche abgefahrenen Keyboards oder Trommeln, die eine Band mitgebracht hat, die gerade aufnimmt. Klar manchmal nehm ich mir auch vor "heute machst Du mal wieder nen Steppas", weil ich vielleicht die Nacht vorher irgendwas geiles in der Richtung gehört habe, was mich inspirierte. Musik neu zu erfinden ist eh schwierig. Ich versuche durch kreatives Sounddesign oder die ein oder andre ungewöhnliche Harmonie dem Ding eine kreative Note zu geben.
Natürlich inspirieren mich auch die Vokalisten, mit denen ich zusammenarbeite, man muss ja auf alles vorbereitet sein. Nach der Tour in Polen hatte ich die Gelegenheit ein paar Tage mit Diana Levi im Studio zu arbeiten, da konnte ich dann einige meiner etwas schrägeren Sachen anbringen, sie ist ja ausgebildete Jazz-Sängerin, und kommt mit Harmoniestimmen, die man sich niemals selber hätte ausdenken können, ich jedenfalls nicht.


MKZWO: Hast du musikalisch noch ein Ziel das du erreichen möchtest?  also einen Traumgig oder sowas wie z.b. auf einer Echobeach King Size Dub Compilation zu erscheinen? (wenn das nicht schon  der Fall wäre? )

ALDUBB: Ein Traum war Bassist in einer fetten Band zu sein, also eine die auf richtig großen Anlagen spielt, wo man mit einer Fingerbewegung zig Kilowatt in Schallenergie umwandeln kann. Als Produzent gibt es natürlich noch viel zu erreichen whatever, einen Song für XYZ produzieren oder sowas. Ein Traum ist auch, eine Show wo z.B. die Band Feueralarm Dubriddims spielt, und ich am Mischpult live dubbe - so wie Mad Professor, nur mit mehr als nur einer Delaytime. .Auch dafür braucht man ne grosse Anlage, weil es ja wenig bringt wenn ich am Pult den Bass mute und der aber noch fast so laut von der Bühne kommt. Technisch also nicht ganz so einfach, aber bestimmt geil.

MKZWO: Wie sieht dein Himmel aus? bist du zufrieden mit dem was du bisher erreicht hast?

ALDUBB: Alles in allem fühl ich mich wohl in dem Alter, in dem ich bin. Ich habe das Glück in Friedenszeiten in Mitteleuropa zu leben, ich bin verheiratet, ich verbringe meine Tage meistens mit Dingen, die mir Spass machen und kann davon meine Miete bezahlen… Ich denke ich hab in den letzten Jahren diese Dinge mehr zu schätzen gelernt als ich es früher tat, auch dadurch dass mir bewusst wurde, dass ich mit dem Studio nicht wirklich viel verdienen kann. Musikalische Projekte zu verwirklichen, sei es als Producer, Musiker, Labelmacher oder einfach als Tontechniker und Studiobetreiber, was ich ja die meiste Zeit bin, ist schon relativ nah an meiner Vorstellung von "Himmel". Ansonsten halte ich es mit Peter Fox: " …Hab taube Ohr'n, 'nen weißen Bart und sitz im Garten - Meine 100 Enkel spielen Kricket auf'm Rasen….".

 MKZWO: Was gefällt dir am meisten wenn du gerade bei der Arbeit bist?

ALDUBB: Wenn der Soundcheck erfolgreich beendet wurde, alle mit ihrem Kopfhörer happy sind, die Mikros positioniert und eingepegelt sind, ich die Tür vom Aufnahmeraum schliesse und am Mischpult arbeite, während ich die Band durch die Scheibe spielen sehe, wichtig dabei ist dass es eine gute Band ist, klar. Außerdem stehe ich auf Kunden die wissen was sie wollen, organisiert sind und eine realistische Vorstellung davon haben, was eine Studiosession bedeutet, bzw leisten kann. In 3 Std eine Band inclusive Brass Sektion zu recorden, am besten noch zu mischen und zu mastern, 3-5 Songs… sie versuchen es immer wieder.  Sehr viel Spass macht mir auch die momentane Mode, dass Leute mit ihrem Kindergeburtstag vorbeikommen und Karaoke aufnehmen. Ein Stall voll 10 jähriger,  die mit Kopfhörern vorm Mikro stehen und "Nossa, Nossa" kreischen, das find ich cool ! Im Ernst, wenn die sich entschliessen einzeln aufzunehmen gibt es Momente wo man mit Kindern fast arbeitet wie mit gestandenen Künstlern, und merkt, wie die Ehrgeiz entwickeln, um danach stolz die CD rumzuzeigen - die restliche Rasselbande ist dann im Regieraum am blöde Kommentare geben und sich freuen, dass man den Sänger auch ohne Musik hören kann usw, das ist schon ein sehr gutes Feeling.

MKZWO: Was kannst du gar nicht leiden wenn du grade "live" bei der Arbeit bist.

ALDUBB: Wenn Leute mich vollquatschen! Ich bin ja kein DJ, ich bin in der Musik als würde ich ein Instrument spielen, mehr noch, ich spiele ja irgendwie alle Instrumente gleichzeitig, also denke ich in Patterns und Blöcken, ich muss den Bridgepart und den Chorus erwischen. Da kann ich nicht nebenbei quatschen. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen einen Drummer auf der Bühne beim Spielen dauernd zu fragen, was das denn für ein Riddim ist, oder ob da grade Sizzla singt. Ich bring dann meist nur ein genervtes "Black Dillinger!" raus, und versuch' mich dann nach der Show dafür zu entschuldigen. Manche "MCs" die es ja immer wieder zu mir zieht, können auch ziemlich penetrant sein, ich mag lieber die guten, die auf die Musik eingehen und auch mal ne Pause machen, weniger die, die immer nur lauter machen und "mix me mix me, pull up schreien", wie gesagt ich bin kein Selecta. Versteht mich nicht falsch, Ich hab sehr grossen Respekt vor der Zunft der Plattenaufleger, aber viele grundlegende Sachen funktionieren bei meinem Liveset einfach anders, als bei nem Soundsystem, und wenn es da zu Missverständnissen kommt während ich grade meinen Film fahre, kann ich schon mal motzig sein.

MKZWO: Wie bist du auf die Idee gekommen, den Song  "Der Traum ist aus" zu Covern ?

ALDUBB:
Die Frage aller Fragen. Ich liebe den Song seit ich mit 15 Punker war. Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht mehr, ich weiss nur noch, dass mir ziemlich schnell klar war, dass Manja die perfekte Interpretin ist. Ein Mann würde ja immer mit Rio verglichen werden, und Manja hat diese leicht angepisste Art in der Stimme perfekt drauf. Das Ding scheint ja auf jeden Fall krass einzuschlagen, ich bin noch nie so intensiv auf einen Song angesprochen worden, wie auf den. Es soll Leute geben, die sich aus Saetschmo's Echochamber die entsprechende Stelle rausgeschnitten haben um ihn immer wieder hören zu können, er war ja fast zwei Jahre lang unreleased. Jetzt wird ja alles gut: es wird bald eine 7inch davon geben, mit einer auf vier Minuten reduzierten Version - auf "Welcome to Bassland" ist ja die original Länge des Scherbenarrangements drauf - und einem unfassbar rootsigen Steppas Remix von Dubmatix auf der B-Seite. Hört sich an, als war der Song schon 1972 Reggae gewesen.

MKZWO: Noch ein paar letze Worte an die Leser ?

ALDUBB: Kauft die CD ! "Welcome to Bassand!" www.one-drop.de !

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