MKZWO Magazin

In the Lab - Dokumentation

Wir schreiben das Jahr 2006. Die kleine Studentin, die Journalistin werden möchte, begibt sich auf dem Weg zu einem Interview mit DJ Premier. Der amerikanische Star lässt natürlich auf sich warten, und die Kleine redet in der Zwischenzeit mit den anderen Journalisten, die ebenfalls auf ihre Interviewtermine mit Premo warten. Dieses eine Team hat sogar eine Kamera dabei und die Jungs sind echt gut drauf. Anfangs ein bisschen schüchtern, stellt sich das Mädel schließlich doch vor und die Jungs nehmen sie sehr freundlich auf. Sie drehen eine Rap-Doku. 

Aha. Mal was anderes, denkt die Kleine. Premo verspätet sich noch mehr. In der Zwischenzeit tauchen ein Fernsehteam und noch ein paar andere Journalisten auf. Das Fernsehteam ist noch abgehobener als der Fernsehturm selbst. Die anderen Journalisten wollen sich nicht „in die Karten schauen lassen“. Das Doku-Team und die Kleine trinken mittlerweile Cola und Apfelsaft und zeigen sich gegenseitig die Fragen, die sie Premo stellen wollen, tauschen sich aus, „Was machst du so?“ und einigen sich, dass wenn die Kleine ihre Fragen stellt, die Jungs mitfilmen dürfen. Man hat sich innerhalb kürzester Zeit nicht nur kennen-, sondern auch mögen-gelernt. Premo erscheint. Die Jungs sind zuerst dran. Die Kleine darf zuschauen, und sie stellt fest, wie wenig sie über Rap weiß, wie vielfältig der Beruf des Musikjournalisten ist, und was für hochkarätige Profis die Jungs sind. „Wenn ich groß bin, will ich mal so sein, wie die drei…“, denkt sich die Kleine noch, und dann darf sie aber auch Premo ihre Fragen stellen. Große Augen…, Rieseneindruck, den die Jungs gemacht haben…, ein ganz wunderbares Gefühl, Teil von etwas sehr viel Größerem zu sein… - dies sind ihre Gedanken auf dem Nachhauseweg. 

Sommer 2008. Engin ruft an und lädt mich zu der Premiere der Rap-Doku. Nach vielen Jahren harter Arbeit ist der Streifen nun fertig. Engin ist der Interviewer und Produzent, der damals die kleine Studentin, die Mittlerweile selbst Managerin ist, so sehr inspiriert und beeindruckt hat. Icho, der Kameramann und natürlich ein paar Größen des Rap-Geschäfts sind auch zu der Premiere eingeladen. Die Kleine, die es mittlerweile auch einigermaßen geschafft hat, fühlt sich doch sehr geehrt, Teil eines so exklusiven Kreises zu sein und sagt sofort zu. Das, was dort geboten wurde, übersteigt bei weitem die doch sehr hohen Erwartungen – eine Premiere, die ihrem Namen mehr als sehr würdig ist, und eine Doku, die beeindruckender nicht sein könnte. Engin und Icho, die sich den ganzen Abend dezent im Hintergrund halten. Und die selbstsichere Managerin stellt mal wieder fest, dass sie sich immer wieder von diesen tollen Leuten inspiriert fühlt. 

Warum rede ich die ganze Zeit über die Leute hinter der Kamera – weil sie wirklich für diese Doku kennzeichnend sind. Erwartet nicht irgendeine Doku, und nicht irgendwelche Rapper, die euch auf dem Bildschirm vorgeführt werden, sondern einen Quer- und Längsschnitt der Créme de la Créme des Raps, betrachtet von einer sehr originellen, persönlichen, inner-Rap-artigen Seite aus. Wenn ihr das Gefühl habt, dass ich mich nicht klar ausdrücke, dann schaut euch bitte meine Reviews der letzten Jahre an – mir fehlen nie die Worte, ganz im Gegenteil. Diesmal jedoch schreibe ich über ein so einzigartiges Projekt, dass die Worte wirklich nur fade und blass das widerspiegeln können, was zu sehen ist. Da ist Premo, der über seine sehr persönliche Beziehung mit der Rapmusik spricht, Curse, der erzählt, wofür er im Rap steht, ohne sich jemals um sein Image zu kümmern, Killa Hakan, der über die persönliche Seite auch soziale Aspekte des Raps unterstreicht… Kool Savas, Jeyz, Olli Banjo, Martelli, Animus, Alpa Gun, Ceza, Sido, Cahed. Internationale Ur-Väter des Raps, Hoffnungsträger, ausländische und einheimische Rapper, sie alle folgten Engins Ruf und ließen sich für dieses wichtige Dokument der zeitgenössischen Rapgeschichte interviewen. Stellt euch jedoch keine abgehobene „Veranstaltung“ vor – es wird durchaus mit Mythen aufgeräumt. Kool Savas redet Klartext über Bitches und wie seine Inspiration im amerikanischen Rap und NWA lag. Martelli spricht über sein Gefühl und die maßgebliche Rolle, die dieses spielt, wenn er Rap produziert. Eine sehr erfüllende, inspirierende Doku, dachte ich nach der Premiere. Und ich war mir dann doch gar nicht mehr so sicher, dass das, was ich bis dahin als wichtige, erfüllende Managementstelle empfunden hatte, noch wünschenswert oder vielleicht gar nicht sooo das Richtige war... Diese Leute leben alle für ihre Musik, haben die Power, ihren Träumen und ihrer Berufung zu folgen. Ich konnte während der Premiere die Leidenschaft in ihren Worten regelrecht spüren, atmen, hören… Das alles kam rüber, und dies liegt eindeutig auch an dem Talent der Produzenten und Mitarbeiter dieser Doku. Hmmm….bin ich in meiner Managementposition richtig? Sommer 2009. Managementposition gekündigt, jetzt tue ich das, was ich immer tun wollte und wofür ich stehe. Die Doku hat mich damals unglaublich inspiriert und nur bestätigt, dass ich meinem Weg folgen soll. Jetzt meldet sich Engin mit der freudigen Nachricht, dass die DVD endlich da ist! Wird am 1. September releast. „Aus dem Häuschen“ ist gar kein Ausdruck für meinen Zustand. Ich bin absolut begeistert. Und die DVD steht der Premiere in nichts nach. 60 Minuten pure Freude am Zuschauen und darüber hinaus gibt es sogar 15 Minuten Bonusmaterial. Alles technisch und künstlerisch hochprofessionell. Lasst euch aber nicht täuschen – dahinter steckt wahnsinnig viel Arbeit, Talent und Leidenschaft. Von einem Team, das trotz Wirtschaftskrise und allen möglichen Widrigkeiten seinen Weg gemacht hat. Jungs, Hut ab! Unser Treffen damals, 2006, stelle ich unter der ganz großen Überschrift „Serendipity“. Ihr seid eine Bereicherung für die Rapgeschichte!