MKZWO Magazin

Eko Fresh

BACK 4 GOOD - Nach einigen Hoch-, aber noch mehr Tiefpunkten seiner Karriere scheint Ekrem Bora aka Eko Fresh nun erstmal wieder in der Mitte, bei sich selbst angekommen zu sein. Bushidos Support hat den gebürtigen Mönchengladbacher, Ex-Wahlberliner und jetzt Wahlkölner zumindest vorübergehend aus der Schusslinie genommen und ihm die Ruhe und wohl auch die Kraft zurückgegeben, etwas mehr als drei Jahre nach seinem Debüt „Ich bin jung und brauche das Geld“ sein zweites Album aufzunehmen. Und das ist mehr, als der 22jährige noch vor etwa einem halben Jahr hoffen durfte. Muffin-Affäre, Trennung von Valezka, das nicht erscheinende „Fick deine Story“-Mixtape, lauten die Stichworte.

Eko befand sich am bisherigen Tiefpunkt seiner sowieso schon holprig verlaufenen Rapkarriere und machte zudem, wie er heute erzählt, eine ernsthafte menschliche Krise durch. Doch anscheinend stimmt die alte Binsenweisheit von den schweren Zeiten, aus denen man gestärkt hervorgeht, eben doch. Denn auf „Hartz IV“ zeigt sich Eko so hungrig, frisch und treffsicher wie lange nicht mehr. Grund genug, die für sein jugendliches Alter bereits beachtlichen Irrungen und Wirrungen des Rappers noch einmal Revue passieren zu lassen. Eine Berg- und Talfahrt par excéllence.

Deutschland im Winter 2001: Die deutsche Sprechgesangsszene dümpelt mehr oder weniger vor sich hin. Kool Savas hat sich nach anfänglicher, teils heftiger Zurückweisung durch diverse Protagonisten der Rap-Szene, mittlerweile den ihm zustehenden Respekt als wahrscheinlich bester deutscher Rapper erkämpft. Seine Veröffentlichungspolitik kann man jedoch schon damals nur als äußerst sparsam bezeichnen. Nach seiner letzten Veröffentlichung auf Put Da Needle „Haus und Boot“ sowie dem MOR-Album „NLP“ ist von ihm nicht viel zu hören, dabei wartet fast die gesamte Rapszene sehnsüchtig auf sein erstes Soloalbum. Von seiner ehemaligen Crew MOR hat er sich bereits im Sommer getrennt. Seine eigene musikalische Zukunft steht in den Sternen, da überrascht der King Of Rap plötzlich mit einem neuen Zögling. Eko nennt der sich damals noch schlicht, seinen ersten Auftritt hatte er bereits auf der „Haus und Boot“-EP. Nun steht er mit seiner eigenen EP „Jetzt kommen wir auf die Sachen“ in den Startlöchern, die, wohl wegen Savas damaliger unklarer Labelsituation, auf Royalbunker erscheint. Enthalten sind fünf Stücke, auf denen Eko mit lässig vorgetragenen Punchlines und elegant-überheblichem Rapstil zu glänzen weiß. „Jetzt kommen wir...“ wird von vielen Seiten mit Respekt aufgenommen, doch schon damals, am absoluten Beginn seiner Karriere, schafft es der gerade 17jährige, zu polarisieren. Von den einen als neuer Hoffnungsträger und möglicher Thronfolger von Savas gefeiert, schlägt ihm von anderer Seite ein rauerer Wind entgegen. Der Hauptvorwurf: Eko habe keinen eigenen Style, sondern sei lediglich eine Kopie seines Mentors. Eko kontert diesen Anwurf in der Juice folgendermaßen: „Wenn etwas Neues herauskommt, wollen es die Leute eben immer zuordnen. Aber würde ich Savas wirklich biten, würde er doch wohl kaum mit mir Musik machen.“ Die Gefahr, auf ewig im übergroßen Schatten des Meisters zu stehen sieht er nicht. „Savas wird mir nie im Weg stehen“, gibt er sich an gleicher Stelle überzeugt. „Ganz im Gegenteil.“

Kennen gelernt hat Eko sein damaliges Idol, als er anlässlich seines siebzehnten Geburtstages eine Party in Mönchengladbach schmeißt und dafür Savas bucht. Noch vor dieser Begegnung hat er dem Berliner am Rande einer Show in Köln schon mal ein Tape von sich in die Hand gedrückt. Savas scheint davon jedoch noch nicht allzu beeindruckt gewesen zu sein, jedenfalls meldet er sich nicht unter der auf dem Tape angegebenen Telefonnummer. Erst bei seinem Auftritt auf dessen Geburtstagfete findet er Gefallen an den Reimkünsten des Jungspunds und lädt ihn schließlich zu sich nach Berlin ein. Dort entstehen erste Tracks, die dann auf „Jetzt kommen wir...“ landen.

In der Folge wird die Bindung zwischen Savas und Eko immer enger. Als Savas nach seiner Trennung von PDNTDR einen Deal bei BMG/Subword bekommt, zieht er Eko mit. „Savas ist mein Partner“, sagt Eko damals, wiederum in der Juice. „Ich weiß, dass ich ihm viel zu verdanken habe und bin ihm gegenüber loyal. Da er mehr Erfahrung als ich hat, hat das Ganze schon einen Kleiner-Bruder-Touch, aber er steht nicht über mir. Wir sind Freunde. Ich versuche aber, möglichst viel von ihm zu lernen.“  Der Junge ist noch nicht einmal zwanzig und hat schon einen Deal mit einem Majorlabel in der Tasche. Angeblich soll ein Vorschuss von 50.000 Euro geflossen sein. Bei Royalbunker, dem somit nur die Rolle eines Sprungbretts für Ekos Karriere zukommt, ist man über diese Entwicklung verständlicherweise eher wenig begeistert. Unter dem Namen Optik Crew formiert Savas nun um sich, seine Freundin Melbeatz, Eko, die Sängerin Valezka sowie DJ Nikon seine musikalische Familie, die nicht wenige für das Nonplusultra des deutschen HipHop und praktisch auf Jahre hinaus unschlagbar halten. Auf Savas’ Debütalbum „Der Beste Tag Meines Lebens“, das im Sommer 2002 endlich erscheint, darf Eko die zweite männliche Hauptrolle übernehmen. Auf jeder Single, in jedem Video stellt Savas ihn neben sich.

Argumente dafür liefert Eko auch genug. Immer mehr kristallisiert sich sein eigener Stil heraus. Inspiriert durch den damals in Deutschland noch praktisch unbekannten Cam’Ron und seine Diplomats entwickelt Eko einen völlig neuen Style. Seine Hauptbestandteile sind die offen zur Schau gestellte Ignoranz und eine demonstrative Überheblichkeit, gepaart mit treffsicheren Punchlines, technisch anspruchsvollen Vier- bis Fünffachreimketten sowie dem für Eko so typischen Schuss Humor. In der deutschen Szene, die spätestens seit 2002, als Bushidos Debüt für Aggro erscheint, nur noch versucht, sich gegenseitig an Härte zu übertreffen, ist das allerdings noch nicht wirklich mehrheitsfähig. Immer häufiger sieht Eko sich persönlichen Anfeindungen ausgesetzt, besonders besagter Bushido schießt gerne sowohl in Interviews wie in Tracks gegen Eko.
Stören oder gar zu einer Stiländerung bewegen lässt er sich davon freilich nicht. Unbeirrt feilt er weiter an seiner Rap-Identität. Auf Nikons beiden Mixtapes „Optische Elemente“, den ersten Mixtapes in Deutschland, die nach amerikanischem Vorbild praktisch wie Alben funktionieren, setzt er ein ums andere Mal Glanzpunkte. Die Blaupause seines Styles befindet sich auf der B-Seite der Singleauskopplung des Titeltracks von Savas’ Album und hört auf den Namen „Bitte Spitte“. An der Seite von Savas schafft Eko es in seiner Strophe, nicht einen einzigen echten Reim zu benutzen. Stattdessen wiederholt er einfach ganz dreist das soeben gesagte noch einmal. Ein Textbeispiel: „Es gibt Bräute, die mich anrufen/ich kenn’ sie nicht, es sind einfach Bräute, die mich anrufen“. Im Abspann spottet er: „Nicht ein Reim und besser als ihr!“ Ein wahrlich glorioses Manifest der Ignoranz. Das Echo darauf ist erwartungsgemäß wieder einmal zwiespältig. Ein damals noch unter Sentence firmierender, heute als Sentino bekannter Rapper behauptet, diese Technik der simplen Wiederholung erfunden zu haben. In MKZWO weist Eko diese Behauptung zurück. Auf die Frage, wessen Erfindung der Style denn nun gewesen sei, antwortet er: „Ganz sicher nicht die von Sentence! (lacht) Das ist auf der Überoptik-Tour entstanden. (auf der Sentence ebenfalls dabei war – Anm. d. Verf.) Die Idee hatten die Amis schon vorher. Wir haben es nur auf Deutsch umgesetzt. Wenn, dann hat es für Deutschland Savas erfunden, aber ich war der erste, der es in seinen Texten umgesetzt hat.“

2003 schließlich erscheint „König von Deutschland“, Ekos erste eigene Single auf Optik und gleichzeitig der Vorbote zu seinem angekündigtem Album „Ich bin jung und brauche das Geld“. Doch hinter den Kulissen bei Optik Records brodelt es bereits heftig. Zwar geht die Single auf Platz 15, für damalige Verhältnisse ein beachtlicher Erfolg. Savas und sein Schützling sind sich jedoch uneins über Ekos weiteren Kurs. Savas möchte ein straightes Rapalbum von ihm, während Eko viel mehr Lust hat, durch überspitzt vorgetragene Angebereien zu provozieren und ganz offen auf den Popmarkt und die Bravo-Leser schielt. Die Differenzen erweisen sich als unüberwindlich, Eko muss Optik schließlich im Sommer 2003 verlassen. Mit ihm geht auch Valezka, die in der Zwischenzeit seine Freundin geworden ist. Über die Hintergründe des Splits erfährt die Öffentlichkeit anfangs wenig, diverse Gerüchte und teilweise wilde Spekulationen machen die Runde.

Eko zieht es zunächst vor, zu allen Angelegenheiten zu schweigen. In der Backspin lässt er verlauten: „Ich habe meinen Respekt nicht verloren und bin auch nicht interessiert daran, dass das in Streitigkeiten ausartet. So war’s bis jetzt nicht und so wird’s auch nicht sein. Da wird auch teilweise nur was hochgepusht, weil es für viele ein gefundenes Fressen ist.“ Unmittelbar nach der Trennung kann Eko zunächst einen neuerlichen kommerziellen Erfolg feiern. Seine zweite Single „Ich bin jung und brauche das Geld“ aus dem gleichnamigen Album geht auf Platz 5 und erreicht somit Ekos bis dato höchste Platzierung in den Charts. Das Lied setzt in Punkto Kommerz noch mal eins drauf. An der Seite von Sänger G-Style, der durch sein Mitwirken an Tomekks „Tu mir den Gefallen und bleib Gangsta“ vielen sowieso schon ein Dorn im Auge ist, rappt Eko über den Beat zu R.Kellys „The World’s Greatest“ unverschämt eingebildete Lines. Der deutschen Rapszene ist das anscheinend mehrheitlich zuviel Selbstbeweihräucherung. Eko wird in zunehmendem Maße Zielscheibe für Disstracks. Hatte sich sein ehemaliger Mentor Savas in solchen Fällen bisher immer schützend vor Eko gestellt, unterstützt er jetzt ganz offen solche Aktionen. So taucht er kurz vor dem Release von Ekos Debüt auf einer Party der Rec.On-Jungs auf, deren Member Abdel einen der bekanntesten Tracks gegen Eko veröffentlicht hat, „Das Stück Scheiße“.

Das Album, das letztlich zur Trennung geführt hatte, ist übrigens weitaus besser als sein Ruf. Zwar muss Eko einige schon fertig gestellte Tracks verwerfen und durch schnell aufgenommene, etwas unfertig wirkende Stücke ersetzen. Trotzdem bietet „Ich bin jung und brauche das Geld“ neben freilich reichlich clubtauglicher Popmusik nicht zu leugnende, leider fast gar nicht gewürdigte Qualitäten wie das komplett gecroonte „Hass mich“, „Vier Türken“ mit Ercandize, Caput und Summer Cem, die türkisch-deutschsprachige Collabo mit Azra „Dünya Dönyor“ oder auch das Punchline-Monster „For all my people“. Selbstbewusst verknüpft Eko große Hoffnungen mit seinem Debüt, die er gegenüber der Backspin äußert. „Mein Style ist eine Provokation. Das, was die Leute von mir zu hören bekommen, entspricht nicht dem, was sie an Realness-Ansprüchen oder sonstigen Kategorien in ihrem Kopf haben. Damit stelle ich auch die Frage, ob diese Kategorien überhaupt notwenig sind. Vielleicht wollen viele das geil finden, aber trauen sich noch nicht. Aber ich glaube, das wird sich nach dem Album ändern. (...) Ich sehe mich selbst als Vorreiter.“
Zwar hat Eko mit dieser Einschätzung durchaus recht, denn schon bald sind die von ihm geprägte Attitüde Standard bei deutschen Rappern – von der bis heute täglich wachsenden Armee von Dipset-Klonen, die im Gegensatz zu Eko aber meist wenig Eigenes einbringen, ganz zu schweigen. Der kommerzielle Erfolg bleibt „Ich bin jung...“ jedoch versagt. Überhaupt wird es nach dem Erscheinen des Albums stiller um Eko. Eine weitere Single wird nicht ausgekoppelt. Er verlässt Berlin Richtung Köln, wo er sich im Stadtteil Köln-Kalk ein neues Umfeld aufbaut. Mit German Dream versucht er, sich eine neue Plattform schaffen und nimmt Künstler aus seinem Umfeld wie Summer Cem, G-Style oder den Produzenten Kingsize unter Vertrag. Nennenswertes passiert dort jedoch nicht. Sein nächstes musikalisches Lebenszeichen hört auf den Namen „L.O.V.E.“. Das steht für ‚Love Of Valezka and Eko’ und ist ein gemeinsames Album mit seiner Freundin Valezka. Dementsprechend R’n’B-lastig, um nicht zu sagen poppig kommt es daher. „L.O.V.E.“ stellt den vorläufigen Tiefpunkt in Ekos Karriere dar, nicht nur musikalisch, sondern auch, was die Rezeption anbelangt. Die Rapszene wendet sich beinahe geschlossen von ihm ab. Zwar wird ihm 2004 ein Bravo-Otto verliehen, bei den HipHop-Kids genießt er aber fast keinen Respekt mehr. Sein Versuch, sich an der Seite von Azra ausgerechnet auf seinem alten Label Royalbunker verlorenen Kredit bei den Fans und abhanden gekommene Streetcredibility zurückzuholen, geht ebenfalls gründlich daneben. Das Eko-Azra-Album wird von Fans und Medien weitestgehend ignoriert, das Video „Eigentlich schön“ von MTViva abgelehnt. Schade eigentlich, denn das Album präsentiert einen hungrigen Eko, der sich wieder auf seine Stärken besinnt und sein Talent abseits von Reimen über Designerklamotten voll auslebt – von Azras ebenfalls über jeden Zweifel erhabenen türkischen Raps mal ganz abgesehen.

Die ganze Zeit hat Eko sich zurückgehalten, doch Ende 2004 ist Schluss damit. Mit einem Paukenschlag bricht er sein Schweigen und beendet das HipHop-Jahr just in dem Augenblick, als die Szene sich gerade anschickt, in kollektivem Winterschlaf zu versinken. Der Track „Die Abrechnung“, der kurz vor Weihnachten auf der Juice-CD erscheint, enthält Ekos erste öffentliche Stellungnahme zur Trennung von Savas, dem er Egomanie und Festgefahrenheit vorwirft. Daneben holt Eko auf „Abrechnung“ zum Rundumschlag aus gegen all jene, die ihn in der Vergangenheit immer wieder angegriffen haben. In erster Linie Bushido und Aggroberlin, deren Künstler Fler er vorwirft, seinen Style gebitet zu haben. „Die Abrechnung“ ist zweifellos einer der besten Disstracks, die Deutschland bis dato erlebt hat und löst in der deutschen Raplandschaft geradezu ein Erdbeben aus. Zahlreiche weitere Disstracks unterschiedlicher Beteiligter sowie eigentlich Nicht-Beteiligter sind die Folge. Besonders überraschend ist dabei, dass sich die ehemaligen Gegner Bushido und Eko plötzlich auf einem Track gegen besagten Fler zusammentun. Und es soll nicht die letzte Zusammenarbeit der beiden bleiben.

Zwar beendet Savas die Disswelle schließlich souverän mit seinem Track „Das Urteil“, dem deutschen Battletrack schlechthin, in den er dem Anschein nach sein ganzes Können legt. Doch Eko hat sich trotzdem aus der Bedeutungslosigkeit heraus zurück ins Scheinwerferlicht katapultiert. Viele HipHop-Fans äußern wieder Sympathien für den immer noch jungen Rapper. Sein Ruf verbessert sich zusehends. Doch anstatt den Beef auf sich beruhen zu lassen und wieder gute Rapmusik zu machen, begeht Eko den Fehler, sich weiter in den Beef mit Savas zu verbeißen. Nachdem auf dessen Mixtape „Die John Bello Story“ erneut gegen Eko ausgeteilt wird – vor allem die Optik Youngsters um Savas’ Bruder Sinan lassen keine Gelegenheit aus, verbal in Ekos Richtung zu schießen – nimmt Eko quasi ein Gegen-Mixtape namens „Fick deine Story“ auf, das in seiner ursprünglichen Form Zeile für Zeile nicht viel mehr als Hass und sehr harte Disses gegen Savas enthält und letztlich nie erscheint. Der Grund: Subword, sowohl Labelheimat von Savas wie Eko, hat kein Interesse an einer Eskalation des Streits zwischen seinen beiden Künstlern. „Zu der Zeit war ich sehr destruktiv, ich wollte eher etwas beweisen, als an meine Karriere zu denken. Mir war egal, wie scheiße ich lebe und wie wenig ich verkaufe, Hauptsache, ich habe meine Ehre wieder“, räumt Eko heute ein. Es folgen Streitigkeiten zwischen Eko und seinem Label, die sogar zu Handgreiflichkeiten geführt haben sollen. In die Nachrichten schafft er es nur Dank des reißerischen Artikels einer Kölner Boulevard-Zeitung über einen Klinikaufenthalt. Der Grund: In einem Muffin soll zuviel Haschisch gewesen sein. Von seiner Freundin Valezka trennt er sich wenig später, sein Label German Dream, das ohnehin anscheinend nur auf dem Papier existiert, verliert neben ihr mit Manuellsen einen weiteren Künstler. Es scheint fast, als ob Ekos vorübergehende Rehabilitation im Game nur ein kurzes Strohfeuer gewesen und der Ofen nun endgültig aus sei.

Doch auch dieser weitere Rückschlag kann ihn letztlich nicht aufhalten. Bushido unterstützt ihn, wo er kann und macht seinen Einfluss bei Subword geltend. Außerdem ernennt er Eko zum Ehrenmitglied seines Ersguterjunge-Camps. Auf dem Labelsampler „Nemesis“ darf Eko seinen Solotrack „Der König persönlich“ performen. Bushidos Engagement wirkt für die zahlreichen Fans des TopTen-Rappers wie ein Ritterschlag für Eko. Seine Aktien steigen wieder. „Von Bushido habe ich vor allem gelernt, straight zu sein“, erklärt er. „Er hat mich dazu motiviert, wieder stolz auf das zu sein, was ich bin. Du bist das doch, hat er gesagt, und du hast das doch erfunden. Dann mach das doch auch gefälligst! Der ist mir nicht in den Arsch gekrochen oder vor mir weggelaufen, sondern hat mir einfach mal die Meinung gesagt, und anscheinend habe ich genau das mal gebraucht.“ Eko beginnt mit den Aufnahmen zu seinem neuen Album, das den Namen „Hartz IV“ tragen und den MC auf Abwegen wieder zu seinen Wurzeln zurückführen soll. „Seit meinem ersten Album gibt es eigentlich gar niemanden mehr, der richtig fresh ist, der das alles auch mal auf die Schippe nimmt. Die nehmen sich alle so unglaublich ernst, dass es schon wieder lächerlich ist. Mein Album bringt einen wieder zum Schmunzeln, und wer macht das schon? Ich kann das in Deutschland am besten und wusste es selber lange nicht. Bis ich gemerkt habe, das ist das, was ich kann, wofür man mich geliebt hat“, so Eko über „Hartz IV“.

Wie die Story des Lebens von Eko Fresh nach diesem Album weitergehen wird, weiß kein Mensch. Er selbst sieht sich wieder in einer Außenseiterposition und genießt es, nicht mehr den Druck zu spüren, der zu anderen Zeiten auf ihm lastete. „Ich bin realistisch, ich weiß, dass German Dream noch ein ganz kleines Label ist, und dass ich vor einem Jahr noch fast gar nichts mehr hätte machen können. Deswegen ist auch ein kleiner Erfolg ein Riesenerfolg für mich. Ich sehe mich im Moment nicht in Konkurrenz zu Aggro oder so.“ Echte Bescheidenheit oder taktische Tiefstapelei? Wie auch immer – durch seine nicht immer einfachen Erfahrungen und Krisen, deren Ursachen er selbstkritisch zum größten Teil in eigenen Fehlern verortet, scheint Eko mit mittlerweile 22 Jahren eine gereifte Persönlichkeit zu sein, die weiß, wohin sie will, als Künstler wie als Mensch. Ganz nach oben muss das erstmal gar nicht sein, betont er. Eko, der schon ganz oben wie ganz unten war, weiß eben um die Schnelllebigkeit des Business und die bösen Folgen, die ein zu rascher Aufstieg haben kann. Aber warten wir ab, wohin sein Weg ihn noch führen wird. Angesichts seines künstlerischen Potentials sowie seiner erstaunliche ausgeprägten Fähigkeit, sich auch aus scheinbar ausweglosen Situationen wieder frei zu kämpfen, kann man an dieser Stelle eigentlich nur mal wieder den Gott-hab-ihn-seligen Biggie zitieren:

Sky is the limit.

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