MKZWO Magazin

Dendemann

„Früher war ich das HipHop-Aushängeschild – heute bin ich die Alternative!“

... sagt HipHop-Haudegen Dendemann mittlerweile über sich selbst. Er, der wie kein anderer über HipHop sinnierte, so dass dieser sich gelegentlich persönlich bei ihm meldete. Fest steht jedenfalls – egal was Uns-Dendemeier anpackt – HipHop wird zwangsläufig dabei sein.

„Ich könnte jetzt einen definitiven Tekkno-Song produzieren und da wäre immer noch mehr HipHop drin, als beim Lieblingsrapper deiner kleinen Schwester.“

Kein Wunder also, dass selbst geplante Grenzgänge in benachbarte Genres („3 ½ Minuten“), da enden wo der Weg begann: beim Rappen und Reimen. Mit seinem konkurrenzlosen Wortwitz erzählt er nach wie vor Alltägliches aus ungewohnten Blickwinkeln - Dende halt. Trotzdem glaubt er nicht das Rad neu erfunden zu haben: „Die Texte bleiben die gleichen. Nur wenn ich heute über Goldketten ‘nen Song mache, richtet sich das nicht automatisch ans andere Ende des Teiches, sondern du musst aufpassen wer sonst noch so im Raum sitzt und sich angesprochen fühlen könnte.“ Doch trotz gelegentlicher Spitzen gegen die „harte“ Mainstream-Konkurrenz, weiß er dennoch um ihre Wichtigkeit: „Machen wir uns nichts vor – der ganze Mainstream-HipHop würde doch ohne den „alternativen“ HipHop so gar nicht existieren. Andererseits - Worüber hätten DelaSoul ihre letzten 5 Alben gemacht, wenn es den Mainstream nicht gäbe?“

So klingt halt einer, der sich mit HipHop die Nächte um die Ohren haut und mit ihm seinen Frieden gemacht hat. Dendemann spricht von HipHop, wie von einem guten Freund, auf den man stolz sein kann: „HipHop ist die größte Jugendkultur dieser Zeit. Mittlerweile zitiert Pop HipHop und nicht umgekehrt. Mal ehrlich – Justin und Nelly Furtado haben doch im Moment die besten HipHop-Platten draußen – Rap einmal außen vorgelassen.“  Das bleibt wohl Geschmackssache, - besonders erstaunlich ist nur, dass diese Meinung ausgerechnet im HipHop-Lager besonders stark vertreten wird. „Es ist halt IN – Offen zu sein.“ – wie Dende bemerkt, um gleich einen Satz nachzuschieben, wie ihn DJ Mad vor Jahren formuliert haben muss: „Wer HipHop macht und nur HipHop hört, betreibt musikalischen Inzest.“ Und wer ihn macht und sich immer wieder anhört, den plagen Selbstzweifel. Jedenfalls denjenigen, der stets mit den erreichbaren 99,9% liebäugelt. „Ich hatte einfach keinen Bock mehr zu überlegen, ob die Snare nun nicht doch noch ein wenig versetzt werden könnte. Wenn ich mir im Plattenladen Beats anhörte, konnte ich die ja auch gut finden, ohne da was verändern zu wollen. Aber so ist das bei eigenen Sachen.“

Zum Glück ticken talentierte Beatbauer wie die Mainzer Audiotreats oder Jansen und Kowalski aus Hamburg in Sachen Instrumentals ähnlich, ja fast synchron zu Dendes Vorstellungen in dieser Richtung. Anders ist die euphorische Lobhuddelei auf deren Musikverständnis nicht zu erklären – da haben sich welche gefunden! Jedenfalls was „Die Pfütze des Eisbergs“ betrifft. – „Beim nächsten Album mache ich die Beats wieder selber.“ Möglicherweise wird dies ja ein HipHop-Sparten Experiment ...

„Ich mache einfach zu jedem Stil einen Song, also einen Dirty South, Miami Base, G-Funk, Westcoast, HipHouse, Grime ... ich glaube das sprengt den Rahmen und passt nicht auf ein Album.“ Musikalisch klingt das ziemlich interessant - also Musik über Musik – aber inhaltlich gesehen „... will ich das auf jeden Fall vermeiden.“


Wie jetzt? „Also ich hab mir eigentlich vorgenommen nicht mehr Musik über Musik zu machen.“ Aber ist das nicht kennzeichnend für HipHop? „Klar, und mit dem entsprechend dicken Beat geht das – auch zukünftig. Nur andere Themen möchte ich auch musikalisch anders verpacken.“

Das klingt spannend wie immer, wenn Gerüchte um ein neues Album des tightesten Geschichtenerzählers im Umlauf sind. Was motiviert den Mendener – der Erfolg? „Was heißt Erfolg? Ich hatte meine Super-Rezension in meinem Lieblings-HipHop-Mag schon. Ich konnte meine Häkchen machen, wenn’s darum geht. Heute freue ich mich aber darüber Musik machen zu können – also bei einem Label zu sein, dass mir einen Vertrag über zwei Alben bietet.“

Beim Thema Glück weicht der Wahlhamburger wie gewohnt galant aus, denn sein eigenes/privates Glück ist ihm heilig. „Neulich habe ich ein Interview gelesen, wo ‘nem Typen die Frage gestellt wurde: Was war der schönste Augenblick in deinem Leben - Antwort: ‘als ich erfuhr das wir ein 100.000,- Euro Video kriegen.’ Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Aber wenn das alles ist, was Freude auslöst, dann pack’ zusammen, denn beim ersten Rückschlag – und die Tiefen kommen – ist’s eh vorbei.“  So hört sich jemand an, der Tiefen kennt und bezüglich Videodreh eh einen vollkommen anderen, künstlerisch ambitionierten Weg verfolgt. Dass dieser nicht selten Entbehrungen bedarf, musste auch Dende beim Dreh zu „Endlich Nichtschwimmer“ erfahren... „Ich möchte nicht noch einmal drei Tage in ‘nem Gummikostüm vor mich hinschrumpeln ...“.

Klingt irgendwie komisch und ist es bestimmt auch... Wer das Video nicht abwarten kann und den jungen Mann dennoch in Augenschein nehmen will, sollte nicht zögern und die Tournee-Daten auf www.dendemann.de checken. Denn nur live ist Dende noch besser als auf Platte. Freunde einzigartiger Bühnenpräsenz, tighter Flows, konkurrenzlosen Entertainments kommen nie leichter auf ihre Kosten!